Hiddensee - das “süße Ländchen” 01.-03.10.2004
Dieser Artikel wurde am 24. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Wenn Du jetzt keine Ahnung hast, wer oder was Hiddensee ist - das ist ziemlich normal. Jedenfalls wenn Du ein Westdeutscher bist.
Hiddensee ist eine kleine Insel unmittelbar neben der größten deutschen Insel Rügen, also in der Ostsee.
Nur wenige hundert Meter breit und vielleicht 15 Kilometer lang, an der höchsten Stelle 70 Meter über dem Meeresspiegel, zumeist aber nur wenige Meter darüber, wirklich eine kleine Insel.
Schon seit Jahrzehnten ist Hiddensee eine vielbesuchte Ferieninsel. Eigentlich lebt die ganze Insel vom Tourismus.
Wir waren dort schon mal im Jahr 1994 gewesen. Jetzt 10 Jahre später wollten wir mal ein Wochenende sehen, wie es heute dort aussah.
Die Planung war nicht ganz einfach.
Zwar gibt es unter www.hiddensee.de eine recht umfangreiche Liste von Unterkünften. Nur fehlte es dann allerdings an fast allem. Zum Großteil gibt es weder Bilder noch weitere Informationen über die Objekte, direktes Buchen übers Internet war ohnehin nicht möglich.
Insofern rief Monika mal bei solchen Unterkünften an. Beim ersten wurde sie gleich abgewiesen. “Nicht unter drei Nächten” war die bestimmte und zugleich unhöfliche Belehrung. Die haben es offenbar nicht nötig.
Bei der nächsten dann mehr Glück, auch zwei Nächte waren noch akzeptabel. Nachdem es Monika auch noch gelungen war, die entsprechenden Tage zu verklickern (Wann wollten Sie kommen? Samstag? - Nein, Freitag bis Sonntag. - Freitag bis Samstag? - Nein, Freitag bis Sonntag. - Freitag bis Sonntag? - JAAAA!), bekam sie allerdings keine schriftliche Bestätigung dafür.
Noch aus dem Internet den Fahrplan der Fähren rausgesucht und los ging es freitags nach Dienstschluss.
Über die neue Autobahn geht es ja zügig bis fast nach Rügen.
Unterwegs bemerkt Monika, dass der aus dem Internet ausgedruckte Fahrplan bedauerlicherweise vor 10 Tagen abgelaufen ist. Ist es so schwer, die entsprechenden Seiten zu pflegen? Wir haben also keine Ahnung, wann die Fähren gehen.
Wir kommen gegen 16 Uhr im Dorf Schaprode auf Rügen an, von wo die Fähren starten.
Beim ersten Parkplatz werden wir unfreundlich darüber belehrt, dass die letzte Fähre um 14 Uhr gefahren sei. Was?
Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, dass man uns für Tagestouristen hält, die also nicht auf der Insel übernachten. Und für die ist tatsächlich die letzte sinnvolle Verbindung um 14 Uhr (man muss ja auch wieder zurück).
In typisch deutschem Ton verweist uns die Parkplatzwächterin auf den zweiten Parkplatz für Dauergäste am Hafen.
Apropos Freundlichkeit: Typisch deutsches Schild:
Wie geht eigentlich im Deutschen die Höflichkeitsform? Man lässt die Ausrufezeichen weg!
Dort angekommen schauen wir erstmal auf den Plan. Die nächste sinnvolle Fähre geht in genau 8 Minuten. Die übernächste in zwei Stunden und 8 Minuten.
Sofort lösen wir die Parkkarte und parken den Wagen. Zeug zusammengerafft und auf zur Fähre. Stop, zurückgepfiffen, erst die Karten für die Fähre 50 Meter zurück kaufen.
Das geht Gott sei Dank sofort und 2 Minuten vor Abfahrt sind wir auf der Fähre.
Die Überfahrt in den Hauptort Vitte dauert 45 Minuten.
Von dort müssen wir noch mal zu Fuß weiter zum zweiten Ort Kloster, wo wir unser Quartier haben (man kann auch direkt mit der Fähre nach Kloster fahren, aber diese Fähren fahren relativ selten).
In ca. 30 Minuten erreicht man diesen durchaus hübschen Ort zu Fuß, es gibt nämlich keine Autos auf Hiddensee, nur Pferdekutschen.
Der Hafen von Kloster
In Kloster bewundern wir erstmal die riesigen Swimmingpools im ganzen Ort. Erst nach und nach erkennen wir, dass es sich nicht um Pools handelt, sondern um autogroße Schlaglöcher auf den sandigen Wegen, die vom Regen in den letzten Tagen gut gefüllt wurden.
Gut, man muss dann aufpassen, dass man nicht darin ertrinkt, aber das macht den Urlaub ja spannender.
Eines des kleineren Schlaglöcher
Es scheint so, dass die örtliche Bevölkerung von Hiddensee recht abergläubisch ist. Offenbar bringt es Unglück,
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diese Schlaglöcher zu verfüllen,
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Hinweisschilder zu den einzelnen Unterkünften aufzustellen,
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öffentliche Toiletten anzubieten (es gibt daher nur 3 öffentliche Toiletten mit jeweils einer Kabine pro Männlein und Weiblein auf der gesamten Insel. Also gerade ausreichend, wenn im Sommer Tausende von permanenten Besuchern und Tagestouristen auf der Insel einfallen.)
Aber ich bin abgeschweift.
Wir finden unsere Unterkunft, wo man sich sogar an unsere Reservierung erinnert und uns auch freundlich willkommen heißt.
