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4 x London mit Kleinkind

Dieser Artikel wurde am 24. März 2009 von GreyWolf geschrieben.

  • 24.-27.03.2006
  • 13.-18.09.2006
  • 12.-15.04.2007
  • 16.-19.08.2008

(Kurz vorweg: Dieser Bericht ging eigentlich nur über die erste Reise im März 2006 mit unserer damals gut 6 Monate alten Tochter. Nach den weiteren Reisen habe ich einfach diese Datei unten noch ergänzt.)

ABER JETZT GEHT ES LOS!

In London waren bisher 10 Mal - und nun das 11. Mal mit Kleinkind? Würde das gut gehen? Die erste richtige Reise?

Die Vorbereitung:

Gleich vorweg: Für eine Gruppe von Lesern bringt dieser Reisebericht vermutlich nichts. Nämlich für diejenigen, die selbst keine Kinder haben und auch keine wollen. Denn die werden sich am Ende des Berichtes fragen, was um alles in der Welt dieser Bericht sollte, wenn jedes zweite Wort “stillen” oder “Tarja” ist.

Doch dieses Desinteresse kann ich durchaus nachvollziehen. Schließlich war ich ja selbst fast 40 Jahre kinderlos. Und dann war da plötzlich ein Kind….. ups!
Es ist ja schon interessant, wie ein einziges neues Erdenwesen den Lebensstil seiner Eltern komplett verändern kann. Schon rein geldmäßig. Von Dinkies (”double income - no kids”) mutiert man plötzlich zu Okhis (”one kid - half income”). Nochmal ups!

Mangels großer Erfahrungen in unserem persönlichen Umfeld, was Kinder angeht (oder mangels unseres Interesses dafür?), wussten wir überhaupt nicht, worauf wir uns eingelassen hatten, als wir unser Kind bekamen. In der Schwangerschaft schien ja alles so einfach. Was soll mit Kind schon groß anders sein? Okay, die brauchen am Anfang viel Betreuung und schreien auch mal, aber das dürfte doch zu machen sein? Und reisen ist doch auch eigentlich kein Problem? Man nimmt halt einfach das Kleine mit, das doch sowieso ständig schläft….

Und dann kommt das Kind und plötzlich bricht alles zusammen. Das Kind schläft zwar, aber nur wenn man es rumträgt oder im Kinderwagen rumschiebt. Nachts schreit es im Stundentakt und der Schlafmangel macht einen fix und fertig. Der Haushalt sieht aus wie ein Müllhaufen. Dazu noch die 3-Monats-Koliken mit den brutalen, stundenlangen Schreiattacken. Und man wird sich plötzlich bewusst, dass man nie, NIE WIEDER, verreisen kann. Nicht mit diesem Kind. Was einem aber auch letztlich egal ist, weil man ja eh nur schlafen will…….

Und dann nach 3-4 Monaten geht es plötzlich. Man versteht das Kind einfach besser, weiß die Signale zu deuten und hat Methoden gefunden, die schlimmsten Probleme zu beheben. Und dann - Wunder über Wunder - das Kind schläft plötzlich einmal eine Nacht durch. Und plötzlich geht die Sonne wieder auf….

So sieht unsere Kleine - sie heißt übrigens Tarja - inzwischen aus - 8 Monate ist sie nun:

tarja2

Aber verreisen? Mit dem Kleinen, das immer noch gerne mal eine Stunde ohne ersichtlichen Grund wie von Sinnen schreit und bei schlechten Nächten wieder alle 30 Minuten losweint? Andererseits kommt auch wieder die Sehnsucht auf, mal was Anderes zu sehen. Schließlich haben wir uns durchaus jahrelang auch über unsere Reisen definiert, gehörten 2-3 Auslandsurlaube im Jahr einfach zu uns und unserem Lebensstil dazu.

Bei uns war es letzlich im Februar soweit, als Tarja also ein halbes Jahr alt war. Zwei Gründe kamen zusammen. Zum Einen der in unseren Augen ewig lange und ewig kalte Winter, von dem wir die Schnauze wirklich voll hatten. Wer schon mal stundenlang in Kälte und Schnee den Kinderwagen geschoben hat, weiß was ich meine. Und zum Anderen ein Bericht in der Zeitung über eine bestimmte Ausstellung in London. Eine Ausstellung, bei der wir früher sofort Flieger und Hotel gebucht hätten. Als ich Monika auf den Artikel hinwies, konnte ich den Frust in ihrem Gesicht lesen ‘Na toll, wieder was, was wir nicht machen können’.

Und da beschlossen wir kurzerhand, einfach Flieger und Hotel für März zu buchen. Das muss doch machbar sein? 2-3 Nächte mit der Kleinen in London? Los geht`s.

Nun hat man als frischgebackene Eltern eines kapiert: Man macht keine festen Pläne. Man sagt nicht: “Wir werden losfliegen”, sondern: “Wir versuchen mal, ob wir losfliegen können”. Das betrifft insbesondere die Zeit, wo erfahrungsgemäß die ersten Krankheiten oder das Zahnen Kind und Eltern das Leben schwer machen.

Den Flieger zu buchen, war kein Problem. RyanAir fliegt ab Lübeck, also direkt um die Ecke. Für uns beide kosten die Flüge einen Monat im Voraus gebucht gerade mal 1,40 Euro (hin und zurück ohne Steuern etc.). Babies kosten allerdings eine Pauschale von 10 Euro, so dass ohne Sitzplatzanspruch Tarjas Flugkarten letztlich 15 mal so teuer sind wie unsere. Das relativiert sich zwar, wenn man kurzfristig gebucht hätte, weil dann unsere Flüge doch deutlich teurer gewesen wären, aber komisch ist es irgendwie schon. RyanAir-Flüge kann man zwar nicht stornieren, aber sie kosten halt auch insgesamt nur 100 Euro. Und das kann man noch verschmerzen, falls man sie verfallen lassen muss.

Nun zur Hotelbuchung. Buchen über Reisebüro schied bald aus. Denn kostenfreie Stornierungen gibt es da nur über Reiserücktrittversicherung. Und die springt nur ein bei “schweren Erkrankungen”. Zählt da eine Erkältung des Babies schon dazu? Und was ist, wenn es einfach nur zahnt? Bringt nichts.

