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Pisa - Florenz - Sienna 18.-23.03.2005

Dieser Artikel wurde am 24. März 2009 von GreyWolf geschrieben.

WICHTIGER HINWEIS VORAB: Irgendwie scheint dieser Bericht den Eindruck zu erwecken, dass ich die Toskana ganz furchtbar fand. Dem ist nicht so. Ich finde sie ganz nett und werde sicher auch mal wieder einen Urlaub dort verbringen. Ganz zum Schluss schreibe ich ja auch, dass der Urlaub 8 von 10 Punkten bekommt. Aber ich erlaube mir auch, das ein oder andere Negative zu sagen, okay?

So und jetzt geht es los:

Wie hält man seine Ehefrau monatelang in Spannung? Indem man mitteilt, dass man in zwei Monaten mit ihr auf einen Kurzurlaub fährt, aber nicht verrät, wo es hingeht. :-)
Entsprechend war Monika lange am Rätseln, wo es hingehen könnte. Zuletzt meinte sie, es werde wohl nach Barcelona gehen, aber da lag sie gaaaaanz falsch.

18.03.2005 Lübeck - Pisa

Freitags nach Dienst noch die Wohnung aufgeräumt und dann gemütlich zum Flugplatz in Lübeck gefahren. Dort erfuhr Monika dann endlich, wo es hingeht: nach Pisa und dann weiter nach Florenz. Überraschung gelungen!

Wir checken ein, nicht ohne die Völkergemeinschaft zu genießen. Von hinten drängeln Engländer, vorne quetschen sich Deutsche rein und dann fährt uns fast noch eine Afrikanerin mit ihrem Kinderwagen über den Haufen. Was sind wir Menschen doch eine große, glückliche Familie. Selig lächelnd erreichen wir die Abflughalle.

Der Flug mit RyanAir nach Pisa ist ohne Probleme, schon zwei Stunden später setzt die Maschine in Italien auf. Ein paar Minuten später stehen wir am Ausgang und wollen ein Taxi in die Innenstadt von Pisa nehmen.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn mit uns warten schließlich gut 50 Leute, und die Taxis kommen nur tröpfchenweise. Alle 10 Minuten eines oder zwei. Das kann dauern….. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Fahrgäste sich sogar noch in andere Orte fahren lassen wollen, nach Lucca oder Florenz. Damit sind die Taxis natürlich ewig unterwegs.
Nach einigen Minuten Warten werde ich radikal, zumal Monika in ihrem Zustand (5. Monat) auch nicht mehr so belastbar ist. Ich rufe die Götter um Hilfe an, bringe ein Blutopfer und kreiere den Schlachtruf: “Das nächste Taxi ist unseres”. Und tatsächlich gelingt es. Als sich beim nächsten Taxi alle Leute etwas verlegen ansehen, wer es denn nun nehmen soll, bin ich schon da. Koffer hintenrein, Monika und mich auf die Sitze gehievt, zwei - drei andere Fahrgäste niedergeschlagen und dem Fahrer das Hotel genannt - geschafft! Frechheit siegt….

(Zu meiner Ehrenrettung: Wir standen sowieso schon mit am längsten und die Situation war recht unüberschaubar.)

Schon nach wenigen Minuten Fahrt - der Pisaer Flughafen liegt direkt neben der Innenstadt - sind wir im (für 89 Euro vorgebuchten) “Hotel Bologna”. Warum ein Hotel in Pisa “Bologna” heißt, weiß ich auch nicht. Vielleicht nach der Nudelsoße? Kurzes Bangen, ob unsere Reservierung über TUI auch angekommen ist -……… ja, da ist sie.

Inzwischen ist es nach 23 Uhr und wir sind froh, in die Betten fallen zu können. “Betten”, also zwei Betten. Aber nicht nebeneinander, sondern hintereinander. Nix mit Amore….:-(

19.03.2005 Pisa - Florenz

Ah, Italien. Die Fensterläden auf und der Blick auf die gegenüberliegende Hauswand. Ja, Italien, Toskana. Dieser leicht verwaschene ockerige Farbton der Wand. Ockerig? Na, Ihr wisst schon, diese typischen Farben italienischer Städte. Man fühlt sich gleich wie ein halber Italiener.