Das Zimmer an sich besticht durch deutsche Gemütlichkeit in Billigoptik, weiche Matratzen, allenfalls lauwarmer Heizung (1. Oktober!), durchsichtigen Vorhängen und immerhin ganzen vier Fernsehprogrammen. Dafür 70 Euro die Nacht, da kann man nicht meckern. Sicher, in den USA wäre das Zimmer und die Betten doppelt so groß und mit 25 Programmen, aber daran darf man Deutschland nicht messen.
Inzwischen geht langsam die Sonne unter und wir verziehen uns an den Strand, der sich fast die ganze Westküste der Insel entlang zieht.
Der Sonnenuntergang ist schlicht spektakulär. Genau die richtige Mischung aus Sonne und Wolken sorgt für einen wunderschönen Farbenmix von Zartrosa bis Dunkelrot. Die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts hätten hier ihren perfekten Sonnenuntergang gefunden.
Und natürlich haben wir die Kamera im Hotelzimmer gelassen, so dass Ihr Euch auf mein Wort verlassen müsst.
Am nächsten Morgen sehen wir aber auch die positive Seite deutscher Hotels, nämlich ein umfangreiches Frühstücksbüffet.
Gegen 09:00 Uhr ziehen wir los und erkunden die Insel.
Es gibt ihn also doch: den berüchtigten
“Mann mit dem Handwagen” aus der Führerscheinprüfung.
Wer hat jetzt Vorfahrt?
Die Gesamtinsel ist - wie gesagt - sehr lang und schmal.
Den nördlichsten Bereich mit relativ hohen Hügeln, einem Leuchtturm obendrauf und einer Steilküste darunter erkunden wir zuerst. Obwohl die Hügel an der höchsten Stelle gerade mal 70 Meter hoch sind, ist der Aufstieg doch erstaunlich anstrengend.
Vom Leuchtturm an sich (Eintritt) hat man einen sehr schönen 360-Grad-Rundumblick (meistens so bei Leuchttürmen
). Aber Vorsicht: der Ausblick geht von einem sehr schmalen umlaufenden “Balkon” mit dünnem Metallgeländer - nichts für Leute mit Höhenangst!
Im Übrigen gibt es hier oben eine gemischte Landschaft aus Wald, Sträuchern und Heide. Richtig nett. Impressionen aus diesem Bereich:
Über einen steile Treppe geht es runter zur Steilküste.
Dieser folgen wir dann auf dem schmalen Strand davor in Richtung Süden zum Hauptstrand.
Ganz witzig: irgendwelche “Künstler” haben hier Teile des Strandes durch das Arrangieren von Holz, Steinen etc. gestaltet. So z.B. hier, wo auf einem alten Baum Steine aufgestapelt wurden.
Auf diesem Weg kommen wir dann nach Kloster zurück. Hier sehen wir uns zunächst das mäßig interessante Inselmuseum an. Anschließend noch das Gerhart-Hauptmann-Haus.
Hauptmann, Autor u.a. von “Die Weber” (Ihr erinnert Euch sicher aus Eurer Schulzeit?), hat über Jahre die Sommermonate auf Hiddensee verbracht und sich hier eine stattliche Villa (aus)gebaut, heute eben das Museum.
Bedauerlicherweise ist es so schlecht wie viele deutsche Museen. Am Anfang erhält man zwar einige Informationen. Der Rest wird dann aber kaum erklärt. Irgendwie nicht so erhellend.
Insgesamt: naja, sagen wir ausreichend.
Nach kurzer Pause in unserem Hotelzimmer verbringen wir den Rest des Tages, indem wir zunächst durch die örtlichen Geschäfte bummeln. Nicht so umwerfend, die klassischen Touri-Geschäfte halt. Danach folgen wir dem Hauptstrand einige Kilometer nach Süden und ergehen uns in hochgeistigen Tätigkeiten wie z.B. Steine auf dem Wasser springen lassen und im Sand rumliegen.
Das Wetter ist für Anfang Oktober recht schön, viel Sonne, relativ warm und Gott sei Dank kein Regen.
Auf dem Rückweg nehmen wir noch einen Sanddornsaft mit Rum.
Nach einigen Minuten können wir feststellen, dass die Liste der Lebensmittel, gegen die Monika allergisch ist, um Sanddorn ergänzt werden kann. Nach zwei Stunden “Temperaturproblemen” mit Schüttelfrost geht es dann Gott sei Dank wieder.
Wir gehen noch in einem netten Restaurant essen, wo man uns freundlich, aber unfähig bedient. Die Hälfte der Sachen, die wir bekommen, haben wir nie bestellt. Hühnerfrikassee statt Kartoffeln etc.
Eigentlich haben wir mit diesem Tag die ganze Insel gesehen. Na gut, den südlichsten Teil nicht, aber da gibt es im wesentlichen Wald und Strand, so sehr unterscheidet sich das nicht vom nördlichen Teil.
Als das Wetter am nächsten Morgen nicht so gut aussieht (kalt und windig) beschließen wir daher, schon mit der ersten Fähre zurückzufahren.
Fazit: Hiddensee ist eine hübsche Insel, sicher eine Reise wert. Jedenfalls gilt dies in der Vor- und Nachsaison, während man sich wohl in der Hauptsaison hier gegenseitig tot tritt. Preise und Qualität der Unterkünfte liegen wohl im deutschen Durchschnitt, Infrastruktur wie Lebensmittelgeschäfte und Restaurants ist vorhanden.
Allerdings ist Hiddensee halt recht klein. An einem Tag hat man sie weitgehend durch. Wer also nicht gerade absoluten Entspannungsurlaub mit täglichen Strandspaziergängen machen will, ist mit einem Wochenende gut bedient. Längere Zeit dort dürfte etwas langweilig werden.
Der vollkommen verausgabte Autor nach diesem anstrengenden Trip:
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