Also Buchen übers Internet. Zum Suchen eines Hotels in London hatte ich mal folgendes geschrieben:
“Hotels: Wovon man sich gleich verabschieden sollte ist der Gedanke an ein stadtnahes, günstiges und gutes Hotel mit anständigem Frühstück. Alles zusammen geht niemals. Wer auch nur einigermaßen gut unterkommen will, wird unter 3 Sternen nicht auskommen. Und dann sollte man auch darauf achten, dass es ein neues oder wenigstens renoviertes Hotel ist. Sonst fällt einem nämlich schon mal der Unterkiefer runter, wenn man sein Hotelzimmer sieht, was Größe und Ausstattung angeht. Buchen sollte man diese Hotels als Normalurlauber übers Reisebüro, da sind die Hotels deutlich günstiger als direkt gebucht.
Rechnen muss man mit ab ca. 100 Euro für ein Doppelzimmer für ein 3-Sterne-Hotel. Und das ist noch günstig!”

Insofern war es mir klar, dass die Suche nicht einfach werden würde. Zumal wir diesmal ein Hotel wirklich im Stadtzentrum brauchen würden. Denn mit einem Kinderwagen erst mal 10 Stationen mit der U-Bahn zu fahren, das konnten wir uns sparen.
Und jetzt ging die Suche los. Welche Hotels lagen überhaupt im Zentrum? Was kosteten sie? Und vor allem, wie waren sie bisher im Internet bewertet worden? So ging die Suche dahin. Die Hotels im Zentrum waren entweder sehr teuer (immer dran denken, dass wir Okhis sind - “half income”, remember?) oder offenbar total mies. Jedenfalls wenn man den Kritiken auf www.tripadvisor.com glauben durfte. Doch dann fand ich das City Inn Westminister.

Und man will es kaum glauben: Hier fanden wir ein sehr zentrumnahes Hotel (gerade mal 10 Minuten zu Fuß vom Big Ben und direkt neben der Tate Britain Galerie), das im Internet sehr gut bewertet und praktisch neu war und akzeptable Preise hatte. Jedenfalls zu unserer Reisezeit und am Wochenende sollte das Doppelzimmer gerade mal 78 Pfund die Nacht kosten, das sind so ca. 115 Euro. Und das ist für die Lage und für die Ausstattung wirklich ein Superpreis. Und direkt beim Hotel gebucht, könnten wir die Buchung sogar bis zum Anreisetag kostenlos stornieren.

Die Webseite des Hotels war auch noch ausgesprochen gut gemacht, so dass man gleich alle Wünsche eintragen konnte. Wo soll das Zimmer liegen, welcher Stock etc. Ich gebe bei Bemerkungen ein, dass wir ein “baby bed” brauchen.

Schon ein Tag später ist die Nachfrage da, ob wir ein “baby cot” meinen. Im Wörterbuch nachgeschaut, ja Babybett heißt richtig “baby cot”. Sofort wird es mir per Mail bestätigt, das Bettchen wird für uns bereit stehen. Das nenne ich jetzt mal richtig guten Service. Ob es auch klappt?

Zwei Wochen vor der Reise kommt dann noch eine Mail von RyanAir, dass sich unser Rückflug um 4 Stunden nach vorne verschiebt. Für uns bedeutet das letztlich, das unser letzter Reisetag dahin ist, da wir dann London schon mittags verlassen müssen. Das ist wirklich ärgerlich, zumal uns das bei RyanAir nun schon mehrfach passiert ist, dass kurzerhand Flüge gestrichen werden. Offenbar streicht RyanAir kurzerhand jeden Flug, der nicht einigermaßen ausgelastet ist. Klar, könnten wir nun die Buchung stornieren und wieder von vorne anfangen, aber was bringt das letztlich? Ärgerlich, ärgerlich.

Kurz vorher überprüfen wir noch den Wetterbericht: 4-8 Grad und leichter Regen für praktisch die ganze Zeit. Naja, nicht gerade toll, aber was soll`s? Nehmen wir eben Schirm und Regenschutz für den Buggy mit. Und für uns die Wintermäntel.

Die Durchführung:

Kurz vorher haben wir die Sachen zusammengepackt. Wir selbst brauchen für die 3 Tage kaum was, Tarjas Ausstattung ist dafür umso umfangreicher. Schließlich muss man ja immer damit rechnen, dass in kürzester Zeit 1 oder 2 Strampler komplett verdreckt werden können, durch welche Ausscheidungen auch immer.

Letztlich haben wir zwei vollgepackte kleine Rücksäcke, eine Wickeltasche und den Kinderwagen.

1. Tag: Freitag 24.03.

Die Fahrt nach Lübeck beginnt mit einer gut gelaunten Tarja und endet in ewigem Geschrei von einer missgelaunten Tarja. Als wir auf den Parkplatz von Lübeck einfahren, ist sie gerade eingeschlafen. Gott sei Dank schläft sie erst mal weiter, als wir sie in den Kinderwagen packen.

Wir sind recht früh dran und checken ein. Danach geht es durch die Sicherheitskontrolle. Leider muss da der Buggy zusammengeklappt und durch das Röntgengerät geschickt werden. Aber Tarja nimmt es mit erstaunlicher Gelassenheit, solange sie rumgetragen wird. Am Gate sind wir die Ersten und haben noch gut zwei Stunden Zeit. Aber auch das geht rum. Wir suchen uns eine ruhige Ecke und Tarja wird erstmal gestillt. Danach ist sie sehr brav und lässt sich geduldig rumtragen.

Vorfreude für den Flug:

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Zum ersten Mal sind wir jetzt wenigstens unter den Leuten, die zuerst in den Flieger dürfen. Haha! Wenigstens eine positive Sache. Den Buggy dürfen wir bis an den Flieger mitnehmen, da falte ich ihn zusammen und lasse ihn an der Treppe liegen, in der Hoffnung, dass er auch noch mitgenommen wird. Da er nicht der einzige Buggy ist, der da liegt, rechne ich uns ganz gute Chancen aus.

Im Flieger selbst ist Tarja nur kurz ruhig. Sitzen auf uns, angeschnallt und in so einer engen Reihe? Das ist nicht ihr Ding und sie fängt an zu quengeln. Sobald die Stewardessen ihren Platz eingenommen haben, wird Tarja abgeschnallt und gestillt. Das funktioniert sehr gut. Sie trinkt und nuckelt bis wir auf Reiseflughöhe sind und schläft dann ein. Als wir im Anflug auf London die Reiseflughöhe wieder verlassen, wird sie wieder wach und fängt wieder an zu nuckeln, bis wir gelandet sind. So hat sie auch keine Probleme mit dem Druckausgleich.

Nach dem Landen finde ich beim Aussteigen unseren Buggy nicht vor. Meine Frage an die Crew ergibt die Antwort, den werde es dann wohl im Terminal geben. Also latschen wir ins Terminal - kein Buggy - und weiter zur Passkontrolle und Gepäckausgabe - kein Buggy.

