London 15.-17.04.2005
Dieser Artikel wurde am 26. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Zunächst also für drei Nächte nach London.
London kennen wir richtig gut, ist unsere Lieblingsstadt. Bisher waren wir wohl so ca. 10 Mal da. Wobei London so groß und vielfältig ist, dass wir erst jetzt die Stadt einigermaßen kennen.
Bei unserem Reisebericht beschränke ich mich auf die Sachen, die wir diesmal gemacht haben. Für allgemeine Tips etc. gibt es hier eine Extradatei.
Mit RyanAir ging es von Lübeck am Abend des 15.04. nach London Stansted und von dort mit dem Stansted Express Zug nach London zur Liverpool Street Station.
Nun ist es gar nicht so leicht, in London ein Zimmer zu bekommen, das citynah, günstig und gut ist. Eigentlich gibt es immer nur zwei Sachen. Entweder ist es citynah und günstig, dann ist es nicht gut. Oder es ist günstig und gut, dann ist es nicht citynah. Oder es ist citynah und gut, dann ist es nicht günstig.
Normalerweise nehmen wir daher immer ein Hotel in Laufweite der Liverpool Street Station, das zwar gut und (vergleichsweise) günstig ist, aber halt schon einige U-Bahn-Stationen außerhalb der City. Die Nähe zur Liverpool Street hat aber den Vorteil, dass man nicht mit dem ganzen Gepäck durch die City muss.
Diesmal aber war es anders. Beim Buchen sah ich, dass unser bisheriges Hotel teurer geworden war. Und: es gab einen Sonderpreis eines Hilton-Hotels, der noch darunter lag. Ein HILTON für 69 Pfund die Nacht, also ca. 115 Euro? WOW, dachte ich. Für den Preis eines Londoner 3-Sterne-Hotels in ein HILTON-LUXUSHOTEL!
Okay, es war das Kensington Hilton und lag genau auf der anderen Seite der Stadt, aber auch noch mit U-Bahn einigermaßen erreichbar. Also buchte ich es für drei Nächte.
Was ich nicht wusste: Hilton bedeutet nicht gleich auch Luxus. Ich war immer davon ausgegangen, das ein Hilton immer auch ein Luxushotel ist, aber so ist es nicht. Hilton ist einfach eine Hotelkette mit besseren und schlechteren Hotels.
Das wurde mir aber erst klar, als ich in bei TripAdvisor.com mal die Bewertungen des Hotels durch Gäste sah. Da beklagten sich nämlich einige Gäste über miserable Zimmer etc. etc. Mit einem Mal war meine gute Laune über das Schnäppchen verflogen. Hatte ich hier etwa die Katze im Sack gekauft?
Nun, ich will`s kurz machen: so schlimm war es nicht. Nicht, wie ich erwartet hatte, eine Luxusbehausung, aber ein anständiges Hotelzimmer - immer nach Londoner Verhältnissen gesehen natürlich. Ruhig, nettes Bad und zwei gute Betten. Was will man mehr.
Am nächsten Morgen (Samstag, 16.04.) aufgewacht, besorgte ich erst mal ein Frühstück. Das war nämlich im Schnäppchen-Preis nicht inbegriffen und für 20 Pfund pro Nacht wollte ich das wirklich nicht dazubuchen. Mal ehrlich, wer frühstückt für 30 Euro?
Ganz in der Nähe gab es aber einen Supermarkt und einen Starbucks sowie kleinere Geschäfte. Der kleine Spaziergang dahin war auch richtig nett. Kensington ist eine sehr schöne, noble Wohngegend. Alte Häuser mit viel Grün, kleine Parks, Gärten, Bäume. Richtig nett.
Da es ein Samstag war, war auch recht wenig Verkehr - also alles in allem ein angenehmer Spaziergang zum Aufwachen.
Und da es Samstag war, führte uns unser erster Weg nach dem Frühstück zum Portobello Street Market in Notting Hill. Dafür war das Hotel richtig gut platziert, denn bis dahin brauchten wir zu Fuß gerade mal 15 Minuten.
