East Anglia 18.-19.04.2005
Dieser Artikel wurde am 26. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
So, heute beginnt unsere Rundreise.
Geplant war wirklich eine Rund-Reise, die von London an der Kanalküste nördlich geht, dann kurz vor Schottland rüber zur Atlantikküste, die wieder runter, unten die Küste entlang zurück zum Ausgangspunkt.
Nur, das sollte es nicht werden. Aber das wussten wir natürlich noch nicht.
Am 18.04. haben wir den Wagen am Flughafen in Stansted ab 14 Uhr gemietet, also verbringen wir den Morgen noch in London. Gehen ein bisschen ins Museum, bummeln ein bisschen.
Um 13 Uhr sind wir dann an der Liverpool Street Station, um den Stansted Express zurück zum Flughafen zu erwischen.
Ich schaue auf die Anzeigetafel: Stansted, Gleis 3. Also los. Als wir drin sitzen, kommt uns aber der Zug merkwürdig vor. Keine sonstigen Reisegruppen mit viel Gepäck, wie es in diesem Zug als Flughafenzubringer eigentlich üblich ist.
Naja, war der falsche Zug. Zwar nach Stansted, aber nicht der Expresszug, sondern einer mit 100 Unterwegshalten. Wir merken es noch rechtzeitig und wechseln schnell den Zug.
In Stansted Punkt 14 Uhr angekommen, steuere ich siegesgewiss den Alamo-Stand an. Wagen ist ja vorgebucht.
Na gut, bei Alamo ist derzeit nur der Auszubildende da und der fertigt umständlich erst mal einen anderen Kunden ab. Aber wir haben ja Zeit.
Allerdings dauert es letztlich geschlagene 1,5 Stunden, bis wir endlich einen Wagen haben. Denn wir haben zwar einen Voucher, nur Alamo kann die Reservierung nicht finden. Ausgiebige Telefonate mit der Zentrale, tiefe Ratlosigkeit beim Azubi, gefolgt von noch ausgiebigeren Telefonanten zur Zentrale, gefolgt von noch tieferer Ratlosigkeit….Ich bin bedient.
Endlich, endlich ist das Problem geklärt und ich bekomme sogar einen Wagen. Einen Seat Altea, so eine Art Kombi. Nicht schlecht, aber die Sitze sind offenbar für Zwerge gedacht. Ich bin ja wirklich nicht besonders breit, aber in die vorgeformten Sitze passe ich gerade so. Wirklich - zwei Zentimeter breiter und ich hätte nicht mehr hineingepasst. Offenbar gibt es in Spanien nur superschlanke Menschen.
Unser heutriges Mantra murmelnd: “Links fahren, links fahren, links fahren”, geht unsere Reise gegen 16 Uhr los.
Das mit dem Linksfahren geht auch eigentlich ganz gut. Zumeist schwimmt man ja ohnehin mit dem Autostrom mit und wenn dann schon beim Mietwagen das Steuer auf der richtigen Seite ist, geht das auch alles. Nur beim Einbiegen in kleinere Straßen muss man aufpassen, dass man nicht automatisch auf die rechte Seite zieht. Oder beim Verlassen eines Parkplatzes.
Wichtig ist nur, einen Automatikwagen zu nehmen. Denn so sehr auch sonst alles gleich ist bei einem englischen Auto, was Schalter etc. angeht, die Gangschaltung ist LINKS. Und versucht mal mit links zu schalten…
Wir fahren grobe Richtung Nordosten. Wir wollten den Abend gerne am Meer verbringen. Nach Blick auf die Karte entscheiden wir uns für Great Yarmouth. Irgendwie sagt mir der Name was, aber so richtig verbinde ich damit nichts. Liegt auf jeden Fall am Meer.
Zuerst über die Autobahn (motorway) und dann über die Landstraßen fahren wir dahin. Es ist erstaunlich viel Verkehr, auch und gerade auf den Landstraßen. Viele Lkw und so zuckeln wir mit 40-50 Meilen durch die Landschaft. Durch eine zudem zutiefst langweilie Landschaft. Absolut eben, ein paar Felder, Wiesen, gelegentlich ein paar Bäume. So etwa norddeutsche Tiefebene, nur viiiiiel langweiliger.