Plötzlich sehe ich eine Frau aus dem Flieger, die ihren Buggy schon hat. Ich frage nach und erfahre, dass ich den Buggy doch am Flieger hätte abholen müssen. Wir waren wohl zu schnell draußen, also bevor die Buggys ausgeladen waren. Toll, unser Buggy liegt am Flieger und wir sind weit weg in der Ankunftshalle. Aber nach einigen langen Minuten und einigen Nachfragen taucht Gott sei Dank dann der Buggy doch noch am Schalter für das Sondergepäck auf und wir können losziehen.

Inzwischen ist es übrigens 20 Uhr Ortszeit. Wir erwischen den nächsten Expresszug nach London (wobei ich mich wieder immer darüber ärgere, dass auf den Bildschirmen nur in winzigen Buchstaben steht, welcher der bereitstehenden Züge denn nur der nächste ist). Tarja erträgt auch diese Fahrt einigermaßen geduldig, jedenfalls wenn ich sie durch den arg schwankenden Zug trage.

Im Endbahnhof angekommen (London Liverpool Street Station - hat nichts mit Liverpool zu tun, heißt nur so), gehe ich erst mal Geld holen. Ich habe nämlich nur so etwa 25 Pfund vom letzten Mal übrig. Die Karte in den Automaten geschoben - EC-Karte wird ja ohne Probleme akzeptiert - und ……. nichts passiert. Konkret: der Bildschirm ist kaputt, nichts tut sich. Leichte Panik macht sich breit. Hoffentlich kommt meine Karte wieder raus, sonst bekommen wir ein Problem. Gott sei Dank kommt sie nach langen Sekunden und dem panischen Drücken der “Cancel”-Taste wieder raus. Puh! Am nächsten Automat habe ich mehr Glück.

Inzwischen haben wir uns überlegt, dass es keine besonders gute Idee ist, mit Gepäck und Kleinkind U-Bahn zu fahren. Wir nehmen uns - zum ersten Mal in unserer London-Historie - ein Taxi. Der Taxistand ist direkt neben den Gleisen (noch im überdachten Bahnhof, sehr angenehm!) und wir müssen nur wenige Minuten warten, bis eines dieser typischen geräumigen Londoner Taxis kommt.

Zwischenzeitlich sehen wir Miss Marple. Ja wirklich, DIE Miss Marple, wie man sie aus den Filmen kennt. Na gut, na gut, vielleicht nicht DIE Miss Marple, aber eine verdammt gute Kopie. Könnte die Schwester von Margaret Rutherford sein, ältere Dame, groß, massig, weiße Locken, und - man glaubt es kaum - sie hat sogar einen von diesen deckenartigen, karierten Umhängen umgeworfen. Und einen “Mr. Stringer” hat sie auch dabei. Ja, wir sind in England - kein Zweifel.

Wir steigen ins Taxi. Das Gepäck stapelt man dabei übrigens auf den Boden vor sich im Taxi. Platz ist genug, so groß ist der Fahrgastraum, selbst mit unserem Buggy. Wirklich supergemütlich die Dinger. Die Fahrt durch das nächtliche London ist toll. Die vielen Lichter überall, die beleuchteten Häuser, wirklich interessant. Besonders schön wird es, als wir die Themse entlang fahren. Auf der gegenüber liegenden Seite sind die Bäume mit blauen(!) Lichterketten geschmückt - eine umwerfende Inszenierung. Tarja schaut sich mit großen Augen um, aber ich nehme mal an, dass sie das nicht verstanden hat.

Beim Hotel angekommen zahlen wir 14 Pfund fürs Taxi (20 Euro für ca. 20 Minuten Fahrt). Und wen treffen wir wieder in der Halle? Miss Marple nebst Mr. Stringer. Kaum zu glauben.

Das Hotel macht einen sehr guten Eindruck, sehr gepflegte und schöne Eingangshalle, freundliches Personal. Unsere Reservierung ist auch vorhanden, sogar das Babybett steht bereit. Das Zimmer ist für Londoner Verhältnisse sehr gut. Natürlich nicht gerade groß - Platz ist teuer in London - aber sehr gut ausgestattet. Sogar Bademäntel gibt es.

Inzwischen ist es gut 23 Uhr deutscher Zeit und wir hauen uns - nachdem wir Tarja in den Schlaf gewiegt haben - ins Bett. Wir bleiben bei der deutschen Uhrzeit, damit wir mit den Stillzeiten nicht durcheinander kommen.

Fazit des ersten Tages: Alles irgendwie nicht so einfach mit einem Kind zu reisen, aber es lief ganz gut. Tarja hat relativ wenig gequengelt, und für Eltern ist das ja schon der Himmel pur. Viel mehr rumgetragen als zuhause haben wir sie auch nicht.

2. Tag: Samstag 25.03.

Die Nacht ist okay, wie immer mit Tarja etwas unruhig. Aber auch nicht wesentlich schlechter als zuhause.

Monika ist schon um 7 Uhr wach (6 Uhr Ortszeit), ich auch, Tarja schläft noch tief. Auf mir drauf natürlich. Ich sehe Monikas Blick “Toll, was machen wir jetzt, bis Tarja aufwacht?” und ich schlage ihr vor, sie soll doch einfach einen Morgenspaziergang an der Themse machen und ich diene weiter als Tarjas Matratze. So schnell kann ich gar nicht schauen, wie Monika aus der Tür ist. Hey, das gilt nicht! Da will man einmal freundlich sein und schon wird das Angebot angenommen. Grummel, grummel :-)

Monika ist anderthalb Stunden später gut gelaunt wieder da, Tarja ist inzwischen auch wach. Das übliche Morgenritual mit Duschen, Tarja wickeln und einem improvisierten Frühstück aus mitgebrachten Sachen und dann zieht es uns wieder raus. Erst mal gehen wir Richtung Westminster zum Houses of Parliaments und Big Ben, dem berühmten Glockenturm.

Hier sind wir schon am Houses of Parliament:

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Wusstet Ihr, dass der Big Ben auf die Sekunde genau geht und sein bekannter Glockenschlag jede Stunde tatsächlich live über BBC ausgestrahlt wird? Die besondere Genauigkeit erreicht man durch Pennystücke. Wenn die Uhr zu langsam läuft, legt man ein einziges Pennystück auf das Pendel. Dadurch wird die Uhr am Tag(!) um 0,4 Sekunden(!) schneller. Und dafür (und für die sonstigen antiken Uhren im Houses of Parliament) gibt es extra einen Ingenieur. Das ist so die kleine Exzentrik, die man an England liebt.