Der Portobello Street Market, der nur samstags stattfindet, ist der größte Londoner Flohmarkt, sowohl was die Anzahl der Verkäufer wie - leider - auch der Touristen angeht. Ab 10 Uhr wird es hier brechend voll, wer seine Ruhe haben will, muss früher da sein. Gut, dass wir früher da waren, denn so konnten wir den Markt genießen.
So sieht es auf dem Street Market aus.
Man darf sich dabei keinen Illusionen hingeben, wirkliche Schnäppchen kann man hier nicht machen. Aber man findet schon das ein oder andere Interessante zu noch erschwinglichen Preisen. Diesmal entschieden wir uns für eine Tischuhr aus den 1920er Jahren. Nicht billig, aber auch nicht teuer.
Als wir gegen 10:30 Uhr gehen, ist es wirklich schon sehr voll geworden. Und weitere Touristenmassen strömen heran….
Übrigens: Wer den Buchladen aus dem Film “Notting Hill” sucht: das ist gleich eines der ersten Häuser auf der rechten Seite im eigentlichen Flohmarktbereich. Allerdings ist es kein Buchladen, der war damals nur für die Filmarbeiten dort eingerichtet worden.
Wir fahren mit der U-Bahn nach South Kensington, um das Kaufhaus Harrod`s zu besuchen. Ihr wisst schon, das bekannte Super-Kaufhaus, wo es alles gibt.
Man darf nur nicht den Fehler machen, im Erdgeschoss zu bleiben, weil man hier von Menschenmassen erdrückt wird. Sobald man aber ein oder zwei Geschosse nach oben geht, wird es schon gleich viel ruhiger. Wir bummeln ein bisschen durch das Geschäft, den Rucksack immer brav in der Hand (bei Harrod`s ist es nämlich verboten, den Rücksack auf dem Rücken zu tragen), kaufen das ein oder andere Günstige, bewundern das ein oder andere Teure. Zum Schluss kaufen wir noch Brot und Scones (so eine Art süße Brötchen). Das ist überhaupt der Geheimtip bei Harrod`s: die Backwarenabteilung hat superleckere und zugleich supergünstige Sachen.
Für den Nachmittag hatte ich Karten für ein Theaterstück besorgt. Und zwar “National Anthems” im Old Vic Theatre. Hier sehen wir zwei internationale Spitzenschauspieler, nämlich Kevin Spacey (der das Old Vic inzwischen leitet) und Mary Stuart Masterson in einem wirklich guten Stück. Der Plot: Ein Nachbar kommt uneingeladen zu einem neu hinzugezogenen Paar und man kommt allgemein ins Gespräch. Dabei kann der Nachbar nicht verhehlen, dass er als Feuerwehrmann gerade eine Frau gerettet hat - also ein richtiger Held. Was als Komödie beginnt, endet aber letztlich als Tragödie, als die Scheinwelt des Nachbarn nach und nach zusammenbricht.
Klingt vielleicht blöd in dieser Zusammenfassung, aber ein guter Plot und ein umwerfend guter Kevin Spacey haben daraus wirklich ein Erlebnis gemacht. Selbst Mary Stuart Masterson kann bei der tragischen Schluss-Szene die echten(!) Tränen nicht zurückhalten, so authentisch spielt Spacey. Sie heult immer noch beim Schlussapplaus. Tja, sowas würde ich gerne mal an deutschen Theatern sehen. Aber da verhunzt man ja lieber die Klassiker oder spielt völlig sinnfreie moderne Stücke. Übrigens: Das Old Vic bekommt wie die meisten anderen englischen Theater keinerlei öffentliche Zuschüsse….
Anschließend laufen wir durch die Stadt, wir kennen sie ja inzwischen recht gut. Besuchen den ein oder anderen bekannten Ort, bummeln ein bisschen, das übliche also.
Abends gehen wir noch ins Kino und sehen Keanu Reeves im selten dämlichen Film “Konstantine”. So einen schlechten Film haben wir schon lange nicht mehr gesehen. So gleicht es sich aus, nachmittags Spitzen-Theater, abends mieses Kino…..