Gegen 18:30 Uhr erreichen wir Great Yarmouth und nach einem längeren Blick in die Runde erinnere ich mich daran, dass Great Yarmouth ein bekanntes englisches Seebad ist. Was leider nicht besonders Gutes verrät. Denn die englischen Seebäder sind ziemlich furchtbar. Jede Menge Spielhöllen (im Zweifel auf häßlichen Seebrücken), schlechte Restaurants, drittklassige Hotels.
Und genauso ist auch Great Yarmouth. “Großer Jahrmarkt” - so übersetze ich es für mich. Die Spielhöllen versuchen sich als Las-Vegas-Imitation mit Namen wie “Circus Circus”, “Flamingo” und “Golden Nugget”. Nur sind die Spielhöllen etwa 100 mal kleiner als in Las Vegas…
Wir steigen im “besten Haus am Platz” am, dem “Hotel Elizabeth”. Das Zimmer kostet ohne Frühstück 60 Pfund und ist wirklich annehmbar. Okay, es hat die Besonderheiten eines typischen englischen Hotels, also das, was ich die “englische Krankheit” nenne: Egal, wo man absteigt, irgendwas funktioniert nicht.
Hier ist es eine Heizung, die auf Hochtouren läuft, ohne dass man sie abstellen könnte, dafür hängen Teile des Fensterrahmens morsch nach unten. Gleicht sich also wieder aus.
Den Abend bummeln wir durch Great Yarmouth, in dem jetzt in der Vorsaison kaum jemand unterwegs ist. Abgesehen von ein paar Gruppen Jugendlicher, rauchend und angetrunken. Sehr junger Jugendlicher. Leider auch eine “englische Krankheit”, das exzessive Saufen in diesen Ferienorten, gerade von sehr jungen Leuten (obwohl, wenn ich es mir recht überlege, in Deutschland haben wir das auch, oder?).
Wir gehen auch ein bisschen in die Spielhöllen und zum ersten Mal in unserem Leben spielen wir Ego-Shooter-Spiele. Einmal ballern wir Zombies die Köpfe weg, einmal kämpfe ich als Samurai mit einem Schwert. Natürlich sterben wir schon ziemlich bald den Heldentod, aber dafür haben die Welt vor einigen üblen Figuren bewahrt.
Ansonsten hält es uns nicht lange im Ort, zumal in den Spielhöllen die Musik so laut gestellt ist, dass man nach 5 Minuten Kopfweh bekommt. So sieht übrigens der Strand aus:
Also zurück ins Hotel. Ich fühle mich sowieso erkältet.
Am nächsten Morgen (Dienstag, 19.04.) weiß ich, dass ich mich erkältet habe. Weniger wegen zu kaltem Wetter, als wegen zu warmen. Der Sonnentag in London war zwar sehr schön, aber es war sehr warm in der Sonne und sehr kühl im Schatten. Der ständige Wechsel hat mir eine Erkältung eingebracht. Na, Hauptsache ich stecke Monika nicht an. Die ist heute Morgen übermüdet, da die halbe Nacht irgend so ein Affenarsch mit seinem aufgemotzten, röhrenden Auto die Strandpromenade hoch und wieder runter gefahren ist. Hoch und runter, hoch und runter. Warum darf man solchen Leuten eigentlich nicht den Kopf runterschießen?
So, jetzt geht unsere Rundreise aber so richtig los.
Im Reiseführer sehen wir, dass zwei besichtigenswerte Herrenhäuser/Schlösser nicht weit entfernt sind. Also los!
Wir fahren zu dem Einen, das wir nach endlosem Gezuckel auf den Landstraßen auch kurz vor Mittag erreichen. Von außen sieht das Schloss auch richtig interessant aus. Dabei bleibt es aber auch für uns. Denn das Teil ist geschlossen. Mist, hätten wir ja auch vorher nachschauen können!