Und so sieht bekanntermaßen der Big Ben aus:

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Entgegen dem Wetterbericht ist es nicht kalt und nass, sondern ziemlich warm und sonnig. In unseren Wintermänteln kommen wir total ins Schwitzen.

Am Houses of Parliaments kaufen wir in einem kleinen, aber sehr gut sortierten Supermarkt erst mal Wasser und Lebensmittel für den Tag. Das schleppen wir wieder ins Hotel. Tarja wird noch schnell gestillt und dann geht es los in die benachbarte Tate Britain Galerie. Die Tate Britain ist eine große Gemäldesammlung und zwar im Wesentlichen die alten Meister, also bis ins 19. Jahrhundert. (Die neuen Künstler findet man in der Tate Modern, die einige Meilen weiter liegt).

Hier ist nun die bestimmte Ausstellung, die wir sehen wollen. “Gothic” ist ihr Titel. Gothic? Was ist das denn? Was über die Goten? Oder hat was mit diesen symphatischen jungen Leuten der Gothic-Subkultur zu tun, die auch in Deutschland in langen schwarzen Mänteln rumlatschen, finster dreinschauen und irgendwie nicht wie die beliebtesten Schwiegersöhne aussehen?

Ganz falsch ist das nicht. Gothic war eine Kunstbewegung am Ende des 18. / Beginn des 19. Jhd. Wenn man es etwas vereinfacht, führte diese Bewegung die ersten Horrorgeschichten in die Literatur und Kunst ein.
Bis dahin hatte ja Kunst und Literatur nur einen Zweck: den Menschen zu Höherem, im Zweifel zu Gott, zu erheben. Insofern waren die typischen damaligen Geschichten christliche Traktakte, in denen die zutiefst fromme Heldin durch eine zutiefst langweilige Geschichte stolperte, um zum Schluss mit Gottes Liebe belohnt zu werden. Oder so ähnlich. Gähn. Und die Gothic-Bewegung setzte hiergegen Geschichten, die die Menschen erschütterten. Entführte Heldinnen, üble Banditen, bösartige Mönche, mysteriöse Tode, Geister - also das klassische Repertoire von Schundheftchen. Und die entsprechenden Geschichten und auch Gemälde fanden durchaus reißenden Absatz.

Da Tarja recht unruhig ist, schicke ich Monika in die Ausstellung und gehe selbst mit Tarja in die anderen “normalen” Räume. Mit Tarja auf dem Arm gelingt es mir doch, einige unserer Lieblingsbilder anzusehen. Außerdem kann ich Tarja auf diesen großen Lederbänken rumkriechen lassen. Ganz witzig ist die Beschreibung zu einem Bild einer Mutter mit Kleinkind. Der Maler schrieb dazu sinngemäß: “Wie alle frisch gebackenen Väter habe ich eine Vielzahl von Bildern und Skizzen von der Mutter und dem Kind.” Na, das ist heutzutage ja auch nicht anders, abgesehen davon, dass es heute ausreicht, einen Knopf am Fotoapparat zu betätigen.

Nach einer Stunde treffen wir uns wieder und Monika ist von der Sonderausstellung sehr angetan. Wir vereinbaren, dass wir es am nächsten Tag umgekehrt machen, ich gehe in die Sonderausstellung, sie nimmt solange Tarja.

In einem Raum steht übrigens eine Beschäftigte des Museums und singt “This is not propaganda, you know, you know” (Das ist keine Propaganda, wissen Sie, wissen Sie) und erklärt dann, dass das Kunstwerk “This is not Propaganda” von einer bestimmten Künstlerin ist, geschaffen 2002, vom Museum erworben 2004. Ja, da kann ich nicht widersprechen, das ist wahre Kunst.

Nach einem kurzen Stop im Hotel ziehen wir bald wieder los, das Regenzeug nehmen wir angesichts des nicht gerade schlechten Wetters nicht mit. (Warum ich das wohl extra erwähne? Man fragt sich…..)

Unser nächstes Ziel ist das bekannte Kaufhaus “Harrod´s”. Zu Fuß ist das deutlich zu weit, so dass wir zwei Möglichkeiten haben: Bus oder U-Bahn. U-Bahn muss nicht unbedingt sein, bleibt also Bus.
An der Bushaltestelle entdecke ich, dass man inzwischen in der City die Busfahrkarten am Automaten kaufen muss (nicht mehr beim Busfahrer). Ein Automat ist da, das Tagesticket für die Buslinien kostet aber 3,50 Pfund, zusammen für uns also 7 Pfund (10 Euro). Angenommen werden nur Münzen und nur der exakte Betrag. Na klasse, das ist ja richtig kundenfreundlich. Gott sei Dank schaffe ich es, 2 mal 3,50 Pfund zusammenzukratzen.

Ein Bus kommt auch und ich steige vorne beim Fahrer ein und präsentiere die Karten. Monika darf mit dem Kinderwagen hinten einsteigen. Wir schieben den Buggy an den entsprechenden Platz, lassen die Bremse einrasten und schon schießt der Bus los.
Bei Harry Potter gibt es doch so einen magischen Bus, der mit affenartiger Geschwindigkeit durch den Verkehr schießt. Das hat sich Joanne K. Rowling offenbar bei den Londoner Bussen abgeschaut. Die typische Fahrt mit dem Bus stellt sich so dar: Kavalierstart, 100 Meter geradeaus, scharfes Bremsen, Beinahezusammenstoß mit einem anderen Bus, Linkskurve, volle Beschleunigung, Rechtskurve, Vollbremsung, einen Motorradfahrer abdrängen, Kavalierstart, einem Taxi den Weg abschneiden, Vollbremsung. So geht das in einer Tour. Und bei dieser Fahrweise kommt unser Buggy gefährlich in Bewegung. Letztlich halte ich ihn die ganze Fahrt fest, während Tarja tief und fest schläft. Bei Hyde Park Corner müssen wir umsteigen und wir sind total froh, wieder aussteigen zu können. Angesichts dieser Erfahrung haben wir keine große Lust mehr, Bus zu fahren und beschließen den Rest bis “Harrod`s” zu Fuß zu laufen. Ist auch nicht so weit, vielleicht 15 Minuten zu Fuß.

Da es Samstag ist, ist uns natürlich klar, dass Harrod`s vollkommen überlaufen sein wird. Zumindest das Erdgeschoss. Insofern schauen wir, dass wir sofort mit dem Aufzug nach oben kommen und sehen uns erstmal in der Babyabteilung um, wo schon viel weniger los ist.