Nächste Feststellung: das Wetter ist okay, aber kalt. Hey, das gilt nicht, ich hatte Monika Sonnenschein und 20 Grad versprochen. Und entsprechend war auch unsere Kleidung ausgefallen. Ob wir das durchhalten, im Augenblick sind es vielleicht 8 Grad? (Tatsächlich wurde das Wetter nur langsam wärmer, erst am letzten Tag hatten wir über 20 Grad.)

Hotel und Frühstück waren okay, na gut, das Zimmer hätte schon etwas sauberer sein können. Die Größe des Bades betrug etwa 2 Quadratmeter und war damit immerhin doppelt so groß wie das eines typischen englischen Hotels.

Um 9 Uhr ziehen wir los, um Pisa zu erkunden. Was weiß man überhaupt von Pisa? Genau, schiefer Turm. Also los, den suchen wir jetzt.

So sieht es erstmal in Pisa aus:

pisa

Auf dem Weg finden wir folgendes Hinweisschild:

brot

Glückliches Pisa: hier ist sogar das Brot voll.

Der Campanile (zu deutsch Glockenturm, so heißt nämlich der Schiefe Turm) ist schon nach wenigen Minuten erreicht, Pisa ist schließlich eine kleine Stadt.

Dort angekommen stellen wir zunächst fest, dass Jugendliche in Italien genauso sind wie Jugendliche in Deutschland. Laut, desinteressiert, mit häßlichen Frisuren, auf Handys herumdrückend. In einem Wort: scheiße.

Dummerweise sind von diesen Typen mindestens 300 am Campanile. Was sie dort sollen, weiß ich nicht. Aber sie nerven. Ich werfe kurzerhand einen Turm auf sie

campa

und die Sache hat ein Ende. Endlich Ruhe!

Auf den Campanile kann man sogar hochsteigen, nachdem er inzwischen ja auch wieder etwas mehr ins Lot gerückt wurde. Der Spaß kostet allerdings 15 Euro und da hört der Spaß dann auch für uns auf.
(Das war aber auch der teuerste Eintrittspreis während des ganzen Urlaubs - üblicherweise kostet eine Sehenswürdigkeit zwischen 2 und 6 Euro.)

Machen wir uns nix vor, in Deutschland wäre ein solcher Turm natürlich nicht möglich. Ein Fressen für die Bauaufsicht. In Italien macht man daraus eine Touristenattraktion.

Ich wette, der italienische Baumeister hat nach der Fertigstellung gesagt: “Ach kommt, Leute, sooo schief ist er doch gar nicht. Wenn man den Kopf schräg legt, steht er sogar ganz gerade.” Und als sein Bruder Luigi, zufälligerweise Chef der lokalen Mafia, zustimmend sein Schwert zog, waren auch die Stadtoberen leicht zu überzeugen. Nach kurzem Überlegen stellten auch sie fest, dass der Bau durchaus noch, also ziemlich, eigentlich ganz und gar in der Toleranz lag, wenn man genau hinsah, war er ja auch fast gerade. Und machten aus der Not eine Tugend.

Nachtrag 2007: Und hier muss ich voll korrigieren. Es gibt in Deutschland tatsächlich zwei Kirchtürme, die unter dem gleichen Problem leiden und die sogar noch schiefer stehen als der Turm von Pisa. Der schiefeste Turm (ich glaube sogar der Wlet) steht irgendwo in Friesland. Na gut, da weht der Wind aber auch immer so stark…. Okay, okay, die Italiener sind gar nicht so schlimm, bei uns gibt es noch schiefere Türme.

Denn - ehrlich gesagt - viel mehr hat Pisa nicht zu bieten, außer dem schiefen Turm. Okay, daneben gibt es einen recht hübschen Dom und weitere kleine Sehenswürdigkeiten, ein geschlossenes altes Stadtbild, aber die gibt es bald in jeder toskanischen Stadt, wie ich inzwischen weiß.