Okay, schauen wir im Reiseführer nach, ob das andere Herrenhaus auf hat. Blätter, blätter und studier. Nö, ist auch zu. MIST!
Und das ist wirklich eine “englische Krankheit”: die Öffnungszeiten, die jeden normalen Touristen zur Verzweiflung treiben. Weil sie nämlich bei jeder Sehenswürdigkeit anders und größtenteils willkürlich sind. Ein typisches Schild mit den englischen Öffnungszeiten lautet so:
TÄGLICH GEÖFFNET VON 9-16 Uhr
Außer 24.-26.12 und 31.12.
Und jeden Montag.
Und Dienstag.
Und manche Mittwoche, wenn sie durch 2 teilbar sind.
Wobei das nur im April und Mai gilt.
Im Juni haben wir meistens geöffnet, wenn es nicht geschlossen ist.
Im Juli öffnen wir bereits um 8 Uhr, es sei denn es ist ein Mittwoch. Da haben wir geschlossen. Es sei denn, es ist ein Feiertag oder unsere Oma hat Geburtstag.
Ach ja: Freitags haben wir nur bis 14 Uhr auf, also meistens. Manchmal auch länger.
Und überhaupt: Was wollen Sie hier?
Okay, okay, ich habe jetzt übertrieben. Aber nicht viel. Es ist wirklich oft so, dass man erst mal 2-3 Minuten rätselt, ob es nun an diesem Tag offen ist oder nicht.
Das weitere Problem ist auch, dass es keine Einheitlichkeit gibt. Zwei nebeneinander liegende Sehenswürdigkeiten können mal beide auf sein, oder eine auf, oder keine.
In Schottland war das einmal extrem. In einer Region gab es drei sehr bekannte Schlösser, also wirklich superbekannte. Als wir dann in diese Region kamen, mussten wir feststellen, dass alle drei Schlösser unterschiedliche Öffnungszeiten hatten und alle drei an dem Tag, als wir da waren, geschlossen waren.
Liebe Briten, das nervt! So kann man einfach nicht reisen.
Na gut, war ja auch dumm von uns, ins Blaue zu fahren, hätten wir eben vorher nachschauen sollen.
Was gibt es sonst in der Gegend? Norwich! Der Reiseführer beschreibt die Stadt als mittelalterlich, besonders interessant etc. etc. Gut, fahren wir hin.
Wir parken unseren Wagen auf einem großen Parkplatz und laufen in die Innenstadt.
Naja, wo isses denn hier mittelalterlich? Okay, da ist so eine Art großer Turm auf einem Hügel, aber sonst? Wir laufen ein bisschen rum, können aber nicht viel entdecken, was wirklich sehenswert wäre. Eine 08/15-englische Kleinstadt mit einem auffallend hässlichen Markt. Ich lese nochmal im Reiseführer nach: Wenn ich genau lese, steht da auch nicht, dass sie “mittelalterlich” ist, sondern, dass die Straßenzüge noch immer so verlaufen wie im Mittelalter…. Na gut, das ist was Anderes. Also Norwich ist wirklich keinen Besuch wert.
So langsam nervt es aber. Wir wollen jetzt ein Erfolgserlebnis.
Ich weiß, dass das nördlich gelegene Lincoln eine sehr schöne Kathedrale haben soll. Also auf geht`s. Leider auch wieder mit viel Verkehr über die Landstraßen. Zuckel, zuckel, zuckel hinter den Lastwagen her. Stauen uns nach Lincoln rein.
Egal, wir erreichen Lincoln und ich fahre in ein Parkhaus. Auch hier mit Parkschein. Die Stunde Parken, im Voraus zu bezahlen, kostet 1,50 Pfund. Ich schmeiße so 2,20 Pfund rein, also für 1 1/2 Stunden. Mehr habe ich nicht mehr als Kleingeld. Und was zeigt der Parkschein an: 1 Stunde gezahlt. Die 70 Pence bekomme ich natürlich nicht raus. Hey, das ist Betrug!