Hübsche Sachen gibt es in der Babyabteilung, sei es ein Kinderwagen für 1000 Pfund (1400 Euro) oder eine Ausstattung von Baby Armani für 180 Pfund (250 Euro). Na, das weiß man ja gar nicht, wo man zuerst zugreifen soll.

Na gut, schlendern wir noch durch andere Teile des Kaufhauses, wobei uns allerdings erstmal auffällt, wie viel Stufen es doch auf einer Etage gibt. Ohne Kinderwagen war uns das nie aufgefallen.

Als wir wieder nach unten fahren, kommen wir durch reinen Zufall sogar genau bei der Bäckerei an, wo wir uns brotmäßig eindecken wollten. Das ist nämlich wirklich gut bei Harrod`s: die erstklassigen und sehr günstigen Backwaren.

Von da aus gehen wir die paar hundert Meter zum Victoria & Albert Museum. Dort nehmen wir erst mal im Café Getränke und ruhen uns ein bisschen aus. Tarja ist inzwischen wach und gut drauf. Anschließend sehen wir uns in diesem Kunsthandwerks-Museum zum x. Mal die British Galeries an, wo man durch die Jahrhunderte geführt wird und die entsprechenden Kunsthandwerks-Sachen von Geschirr über Möbel bis hin zu Klamotten und ganzen Räumen aus einer Epoche besichtigen kann. Auch das lässt Tarja einigermaßen mit sich machen, solange wir sie dabei rumtragen. Zu lange darf man natürlich nirgendwo stehen bleiben, das schätzt sie nicht, aber wir kennen ja die Austellung. Ganz zum Schluss suchen wir noch ein ruhiges Eck und Tarja wird wieder gestillt.

Wir verlassen das Museum und ……… der versprochene Regen ist da. Mist und wir haben natürlich sämtliche Regenausrüstung im Hotel. Gut gemacht! Und jetzt? Mit dem Bus fahren können wir vergessen, die sind bei dem Wetter total voll. Naja, laufen wir erstmal Richtung Zentrum, soweit ist das nicht und es regnet bisher auch schwach. Aber schon nach 10 Minuten müssen wir uns eingestehen, dass das so nicht klappt. Zwar ist der Kinderwagen einigermaßen wasserdicht, aber es regnet doch immer stärker.

Na gut, dann muss doch U-Bahn sein. Die Stufen runter in die Bahnstation muss ich den Kinderwagen samt Tarja natürlich tragen, Aufzüge gibt es hier nicht. Innendrin gibt es Gott sei Dank dann Rolltreppen, so dass wir ohne Probleme zu den Bahnsteigen kommen. Die Fahrt kostet übrigens 3 Pfund pro Person. Der Bahnsteig an sich ist total voll, klar, nicht nur wir haben die Idee, bei Regen lieber mit der U-Bahn zu fahren. Wir lassen die erste Bahn abfahren und stellen uns dann genau da hin, wo vermutlich beim nächsten Mal wieder eine Tür der Waggons sein wird. Und wir haben recht und sind der nächsten Bahn drin, die gerammelt voll ist.

Gerade mal 2 Stationen fahren wir bis Green Park, dem Beginn des innersten Zentrums. Von da ist es nur ein kurzes Stück zu den beiden Buchläden, wo Monika noch nach Büchern schauen will. Unseren bisherigen Lieblingsbuchladen Hatchard`s können wir aber vergessen. Klein und eng, mit sehr weichem Teppich, in dem der Kinderwagen versinkt und jeder Menge Treppen, aber ohne Fahrstuhl. Das bringt nichts. Tja, so ändern sich mit Kinderwagen plötzlich die Prioriäten. Jetzt geht es nicht mehr danach, welche Läden man unbedingt anschauen will, sondern wo man mit dem Kinderwagen noch einigermaßen reinkommt. Na gut, gehen wir in den benachbaren anderen Buchladen Waterstone`s, der zwar nicht so schön, aber kinderwagenfreundlicher ist.

Allzulang bleiben wir nicht. Wir gehen langsam im tröpfelnden Regen Richtung Hotel. Mehr können wir bei diesem Wetter eh nicht machen. Ich merke, dass Monika nicht so richtig glücklich ist, und schlage ihr daher vor, sie solle doch noch ein bisschen bummeln gehen und später nachkommen. Nach höflichem Zögern (”Ach nein, ach nein - na gut, wenn es Dir wirklich nichts ausmacht”) willigt sie ein. Ich stapfe Richtung Hotel, wo ich gegen 18 Uhr ankomme. Tarja schläft mal wieder. Der Kinderwagen hält zwar dicht, aber ich bin zum Schluss ganz schön nass.

Schon eine halbe Stunde später ist auch Monika da. Sie hat sogar eine Pizzaschachtel mitgebracht. Die Pizza ist zwar inzwischen kalt, aber was soll`s? Schmeckt trotzdem. Wie man sieht:

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Tarja findet die Schachtel spannender:

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Den Abend verbringen wir im Zimmer, trocknen unsere Sachen und sehen “Wer wird Millionär” auf englisch. Absolut genauso wie in Deutschland. Interessant ist, dass wir trotz guter Englischkenntnisse bei den ersten 5 Fragen, wo es ja meist um Wortspiele geht, komplett passen müssen. Nur eine der Fragen hätten wir beantworten können.

Irgendwann bekommen wir auch Tarja ins Bett.

Da es uns zu blöd wird mit diesem ständigen Umgerechne (”Wann hatten wir jetzt gestillt - 7 Uhr unserer Zeit oder Londoner Zeit?”), gebe ich vor dem Schlafengehen noch den allgemeinen Befehl im Königreich bekannt, dass in der Nacht alle Uhren um eine Stunde vorzustellen sind.

Insgesamt gesehen war der Tag okay, wir haben doch alles gemacht, was wir wollten. Das mit dem Regen war Pech - oder Doofheit. Obwohl samstags der Bär los ist in London, haben wir es ziemlich gut überstanden. So unabhängig wie früher ist man natürlich nicht, man muss schon irgendwie immer in Bewegung bleiben, damit Tarja ruhig bleibt, aber es geht.

3. Tag: Sonntag 26.03.

Die Nacht war okay und diesmal bin ich es, der so früh wach ist. Und verschwinde zum Morgenspaziergang. Es hat aufgehört zu regnen und die Straßen an der Themse sind menschen- und autoleer.

Mein Befehl zum Uhrenumstellen ist ausnahmslos befolgt worden! So lobe ich mir das.