So sieht der Gesamtbereich mit dem Dom aus:

pisadom

Nein, ich will Pisa nicht schlecht machen. Für den Anfang ist es eine nette italienische Stadt, ruhig, ganz hübsch und den schiefen Turm darf man sich auch mal anschauen. Nur: länger als 3-4 Stunden bringt man damit nicht rum.

Zum Schluss bietet mir ein freundlicher Schwarzafrikaner eine Rolex an. Eigentlich wollte ich schon immer eine Rolex. Aber mal ehrlich: wenn die schon auf der Straße verkauft werden, haben die wohl einiges an ihrer Exklusivität verloren, oder? Also nehme ich traurigen Herzens davon Abstand.

ACHTUNG: Nach einem neuen italienischen Gesetz wird der Käufer von nachgemachter Markenware mit einer Geldbuße von 10.000 Euro (ZEHN TAUSEND!) belegt. Wenn man sofort zahlt, muss man zwar nur 3.333 Euro zahlen - kein Scherz! - aber das ist wirklich hammerhart.

Und wir fahren mit dem Zug nach Florenz. Die fahren alle halbe Stunde und die einstündige Fahrt (70 Kilometer oder so) kostet gerade mal 5 Euro. Pro Nase natürlich. In Italien geht überhaupt alles “pro Nase” - logisch bei den Gesichtserkern, die die haben. Wo sind wir hier gelandet - Rübennasenhausen? Mit unseren Zinken passen wir jedenfalls gut rein.

In Florenz kommen wir um 13 Uhr an. Den mordshässlichen Bahnhof verlassend, tauchen wir in die Straßen der Altstadt und latschen zu unserem Hotel. Da die Florentiner Innenstadt recht überschaubar ist - maximal 2 mal 2 Kilometer, also eine halbe Stunde von einer Seite zur anderen - und unser Hotel genau in der Mitte liegt, sind wir in 15 Minuten da.

Unser Hotel, das Baglioni Bernini Palace liegt wirklich genau im Zentrum, zentraler geht es nicht. Direkt hinter dem Palazzo Vecchio, 3 Minuten von den Uffizien. Okay, sagt Euch jetzt vermutlich nichts, aber ist wirklich superzentral. Als würde man in München am Marienplatz oder in Berlin am Brandenburger Tor übernachten.

Und auch ein sehr schönes Hotel. 4 oder 5 Sterne, das Hotel selbst kann sich selbst so nicht richtig entscheiden, und richtig alt. Mit sehr schönen Zimmern, einschließlich richtig großem Bad mit Marmorwaschtisch.

So sieht das Zimmer aus:

hotel

Und wenn Ihr uns jetzt für Krösus haltet (bzw. Krösi - Plural natürlich), liegt Ihr falsch. Denn das Hotel hat über TUI gerade mal 146 Euro die Nacht gekostet. Wie gesagt, für ein 4-5 Sterne-Hotel mitten in Florenz - ein Superpreis.

Einziger Nachteil des Hotels ist, dass im Augenblick umgebaut wird. Die Lobby ist gesperrt und man hört einigen Baulärm. In unserem Zimmer im 5. Stock merkt man davon aber recht wenig.

Wir schlappen erstmal zur Ponte Vecchio, einer Brücke über den Arno, auf der seit alten Zeiten die Goldschmiede ihre Geschäfte haben. Naja, viel Tand - Touristenkrempel halt. So sieht diese Brücke aus:

povecchio

Weiter gehen wir zu den Uffizien, mal schauen, was da los ist.

Die Uffizien sind das bekannteste Museum Florenz - insofern ist jede Menge los. Die Schlange für den sofortigen Eintritt ist gut 150 Meter lang. Aber es gibt auch Möglichkeiten, Karten vorzureservieren und das machen wir an einer anderen Tür. Wir bekommen die nächsten freien Karten, am Dienstag um 13:30 (also 3 Tage sind die vorreservierten Karten voll ausgebucht). Aber egal, wir sind ja sowieso so lange da.

