Eine gemächliche Route durch Neuengland
Dieser Artikel wurde am 26. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Nachdem wir ja unsere Nordosten-Reise zum zweiten Mal stornieren mussten, soll hier doch wenigstens die Route eingestellt werden, damit sich andere daran orientieren können. Das gilt umso mehr, als ich mir diesmal wirklich viel Mühe mit der Vorbereitung gemacht hatte.
Die Route betrifft die klassischen Bereiche von New England mit den Staaten Massachusetts, Maine, New Hampshire und (südliches) Vermont. Sie startet und endet in Boston. Sie ist recht gemächlich angelegt, also mit vergleichsweise kurzen Tagesetappen, da wir ja das Ganze mit Kleinkind machen wollten und sich insofern stundenlange Autofahrten verbieten. Insofern könnte man auch ggf. auch mal 2 Tage miteinander verbinden, wenn man das Ganze schneller machen möchte. An einzelnen Stellen verweise ich auf Möglichkeiten, die Route noch auszubauen. Links habe ich jetzt nicht gesetzt, wer mehr über etwas Bestimmtes wissen will, muss halt googeln.
Die Routenplanung ist dabei klassisch: Von Boston zunächst die Küste hoch bis zum Acadia National Park, von dort dann zurück zu den White Mountains, durch Vermont nach Massachusetts und wieder zurück nach Boston. Also so:

Motels:
Jedenfalls in den Monaten Juli-August (Hauptreisezeit) sowie Mitte September bis Mitte Oktober (Indian Summer) empfiehlt sich die Vorbuchung von Motels auf jeden Fall. Ebenso an den Wochenenden. Man sollte nicht vergessen, dass dieser Bereich relativ schnell von verschiedenen Großstädten und von Kanada aus erreicht werden kann und insofern gerade bei gutem Wetter doch die Touristenströme erheblich sind. Es kann einem sonst passieren, dass man gar keine oder nur sehr teure Unterkünfte findet. Natürlich kann es einem auch passieren, dass man je nach Gegend und Wochentag viele freie Unterkünfte findet, aber das lässt sich kaum vorhersehen.
Diese von mir auch durchgeführte Vorbuchung stellte sich jedoch als ziemlich nervtötend heraus. Das Problem ist nämlich, dass – anscheinend aufgrund der Touristenströme – viele Motels es anscheinend nicht nötig haben, kundenfreundlich zu sein. Hinzu kommt, dass im Nordosten der Anteil von unabhängigen, kleinen Motels recht hoch ist, so dass man gar nicht so einfach Internetbuchungen vornehmen kann. Zum Teil sind die Buchungsseiten eine echte Zumutung. Nicht selten wird einem vorgeschrieben, dass Buchungen nur telefonisch zu bestimmten Uhrzeiten entgegen genommen werden, dass Emailanfragen grundsätzlich nicht beantwortet werden, Buchungen für nur eine Nacht nicht möglich sind und ähnlich freundliche Bedingungen.
In einzelnen Orten ist es mir schlicht nicht gelungen, ein Motel zu finden, dass sowohl einigermaßen günstig als auch einigermaßen ansprechend als auch unproblematisch übers Internet zu buchen war. Irgendwie erinnerte mich das stark an Buchungen in der deutschen Provinz. So gar nicht, wie ich es von Amerika erwartet hätte.
Insofern und auch wegen der nicht gerade günstigen Preise vieler Motels kann es durchaus sinnvoll sein, eine vorgebuchte Reise über einen Reiseanbieter zu buchen. Die sind allerdings auch nicht unbedingt günstig.
Die jetzt von mir aufgeführten Motels sind jedoch nun wirklich gute. Also mit einigermaßen akzeptablen Preisen (das Preisniveau ist insgesamt deutlich höher als im Westen und lag bei der Reisezeit Anfang-Mitte September, also noch nicht mal zur Hauptsaison, bei über 70 Dollar die Nacht), Möglichkeit zur Buchung jedenfalls per Email und mit guten bis sehr guten Kritiken im Internet.
Ich beschränke mich bei der Route auf die wesentlichen Details. Soweit ich einzelne Ortsnamen ohne nähere Erläuterungen aufführe, handelt es sich um allgemein sehenswerte Orte. Zu den Einzelheiten verweise ich einfach auf die Reiseführer, wobei einmal mehr der Reiseführer von Reise Know How (Kanadas Osten / USA Nordosten) die besten praktischen Hinweise gibt. Für mehr Hintergrundinformationen über Geschichte und Kultur empfiehlt sich zusätzlich ein Reiseführer von Baedeker.