Ich gehe auf die andere Themseseite und schlendere die Themse entlang, am Houses of Parliament und Big Ben vorbei bis zur nächsten Brücke. Da quere ich die Themse und bin schon am Trafalgar Square. Leider bekomme ich nirgendwo einen Kaffee, da alle Starbucks etc. erst später aufmachen.

Zurück im Hotel merke ich, dass meine Klamotten ganz schön feucht sind. Mein Mantel war noch feucht und jetzt auch meine übrigen Klamotten.

Heute machen wir es wie gestern - nur andersrum. Ich schaue mir die Gothic-Ausstellung an, die mir sehr gut gefällt, während Monika die übrigen Galerien durchstreift.

Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel zum Stillen gehen wir zu Fuß Richtung Stadtzentrum, am St. James Park vorbei. Besonders nett finden wir ein kleines, als “Privatbesitz” gekennzeichnetes Häuschen. Wer da wohl wohnt? Schneewittchen und die sieben Zwerge? Der Parkwächter? Prinz Charles und seine mißratene Brut? Wir werden es wohl nie erfahren….

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Von dort geht es weiter Richtung Innenstadt. Hier bin ich mit dem Kinderwagen an einer belebten Londoner Straße:

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Wir besuchen dann am Trafalgar Square die National Portrait Galerie, wo man die Bilder berühmter Engländer anschauen kann (und hierdurch auch einiges über die englische Geschichte lernen kann). Hier ist es erstaunlicherweise ziemlich voll, aber wir finden dann später noch ein ruhiges Fleckchen zum Stillen.

Da in London ja die Läden sonntags nachmittags aufhaben, möchte Monika gerne noch ein bisschen shoppen. Wir haben da auch eine gute Arbeitsteilung für die Suche nach den Geschäften. Sie sagt mir zuerst, dass sie in den XY-Laden will, aber nicht mehr weiß, wo der genau war. Ich habe natürlich keine Ahnung, welchen Laden sie meint, auch wenn wir da nach ihren Behauptungen schon 1000 Mal waren. Daraufhin erklärt sie mir, was da irgendwie mal in der Nähe war “Da in der Nähe war doch dieser kleine Pub, wo wir mal was getrunken haben und dieser Starbucks”, bis bei mir der Groschen fällt und ich sie punktgenau zum Laden führe. Klappt auch dieses Mal und sie darf sich bei “Next” zwei Shirts kaufen.

Was nun? Es ist 2 Uhr nachmittags, was machen wir jetzt noch? Wir überlegen uns, dass wir noch ins British Museum gehen könnten. Also, wir gehen da nicht hin - das ist doch zu weit, sondern wir fahren mit der U-Bahn, was sogar ohne Probleme klappt. Abgesehen natürlich davon, dass man in den Stationen irgendwo immer den Kinderwagen einige Treppen schleppen muss. Behinderten- oder kinderwagenfreundlich ist die Londoner U-Bahn sicher nicht. Man sieht auch weder Gehbehinderte noch Kinderwagen.

Bei der U-Bahn-Station Russell Square steigen wir aus und gehen Richtung British Museum. Als wir am eigentlichen Russell Square vorbeikommen, fällt mir ein, dass ja hier bei den letzten Anschlägen der Bus in die Luft geflogen ist. An die Anschläge haben wir gar nicht mehr gedacht. Man merkt davon eigentlich auch nichts, abgesehen davon, dass im Regierungsviertel relativ viel Polizei unterwegs ist und das Houses of Parliaments mit dicken Betonsockeln gegen Autobomben umgeben ist.

Mir ist klar, dass am Sonntag Nachmittag und bei inzwischen leicht regnerischem Wetter das British Museum voll sein wird, aber der Ansturm da überrascht mich doch. Es ist wirklich gerammelt voll. Gott sei Dank gibt es im Museum den riesigen überdachten Innenhof, wo es uns sogar gelingt, einen Kaffee und einen Tee zu erwischen und uns erstmal auszuruhen. Dabei sehen wir unsere Zukunft: Ein Mann, der mit zutiefst gelangweiltem Gesicht an einem Tisch sitzt, über seiner Schulter hängt eine 3-4-Jährige in tiefstem Schlaf. Man kann so richtig an seinem Gesicht seine Gedanken lesen: ‘Mann, wie konnten wir nur so blöd sein, am Sonntag hierher zu kommen. Nie wieder gehe ich mit den Kleinen ins Museum….’ Das steht uns auch noch bevor.

Da das British Museum so unglaublich voll ist, schauen wir uns überhaupt nichts an, sondern gehen wieder. Bringt einfach nichts, hier zu bleiben.

Wir laufen ein bisschen Richtung Stadtzentrum und sind plötzlich am Ende der Haupteinkaufsstraße, der Oxford Street. Es fällt uns ein, dass da doch irgendwo ein großer Buchladen sein muss und das ist unser nächstes Ziel. In einem Cafe im obersten Stockwerk des Buchladens nehmen wir noch einen Kaffee. Und wundern uns über die anderen Kunden, die es offenbar total normal finden, mindestens ein halbes Dutzend Bücher oder Zeitschriften ins Cafe mitzuschleppen, da zu lesen und dann einfach liegen zu lassen. Naja. Tarja ist wach und unruhig, so dass wir bald wieder losziehen.

So langsam wird es Abend und wir wollen Richtung Hotel zurück. Mit der U-Bahn wären das wenige Stationen. Doch gerade als wir die Station erreichen, fängt Tarja an, lautstark rumzuschreien. Sorry, aber mit einem lautstark schreienden Kind muss ich nicht U-Bahn fahren, das ist schon ohne Geschrei anstrengend genug.

Monika hat überhaupt keine Lust mehr zu laufen und ich schicke sie per U-Bahn zum Hotel. Ich selbst laufe mit der schreienden Tarja. Gott sei Dank schläft Tarja nach 15 Minuten ein und so habe ich nicht den ganzen Weg das Geschrei. So gegen 18 Uhr treffe ich im Hotel ein, wo Monika schon auf mich wartet.

Den Abend verbringen wir im Hotelzimmer. Diesmal bin ich dran mit Pizza-Holen. Ich schnappe mir direkt vor dem Hotel den Bus und fahre zum Trafalgar Square. Dort hole ich mir bei einem von den Pizzaständen vier Stück Pizza und schnappe mir den nächsten Bus zurück zum Hotel. Als ich dort ankomme, ist die Pizza sogar noch warm.

4. Tag: Montag 27.03.

Heute geht es wieder zurück. Da unser Flug ja schon auf 14 Uhr vorverlegt worden war, haben wir praktisch keine Zeit mehr, denn wir müssen ja noch zum Flughafen. Das ist aber auch ganz gut so, denn durch das überraschend warme und zugleich feuchte Wetter hat sich Monika ordentlich erkältet. Also verbringen wir nur noch eine Stunde in der Tate Galerie.