Weiter geht es durch die Stadt. Auf den Spuren des Films “Zimmer mit Aussicht”, der ja u.a. in Florenz spielt, besuchen wir die Kirche Santa Croce. Tja, ehrlich gesagt, im Film sieht es besser aus. Eigentlich ist sie nur langweilig. Kann man sich sparen. Übrigens: fast alle großen Kirchen kosten Eintritt, verständlich bei dem Touristenansturm. Denn Touristen gibt es hier wie Sand am Meer, besonders ewig viele Amerikaner. Halb USA muss sich hier versammelt haben, insbesondere auch viele Jugendgruppen.

Nach einem Zwischenstop in einem Supermarkt gehen wir gegen Abend noch zum Dom. Auch hier gibt es einen Glockenturm, also auf italienisch einen……… na, wie hieß das? genau, Campanile - habt Ihr wieder was gelernt.

Es ist gerade Sonnenuntergang und wir haben nichts Besseres zu tun, als 414 Stufen auf den Campanile hochzustapfen. Ächz, jaul, wimmer. Aber wir schaffen es, mit mehreren Pausen. Von oben haben wir einen schönen Blick auf Florenz mit untergehender Sonne. Etwa so:

flocampa

Runter geht es einfacher und wir ziehen los, ein Restaurant fürs Abendessen zu finden. Da wir in Italien sind, wollen wir in einem indischen Restaurant essen gehen - Italien und Indien klingt ja fast gleich. Das im Reiseführer angepriesene indische Restaurant entpuppt sich aber als besserer Stehimbiss. Da suchen wir uns lieber was Landestypisches und landen in einem amerikanischen Restaurant, “House of Frizzle”.

Was wir dort bekommen, lässt uns den Atem stocken. Leider nicht vor Begeisterung. Denn noch nie haben wir so schlecht gegessen. Die Hälfte der Gerichte ist praktisch verkohlt, selbst der Salat ist mies. Naja, das Mineralwasser ist gut. Dafür ist es immerhin billig, besser als schlecht und teuer, oder?

Zurück im Hotel informiert man uns über private Touren ins Umland, die man buchen kann, 4-8 Stunden mit eigenem Fahrer für schlappe 160-300 Euro. Sehen wir aus wie Krösus (Krösi)? Besonders heftig sind auch die Vorschläge, was ein Wagen zum Florenzer Airport oder zum Bahnhof kosten soll. Zum Bahnhof (Fahrzeit: etwa 5 Minuten): 35 Euro, zum Flughafen (Fahrzeit 10 Minuten): 60 Euro. Irgendwie können wir uns nicht überwinden, diese Angebote anzunehmen.

Inzwischen sind wir todmüde und schon um 22:00 Uhr fallen wir in die Betten.

20.03.2005 Florenz

Heute sind wir den ganzen Tag in Florenz.

Nach nur 11 Stunden Schlaf stehen wir schon um 9 Uhr auf. Allerdings ist uns inzwischen aufgegangen, dass ein Hotel in der Stadtmitte auch Nachteile haben kann. Z.B. besoffene Jugendgruppen, die nachts im Halbstundenrythmus lautstark grölend vorbeiziehen. Naja, irgendwann ist Ruhe und wir können ja auch ausschlafen.

Das Frühstück ist wirklich ausgezeichnet mit großem Büffet. Eingenommen wird es in einer Art altem Ballsaal mit bemalten Decken und nobler Einrichtung. Also etwa wie bei uns zuhause.

Später ziehen wir los zum Palazzo de Pitti auf der anderen Arnoseite. Wobei Palazzo in diesem Fall getrost als Palast übersetzt werden kann, denn dieses Teil ist so groß wie ein Schloss. Es gehörte einer enorm reichen Florenzer Familie, den Pittis (wer hätte das gedacht :-) ), bis diese irgendwann verarmten und das Teil an die bekannten Medicis verkaufen mussten. Verarmt sind sie - so meine Vermutung - weil sie vermutlich alles Geld in diesen Palast gesteckt hatten und dann die Raten nicht mehr zahlen konnten. Heute befinden sich in diesem Teil 6 Museen, die man allerdings immer nur in Paketen anschauen kann, also nicht Museum 1 alleine, sondern nur im Doppelpack mit Museum 2 und so weiter.