Tag 1:
Ankunft in Boston
Für die Übernachtung würde ich das Courtyard by Mariott Tremont Street vorschlagen. Es ist zwar nicht gerade billig, liegt aber zentral und hat gute Kundenbewertungen.
Ansonsten an diesem Tag: Erkunden von Boston (Freedom Trail, Aussicht vom Prudential Tower etc.)
Tag 2:
Erkunden von Boston nach eigenem Wunsch, denkbar wäre ein Ausflug mit der U-Bahn nach Cambridge zur Harvard-Universität.
Für den Nachmittag dann eine Fahrt nach Lexington/Concord, um die dortige Informationsstätte über die ersten Gefechte des amerikanischen Bürgerkrieges zu besichtigen. Außerdem gibt es da die Häuser verschiedener wichtiger amerikanischer Autoren.
Übernachtung: Days Inn Danvers – eine Mall ist direkt daneben, so dass der Abend auch gerettet ist.
Tag 3:
Besichtigung des nahegelegenen Salem (einmal wegen dem bekannten Haus der sieben Giebel aus dem gleichnamigen Buch von Nathaniel Hawthorne und auch wegen der “Hexenvergangenheit” der Stadt).
Weiterfahrt nach Portsmouth. Hier dürfte insbesondere das Strawbery Banke Museum interessant sind. Dort hat man den Abriss eines Viertels verhindert und dadurch die Häuser der unterschiedlichen Baustile der vergangenen Jahrhunderte erhalten, die man zum erheblichen Teil besichtigen kann.
Direkt daneben dann der Ort Kittery mit seinen Outlets zum Shoppen. Über York (dort zweigt wenige Minuten nördlich vom Ortskern die Nubble Road von der 1A zum Nubble Lighthouse ab) nach Ogunquit mit seinen Stränden und Touristenläden
Übernachtung: Sea View Inn Ogunquit (leider über das Internet nur per Email buchbar)
Insgesamt: 116 km
Tag 4:
Wenige Meilen nördlich von Ogunquit ist Kennebunkport, u.a. mit dem Familiensitz der Präsidentenfamilie Bush und anderen schönen Häusern (auch wenn George W. inzwischen so tut, als sei er waschechter Texaner und sogar deren Dialekt beim Sprechen nachahmt – er ist und bleibt der Sproß einer Neuengländer-Upperclass-Familie).
Von dort sind es wiederum nur wenige Meilen bis nach Portland, einer wohl ganz interessanten Stadt. Sehenswert scheint hier u.a. das Victoria Mansion zu sein, ein restauriertes Stadthaus. 20 Meilen nördlich liegt Freeport, ein ganzer Ort mit Outlet–Shopping. Wer genug geshoppt hat und Meer sehen will, kann dies bei Wolfes Neck State Park tun. Von dort ist es noch eine Stunde nach Boothbay Harbor.
Übernachtung: Flagship Inn Boothbay Harbor – wird im Internet sehr gelobt (Buchung per Email)
Insgesamt: 151 km
Tag 5:
Das Problem dieses Tages ist die zerklüftete Küstenlinie der Region mit seinen vielen Halbinseln. Obwohl man hier nur wenige Meilen Luftlinie zurücklegt, muss man doch einiges fahren.
Von Boothbay Harbor geht es zunächst zurück nach Wiscasset und von dort auf die nächste Halbinsel nach Pemaquid. Das geschichtlich interessante Colonial Pemaquid bei New Harbor und weiter südlich der Leuchtturm am Pemaquid Point scheinen sehr sehenswert zu sein. Von dort ist es noch eine Stunde nach Rockland.
Übernachtung: Claddagh Motel Rockport (ganz in der Nähe von Rockland, Buchung per Email)
Insgesamt: ca. 130 km
Tag 6:
Von Rockland geht es zunächst nach Camden. Neben der Besichtigung der Stadt gibt es auch leicht nördlich davon den Camden Hills State Park, wo man mit dem Auto auf die Hügel hochfahren kann und bei schönem Wetter einen tollen Blick hat. Über die kleineren Orte Castine und Stonington geht es Richtung Acadia NP/ Bar Harbor
Übernachtung: Best Western Inn - State Highway 3 – kurz hinter Salsbury Cove. Nach den Bildern auf der Internetseite liegt das sehr idyllisch im Wald.