Danach geht es mit dem Taxi zum Bahnhof und von dort mit dem Zug zum Flughafen. Hier sitzen wir im Zug (wenn wir leicht bekifft wirken, kann das nur an Tarjas Ausdünstungen liegen):

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Am Flughafen einchecken und dann zum Flieger. Wir kommen gerade so, dass wir schon direkt einsteigen können. Allerdings müssen wir uns mit dem Kinderwagen regelrecht zum Gate durchkämpfen, da schon alle Leute zum Einsteigen anstehen und nicht die geringsten Anstalten machen, zur Seite zu gehen. Nerv!

Mit dem Flieger geht es zurück. Tarja wird gestillt und ist relativ friedlich. Trotzdem ist es mit einem kleinen Kind in diesen engen Sitzreihen wirklich verdammt eng. Wir sind heilfroh, als wir landen.

In Deutschland angekommen, muss ich feststellen, dass dummerweise auch hier mein Befehl zum Uhrenumstellen befolgt wurde. Mann, der war doch nur für England gemeint gewesen. Hört mir den überhaupt niemand zu? Und hört auf, Euch mit irgendeiner Zeitumstellung rauszureden…….

Mit dem Auto geht es nach Hause und Tarja kommt nicht umhin, mir zur Feier des Tages noch so richtig ordentlich über den Mantel zu kotzen. Ente gut - alles gut.

Fazit:

Für unsere erste Reise war es okay. Wir haben alles gesehen, was wir wirklich sehen wollten. Allerdings muss man halt schon Einschränkungen hinnehmen. Man kann mit Kleinkind nicht mehr einfach so den ganzen Tag durch die Stadt rennen, man kann nicht mehr abends einfach so in den Pub etc. etc. Wenn Tarja wach ist, muss man sowieso immer in Bewegung bleiben, damit sie nicht quengelig wird.

Unsere Reisezeit war natürlich nicht optimal. Wären wir im späteren Frühjahr oder Sommer gefahren, hätten wir uns natürlich in den vielen Londoner Parks ausruhen können. Das ging bei diesem Wetter natürlich nicht.

Positiv hat sich natürlich bemerkbar gemacht, dass wir die Stadt schon von diversen Aufenthalten kannten und uns daher leicht zurecht gefunden haben.

Richtig nervig waren die Fahrten mit Bus und U-Bahn. Das ist schon ohne Kinderwagen immer Stress, aber mit Kinderwagen macht es überhaupt keinen Spaß. Es dürfte kein Zufall sein, dass wir während unseres ganzen Aufenthalts keinen einzigen Kinderwagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln gesehen haben. Und überhaupt eigentlich kaum Kinderwagen. Gibt es hier keine kleinen Kinder oder trauen sich die Eltern nicht mit ihnen auf die Straße?

Letztlich hat diese Reise Lust auf mehr gemacht. Es war alles machbar und wir haben es sogar teilweise genossen, wieder rauszukommen. Tarja war - das muss man wirklich lobend erwähnen - sehr verträglich dafür, dass wir sie mitten in eine Großstadt geschmissen haben. Jedenfalls nicht unverträglicher als zuhause.

Insofern: Fortsetzung folgt. Nämlich im Herbst in Neuengland.

Ach ja: das Wort “stillen” kam in diesem Bericht 434 Mal vor und “Tarja” 2.639 Mal. Geht also noch.

Nachtrag September 2006:

Im März 2006 waren wir ja das erste Mal mit Tarja in London. Eigentlich wollten wir ja dann im September nach Neuengland, mussten aber kurzfristig den Urlaub wegen Krankheit stornieren. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.
Da wir dringend mal wieder raus mussten, haben wir kurzentschlossen eine Reise angetreten, auf die wir uns nicht vorbereiten mussten: London mal wieder.

Da ich ja schon die März-Reise oben ausführlich beschrieben habe, mache ich es diesmal kurz.
Geflogen sind wir wieder mit RyanAir. Da wir recht kurzfristig gebucht haben, war das gar nicht soooo günstig. Letztlich zahlten wir über 300 Euro zusammen.
Abgestiegen sind wir diesmal eine Nacht im Ramada Hyde Park (150 Euro, durchaus empfehlenswert, solange man ein Zimmer nach hinten bekommt) und danach in dem schon oben erwähnten City Inn Westminster. Für das letztere, das zu dieser Zeit direkt gebucht über 300 Euro pro Nacht gekostet hätte, hatten wir ein sehr günstiges Sparangebot von Dertour bekommen für 150 Euro die Nacht inklusive exzellentem Frühstück. Das City Inn ist wirklich sehr empfehlenswert - vorausgesetzt man erwischt einen akzeptablen Preis.

Tarja war inzwischen 13 Monate alt und entsprechend deutlich beweglicher als noch im März. Laufen kann sie zwar noch nicht richtig, aber so einfach nur rumtragen, ging nicht mehr - schon wegen dem Gewicht. Und schlafen tut sie tagsüber ohnehin kaum noch.
Dennoch hat sie die insgesamt 6 Tage (davon vier volle Tage in London) sehr gut aufgenommen. Man muss ja sagen, dass London verdammt nervend sein kann mit dem Lärm und dem Verkehr und den vielen Menschen. Aber Tarja hat das mit bewundernswerter Gelassenheit ertragen. Eher im Gegenteil: Es war ihr im Kinderwagen offenbar am liebsten, wenn möglichst viele drumherum los war. Wenn wir mal in eine Nebenstraße abgebogen sind, um mal ein bisschen Ruhe zu bekommen, hast sie eher gequengelt, als wenn wir uns durch dickste Menschenmengen gequält haben. Und wenn sie sehr quengelig wurde, habe ich sie im Tragesack getragen, was ihr immer gut gefällt (meinem Rücken weniger).

Diesmal sind wir auch verstärkt mit der U-Bahn gefahren. Das ging auch ganz gut, solange man die Stoßzeiten vermeidet. Ärgerlich bleibt nach wie vor, dass man dabei relativ oft den Buggy irgendwelche Stufen hoch- oder runtertragen muss. Was für meine Frau wegen des doch erheblichen Gewichts von Buggy + Tarja + Baby-Ausrüstung (locker mal 20 Kilo) kaum möglich war.