Vor den Kassen hat sich schon eine lange Schlange gebildet, so dass ich erstmal 25 Minuten anstehe. Ärgerlich: die Schlange gibt es nur deswegen, weil es gerade mal drei Schalter gibt, von denen natürlich nur zwei besetzt sind. Wie ist das erst im Sommer, wenn hier ein Vielfaches der Touristen ankommt?

Beliebter Zeitvertreib - Heiteres Schlangestehen in Florenz:

schlange

Naja, irgendwann habe ich dann Tickets für die Palatinischen Gemächer bekommen, die Prunksääle des Palastes. Das schauen wir uns natürlich an. Sie enthalten eine Sammlung von Gemälden aus dem 14-16 Jahrhundert. Nicht so sonderlich spannend, da entweder Bilder aus der antiken Mythologie - von der wir wenig wissen - oder christliche Gemälde - die uns noch weniger interessieren. Dafür sind die Räume wirklich sehenswert, u.a. eine Art Thronsaal. Besonders schön sind die Decken, die teilweise bemalt sind, teilweise mit Figuren verziert oder auch beides. Einziger Nachteil: Da die Decken dummerweise oben sind - haben Decken meist so an sich - kommen wir mit leichter Genickstarre aus den Gemächern.

Rechtschaffen erschöpft halten wir Siesta (oder wie heißt das auf Italienisch?) im Hotel und ziehen später wieder los. Ziemlich ziellos schlendern wir durch die Stadt.

Dabei amüsieren wir uns zunächst über ein merkwürdiges Spiel, dass die zumeist schwarzafrikanischen Straßenverkäufer und die Polizei spielen.
Man muss dazu zunächst erklären, dass eigentlich überall solche Schwarzafrikaner herumstehen, und echte Fälschungen von Rolex, Designerbrillen und -taschen sowie ausnehmend hässliche Bilder verkaufen.

Wann immer jetzt eine Streife der Polizei angeschlendert kommt, passiert folgendes: Der erste Schwarzhändler (durchaus passend, da sie ja eben schwarz sind) sieht die anrückende Polizei. Sobald sie bis auf 10-20 Meter herangekommen sind, packt er mit wenigen Handbewegungen seine Sachen zusammen. Auffällig unauffällig steht er in der Gegend rum (”Ich - ein Schwarzhändler? Aber nein…”)und gibt dem nächsten Schwarzhändler ein Zeichen. Der packt auch seine Sachen zusammen, sobald die Polizei nahe genug ist. Es entsteht also eine Art Welle, die die Polizisten vor sich herdrücken.
Sobald die Polizisten aber auch nur 5 Meter vorbei sind, legt der erste Schwarzhändler wieder seine Ware aus. Und so weiter. Ist das die italienische “La Ola”? Jedenfalls beobachten wir das Spielchen jeden Tag mehrfach. Wobei die Polizei auch nie die leisesten Anstalten macht, diesen offensichtlichen Schwarzhandel abzustellen….. Was soll es auch. Immerhin verdienen sich diese Illegalen ja hiermit ihren Lebensunterhalt.

ACHTUNG - nochmal der Hinweis: Nach einem neuen italienischen Gesetz wird der Käufer von nachgemachter Markenware mit einer Geldbuße von 10.000 Euro (ZEHN TAUSEND!) belegt. Wenn man sofort zahlt, muss man zwar nur 3.333 Euro zahlen - kein Scherz! - aber das ist wirklich hammerhart.

Wir ziehen dann eine Weile den Arno lang. Nein, das ist kein deutscher Tourist, sondern der Fluss, der durch Florenz (und auch durch Pisa) geht.