Zum Schluss des Abends machen wir den Fehler, statt der U-Bahn den Bus zurück zum Hotel nehmen zu wollen. Busfahren kann abends in London durchaus eine Alternative sein. Aber nicht Samstag Abend, da der Bus dann total voll ist und auf den überfüllten Straßen kaum voran kommt. Wie wir merken. Meterweise geht es voran. Nach 1-2 Stationen geben wir auf, steigen aus und nehmen die U-Bahn.
Am nächsten Morgen (Sonntag, 18.04.), strahlt die Sonne vom Himmel. Ein richtig strahlender Frühlingstag. Selbst der Bedienstete der U-Bahn lässt es sich nicht nehmen, in typisch britisch Weise das Wetter zum Thema zu machen und es als über alle Maßen zu loben.
Zunächst besuchen wir aber das Victoria & Albert Museum, DAS Museum für Kunsthandwerk. Wir schauen uns dort eine aktuelle Ausstellung über Arts & Crafts an, eine Kunstrichtung des 18./19. Jhd., die man in Deutschland wohl mit dem Art-Deco-Stil umschreiben kann.
Die Ausstellung ist nicht billig (10 Pfund Eintritt), aber wirklich lohnend. Geradezu ein Musterbeispiel für eine gute Ausstellung: beschränkt auf wenige, umso bessere Stücke, die dann auch noch gut erklärt werden und in einen großen Zusammenhang gestellt werden. So machen Ausstellungen richtig Spaß. (Das V & A hat übrigens genug andere kostenfreie Ausstellungen, ich kann nur sagen, geht hin, für jeden ist etwas dabei.)
Gegen Mittag schlendern wir dann in strahlendem Sonnenschein durch den nicht weit entfernten Hyde Park. Tausenden von Engländern bevölkern ihn, hier liegen welche im Gras, dort picknicken andere, und die nächsten spielen Fussball.
Typische Szenerie im Hyde Park. Die Liegestühle kosten übrigens was.
Und - natürlich wie an jedem Sonntag - prallen am Speaker`s Corner die Meinungen aufeinander. Speaker`s Corner ist eine alte Tradition, hier sammeln sich jeden Sonntag alle politisch Interessierten, Weltverbesserer, religiöse Eiferer und sonstige Spinner, um der Welt endlich mal zu erklären, was Sache ist. Jeder darf hier reden, sofern er nicht unbedingt gegen die Gesetze verstößt.
Aufschrift auf dem T-Shirt der Person links im Bild: “Die Marsianer werden die Erde retten”.
Aber Vorsicht - wer dort auftritt, muss mit genauso gemeinen wie treffenden Bemerkungen und Gegenansprachen seiner Zuhörer rechnen. So verwandelt sich die Szenerie nicht selten unfreiwillig in eine Art Monty-Python-Sketch, wenn zwei (oder mehr) Weltverbesserer darüber streiten, wer denn nun recht hat.
Wir hören dem ein oder anderen zu und amüsieren uns über einen älteren Herren, der in jeder Gruppe immer den gleichen Satz von sich gibt: “British Communists are all wankers - like Tony Blair”. Britische Kommunisten sind also alles Wichser - genau wie Tony Blair. Ein Satz, der einfach mal gesagt werden musste und für Begeisterungsstürme sorgt.
Nachdem wir dort genug haben, fahren wir zur Tate Gallery, der alten Gemäldegalerie. Wir besuchen mal wieder unsere Lieblingsbilder - muss einfach sein. Zumal auch dort der Eintritt kostenlos ist.
Auf dem Weg zur City kommen wir allerdings voll in die letzten Zuckungen des Londoner Marathons, der hier gerade zu Ende geht. Die Bürgersteige und U-Bahnhöfe sind gepackt voll mit Zuschauern, Läufern und ihren Angehörigen. Wir sind heilfroh, als wir endlich am Leicester Square ankommen.
Die bekannte Szenerie mit House of Parliaments und Big Ben.
Am Abend gehen wir noch mal ins Kino, diesmal Sandra Bullock in “Miss Congeniliaty II”. Nicht umwerfend. aber ein netter Zeitvertreib. Frage mich nur, wie sie in Deutschland die für die Lösung des Falls sehr wichtigen Wortspiele übersetzen werden.
Und dann zurück ins Hotel…
Hinterlasse einen Kommentar zu diesem Artikel, oder stelle eine Frage dazu.