Insgesamt: 137 Kilometer
Tag 7:
Dieser Tag ist für den Acadia National Park reserviert. Wer am nächsten Tag weniger fahren will, kann abends noch bis Bangor fahren. 73 km
Übernachtung: Entweder wie am Tag 6 oder Motel 6 Bangor
Den Abend kann man in der Bangor Mall (offen bis 21 Uhr, Exit 186 von der 95) verbringen.
Insgesamt 74 km
Tag 8:
Tag 8 hat mir einigermaßen Kopfzerbrechen bereitet. An diesem Tag geht es wieder südwärts Richtung White Mountains, was trotz teilweiser Interstate einige Zeit dauert. Allerdings gibt es auch keine wirkliche Alternative. Unterwegs kann man in der Hauptstadt von Maine, Augusta (nach ca. 1:15 Stunde Fahrzeit) Pause einlegen und das Maine State Museum und das Western Fort anschauen. Von dort sind es nochmal 2:15 Stunden Fahrzeit bis North Conway, wo einmal mehr Outlet Shopping und Motels locken.
Übernachtung: In North Conway (Motelempfehlung habe ich hier nicht).
Insgesamt 276 km
Tag 9:
Diesen Tag kann man in den White Mountains verbringen, z.B. am und auf dem Mt. Washington und in Bretton Woods. Übernachtung wieder in North Conway.
Tag 10:
Von North Conway über den landschaftlich schönen Camcamagus Highway nach Lincoln (ca. 1 Stunde Fahrt ohne Pausen). Dort wäre dann die Schlucht „The Flume“ eine kleine Wanderung wert.
Von hier ging nun unsere geplante Route nach Süden in Richtung Hanover (ca 1,5 Stunden). Einfach deswegen, weil dort der von mir sehr geschätzte Schriftsteller Bill Bryson einige Jahre wohnte und die Stadt als sehr schön beschrieben hat.
Übernachtung: Comfort Inn White River Junction – direkt neben Hanover
Insgesamt: 160 km
(Alternative: Mit dieser Route lässt man den Norden von Vermont aus. Insofern kann man durchaus als Alternative auch in den Norden Vermonts fahren, also in Richtung Montpelier und Burlington und von dort dann über Middlebury nach Süden. Dafür braucht man halt 1-2 Tage mehr).
Tag 11:
Von White River Junction geht es wenige Meilen zur Quechee Gorge, wo man diese Schlucht besichtigen kann und von dort nach Woodstock. Woodstock (nicht das von dem Festival - viele Orte heißen so) gilt als eines der hübschesten Dörfer Neuenglands. Von dort geht es über Rutland und Manchester Village nach Bennington.
Übernachtung: Hampton Inn Bennington
Insgesamt: ca. 170 km
Tag 12:
Von Bennington geht es nach Süden ins westliche Massachusetts. Dort locken im Westen das Hancock Shaker Village und der Ort Stockbridge, wo der Maler Norman Rockwell seine idealisierten Bilder des amerikanischen Dorflebens in den 40er und 50er Jahren malte und heute ein entsprechendes Museum ist. Von dort geht es östlich nach Sturbridge.
Übernachtung: Days Inn Sturbridge
Insgesamt: 190 km
Tag 13:
In Sturbridge sollte man sich natürlich das bekannte Old Sturbridge anschauen, eines der größten Freilichtmuseen der USA mit jeder Menge alter Häuser. Von dort geht es mit einer Zwischenstation zum Shoppen am Wrentham Outlet nach Cape Cod weiter. Übernachtung in Hyannis.
Übernachtung: Sea Coast Inn, Hyannis (wird im Internet wegen der besonders freundlichen Betreiber sehr gelobt).
Insgesamt: 180 km
(Hier könnte man auch die Route von Sturbridge aus auch noch Richtung Süden nach Conneticut (schreibt man das so?) und Rhode Island verlängern.)
Tag 14:
Diesen Tag kann man ganz dafür verwenden, die Strände und Dörfer von Cape Cod zu entdecken.
Übernachtung wieder im Sea Coast Inn
Tag 15:
Von Cape Cod geht es nördlich zurück nach Boston. Unterwegs sollte man sich natürlich die Plymouth Plantation anschauen, wo das Leben in einer der ersten dauerhaften europäischen Siedlungen in Nordamerika nachgestellt wird.
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