Okay, wir latschen den Berg rauf, auf dem die alte Innenstadt von Lincoln liegt. Das geht steil nach oben, wobei die Straßen zum Teil richtig pittoresk sind. Etwa so:
Ganz oben steht dann tatsächlich links eine Burg und rechts die Kathedrale. Nett. Die Burg sieht nicht so interessant aus, aber die Kathedrale wollen wir uns schon anschauen. Die hier:
Dummerweise kostet die 4 Pfund Eintritt. Pro Person. Und das sehe ich irgendwie nicht ein. 7 Euro dafür, dass ich mir vielleicht 15 Minuten lang eine Kirche ansehe? Nein, danke.
Naja, so lange dürfen wir ja auch nicht parken und wir schlendern zurück zum Auto. Ist irgendwie der Wurm drin heute. Das Problem ist ja auch, dass wir nicht einfach zu spät zum Auto zurückkommen können und im schlimmsten Fall einen Strafzettel haben. Nein, in England wird man dann “clamped”, d.h. ein Rad wird mit einer großen Vorrichtung blockiert, so dass man nicht fahren kann. Man muss dann den Service anrufen, die machen das Ding ab, kostet so locker 50 Pfund….
Kurzer Kriegsrat. Lincoln sieht nicht so spannend aus, dass wir hier übernachten wollen. Außerdem, wie gesagt, ein Erfolgserlebnis wäre nicht schlecht.
Wir entscheiden uns, nach York zu fahren. Zuckel, zuckel über die Landstraßen, auf denen man wirklich nicht vorankommt.
Okay, York! Hochgelobt im Reiseführer.
Wir erreichen es gegen 18 Uhr. Und da - Hotels. Richtige, gute Hotels. Direkt in der Innenstadt - das gibt es doch nicht, oder? Ich reibe mir die Augen. Nein, es ist die Wirklichkeit.
Okay, jetzt ein gutes Zimmer und der Tag ist gerettet. In die Travellodge? Sorry Sir, no vacancy. Was ist das denn, nichts mehr frei. Es ist April, unter der Woche…
Ins Comfort Inn: Ja, sie haben noch was. Das letzte Zimmer. In York ist es immer voll, meinen sie. Das Zimmer kostet auch nur 80 Pfund (ohne Frühstück). Ach ja, und 5 Pfund fürs Parken. 85 Pfund - ich schlucke. Egal, nehmen wir.
Das Zimmer ist auch gut, modern eingerichtet. Okay.
Wir gehen noch die 3 Schritte in die Stadt. Mehr sind es auch nicht, das Hotel ist wirklich direkt am Rand der Innenstadt.
Die Innenstadt ist auch durchaus sehenswert. Noch einige alter Häuser, Stadtmauer, ein alter Turm, eine schöne alte Kathedrale. Nett. Wir bummeln durch die Straßen.
Mit Einkaufen ist natürlich nichts mehr, denn auch in England (wie in Schottland) schließen in den meisten Städten die Geschäfte schon um 17 Uhr. Spätestens. Tearooms schließen übrigens zumeist um 15:30 Uhr. Wo nehmen denn die Briten ihren “5 o`clock tea”?
Immerhin hat noch ein großer Buchladen auf. Wir schmökern noch ein bisschen, kaufen ein paar Bücher. Besonders gefällt mir das Diätbuch “Shag yourself slim” (Bums Dich schlank).
Von der Kathedrale, ach nein, es ist ein Münster, wird eine gute Stunde lang geläutet. So dieses englische Melodienläuten, bei dem sich eine Gruppe von Gemeindemitgliedern an die Glockenschnüre hängt und diese in einem ganz bestimmten Rythmus läuten, so dass eine Melodie daraus wird. Ist was Besonderes? Vielleicht der Papst gewählt? Aber was ginge das die Anglikaner an?
In einem netten Pub bekomme ich noch ein Glas Wein, Monika eine Apfelschorle und später wanken (ich) bzw. laufen (Monika) wieder ins Hotel. Im Hotel sehen wir dann, dass tatsächlich “Papa Razzi” der neue Papst ist…..
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