Da Tarja eben doch verstärkt Aufmerksamkeit und Beschäftigung wollte, haben wir viele Dinge getrennt gemacht. D.h. einer hat sich um Tarja gekümmert, der andere ist durch die Stadt gezogen. Natürlich waren wir auch zusammen unterwegs, aber eben in Maßen. Und die abendlichen Pub-Besuche fallen natürlich auch weg. Einzelne Kinderspielplätze gibt es auch in London, allerdings meist mit sehr sparsamer Ausstattung.
Besonders auffällig für uns war die durchgehende Freundlichkeit Tarja gegenüber. Sowohl von den Londonern, als auch von den Touristen, als auch von Bedienungen in Geschäften oder im Hotel. Gerade Servicepersonal aus südländischen Gefilden hat uns regelrecht mit Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und sogar Begeisterung über Tarja erschlagen. Keine U-Bahn-Fahrt ist vergangen, ohne dass Tarja mit fröhlichem Winken in die Menge Freundschaften geschlossen hat. Das war wirklich eine schöne Überraschung, wenn wir hier an unsere Erfahrungen mit den drögen Mecklenburgern denken. Interessanterweise hatten wir auch keine Probleme mit dem Namen Tarja. Während in Deutschland kein Mensch den Namen versteht, ist er dort immer sofort und richtig aufgenommen worden.

Fazit: Durchaus empfehlenswert. Klar kann man mit einem 13-monatigen Kind
keine großen Sprünge machen, aber es war dennoch ein schöner Urlaub.

Nachtrag April 2007:

Zum dritten Mal waren wir mit Tarja drei Tage im April 2007 in London. Tarja war da an die 20 Monate alt. Ein Alter also, in dem sie schon gut laufen kann, sich teilweise ausdrücken kann, aber auch ihren eigenen Willen entdeckt.

Gewohnt haben wir erneut im City Inn Westminster, das diesmal kurz vorher ca. 140 Euro pro Nacht inkl. Frühstück kostete – gerade noch erträglich.

Leider war dieses Mal die Reise kein wirklicher Erfolg. Aufgrund der immer stärkeren Unabhängigkeit von Tarja verliefen die Tage fast wie zu Hause. Einer von uns hat Tarja beschäftigt, im Zweifel irgend einen Spielplatz mit ihr besucht – und der andere ist allein losgezogen. Gemeinsame Unternehmungen war nur noch sehr begrenzt möglich, da Tarja mit einfach-im-Kinderwagen-sitzen-und-in-die-Gegend-schauen nicht mehr zufrieden zu stellen war. Und da fragt man sich halt schon, ob das dann wirklich den hohen Gesamtpreis der Reise rechtfertigt, wenn man kaum was zusammen unternehmen kann.

Selbst ein gemeinsamer Ausflug nach Kew Gardens, dem parkmäßig angelegten botanischen Garten von London, endete damit, dass Monika alleine loszog und ich Tarja auf dem – absolut miserablen – dortigen Spielplatz beschäftigte.

Es trug auch nicht zur Erleichterung der Situation bei, dass Tarja im Hotelzimmer schlecht schlief (und entsprechend gelaunt war), eine wichtige U-Bahn-Linie wegen Wartungsarbeiten komplett gesperrt war und ich auch noch meine Kreditkarte verlor.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass Reisen mit Tarja langsam immer besser würde, aber jedenfalls für dieses Alter kann ich das nicht behaupten. Es war einfach anstrengend mit ihr. Was ich ihr natürlich nicht anlaste, sondern nur feststelle.

Was man sich übrigens sparen kann, ist ein Besuch im Londoner Zoo. Der ist zwar groß, bietet aber letztlich nicht wesentlich mehr für die Kinder-Zerstreuung als ein durchschnittlicher Tierpark in Deutschland. Zumal er mit 16 Pfund pro Erwachsenen schon extrem teuer ist. Ich hatte bei dem Besuch dort – unter der Woche – übrigens das Glück, relativ früh dort zu sein. Als ich gegen Mittag ging, befand sich vor dem Eingang eine gut 300 Meter lange Menschenschlange, die alle Tickets wollten.

Nachtrag August 2008:

Nun zum vierten Mal mit Tarja in London. Die Reise war ein Ausgleich dafür, dass eine ursprünglich geplante Reise nach Griechenland gestrichen werden musste. Inzwischen war Tarja gerade 3 Jahre alt geworden.

Geflogen wieder mit RyanAir, wobei die Flugbuchung immer ärgerlicher wird. Dass die Preise immer höher gehen, mag man ja noch verschmerzen. Aber die Abzocke für jede noch so kleinste Selbstverständlichkeit - z.B. das Einchecken am Schalter, die Gebühr für einen mitgenommmen Koffer - ist wirklich nervtötend. Und vor Ort wurde uns noch erklärt, dass Familien mit Kindern nicht mehr als erste einsteigen dürfen. Es sei denn natürlich, sie bezahlen dafür. RyanAir - eine gute Idee wird immer mehr zur bescheuerten Farce.

Gewohnt wieder im City Inn Westminster, das aufgrund eines Sommer-Sonderangebots inklusive Frühstück gerade mal 125 Euro pro Nacht kostete.

Tarja ist ja nun in einem Alter, in dem sie alles mitbekommt. Insofern war das Fliegen für sie schon aufregend, aber schön. Ebenso Fahrten mit Taxi und U-Bahn, Wohnen im Hotel etc. Leider übertrug sich diese Begeisterung nicht für sonstige Aktivitäten. Nach wie vor will sie eigentlich nur auf Spielplätze. Fahren mit einem Themseboot ging gerade noch, ein Besuch im Tower überforderte ihren Horizont deutlich (”Gefällt Dir diese Burg?” “Ja, sehr schön. Wann gehen wir wieder?”). Wenigstens ging sie gerne abends in Stadtzentrum - vorausgesetzt natürlich sie bekam dafür Pommes. Insofern war dieser Urlaub doch ziemlich wie der letzte - einer von uns hangelte sich mit ihr von Spielplatz zu Spielplatz, der andere unternahm etwas.

Schöne Spielplätze in London gibt es:
- Beim London Eye (gut für zwischendurch)
- Kensington Gardens - Princess Diana Memorial Playground (sehr fantasievoll, für alle Alter was dabei)
- St. James Park (in der Nähe von Buckingham Palace - nett gemacht, aber recht überlaufen)
- Regent`s Park (am östlichen Ende)

Übrigens hat die oben geschilderte Begeisterung des Personals für Tarja deutlich abgenommen. Wurden wir noch beim letzten Mal mit ihr regelrecht hoffiert, wurden wir mit einer (wohlerzogenen) 3-jährigen nun abschätzig gemustert und an den schlechtesten Tisch verbannt (und dafür kleinere Babys hoffiert).





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