Dabei dürfen wir noch ein weiteres absurdes Schauspiel erleben. Auf einer Arnobrücke sitzt ein offenbar Lebensmüder auf einem Brückenpfeiler und will springen. Naja, so richtig wohl doch nicht, denn inzwischen ist jede Menge Polizei da und reden auf ihn ein.
Nun wäre das eigentlich eher traurig, aber hier bekommt eine ungewollt komische Note.
Erstens ist der Arno nämlich so ungefähr der ungeeignetste Fluss, um sich reinzustürzen. Er ist nämlich recht seicht und fließt so langsam, dass man kaum erkennen kann, in welche Richtung er fließt.
Zweitens sind die Arnobrücken sehr tief über dem Fluss.
Drittens sitzt der Lebensmüde auch noch auf einem tiefergelegten Pfeiler der Brücke, so dass er maximal 3 Meter über dem Fluss sitzt.
Beim besten Willen dürfte er gewaltige Probleme haben, sich so umzubringen. Etwa so erfolgsversprechend, wie ein Selbstmörder, der sich auf Bahnschienen legt, und dabei nicht merkt, dass die Bahnlinie nicht mehr im Betrieb ist.
Naja, auf jeden Fall ist Polizei in großem Umfang vertreten, sogar zwei Taucher paddeln gelangweilt unter dem “Selbstmörder” im Wasser, nebendran ein Schlauchboot.
Am einfachsten wäre es wohl, den Typ in einer Mel-Gibson-Lethal-Weapon-1- Aktion einfach ins Wasser zu schmeißen und von den Tauchern rausziehen zu lassen. Aber dafür sind die Italiener wohl zu nett.

Auf unserem Weg kommen wir ganz in der Nähe des Palazzo de Pitti zu einem wirklich hübschen Wochen(?)markt, mit Kunsthandwerk, Bioprodukten etc. Und zwar ist dieser wohl nur sonntags(?) auf der Piazza Santo Spirito.

Danach sind wir nun wieder am Palazzo Pitti und überlegen uns, die bobolischen Gärten anzuschauen, so eine Art Park, der sich hier den Hang hochzieht. Gesagt, getan. Diesmal nur 20 Minuten anstehen und Karten kaufen. Wobei wir Glück haben: Letzter Einlass in die Gärten ist im März 16:30 Uhr und ich bekomme die Karten um 16:28 Uhr. Haarscharf.

Allerdings hätten wir auch nicht viel verpasst, wenn ich sie nicht bekommen hätte. Der Garten an sich ist nämlich enttäuschend. Sehr ungepflegt, mit englischen oder auch deutschen Parks nicht zu vergleichen. Halb vertrocknet. Wir schlappen den Hang hoch.
Oben gibt es dann noch ein winziges und uninteressantes Keramikmuseum. Allerdings hat man von hier einen netten Blick auf die Umgebung. Direkt hinter dem Garten fängt nämlich die typische Toskana-Landschaft an mit einzelnen gelbroten Häusern in weiten Wiesen mit Obstbäumen. Aber das ist das Beste daran. Kann man sich also getrost sparen, zumal auch der Blick über Florenz kaum was bringt, da das in der falschen Richtung liegt.

Blick in die toskanische Landschaft:

toskana

Um 17:30 Uhr werden wir ohnehin rausgeschmissen. Abends gehen wir noch essen, diesmal - schlau geworden - italienisch. Pizza und Spaghetti sind eine gute Wahl. Wobei man gleich sagen muss, das Pizza in Italien aus einem dünnen Fladenteig gemacht wird, der auch nur dünn belegt wird. Ist also nur bedingt magenfüllend.
Ohnehin essen die Italiener ja eigentlich mehrere Gänge, das wird uns aber zu viel. Eigentlich hat man nur die Wahl zwischen einem Gang (zu wenig) oder zwei Gängen (zu viel).
Insofern hauen wir uns später noch den Magen mit superleckeren Fruchttörtchen voll (s. Spezialtips).

21.03.2005 Florenz und Sienna

Heute weckt uns um 7 Uhr extrem lautstarkes Geklapper in den Straßen, irgendwer scheint Ware zu bekommen. Nach einer halben Stunde ist aber wieder Ruhe und wir pennen noch eine Stunde.

Diesmal gehen wir in Florenz nur mal eben um die Ecke, um uns den Palazzo Vecchio anzuschauen, von dem Teile schon aus dem 12. Jhd. sind. So sieht das Ding aus:

vecchio

Da der Palazzo heute zum Teil von der Verwaltung benutzt wird, müssen wir erstmal durch eine Sicherheitskontrolle. Dann laufen wir die Treppen hoch zu den Räumen, die man besichtigen darf. Oben angekommen werden wir gleich wieder runtergeschickt - Eintrittskarten kaufen. Und tatsächlich, wenn man runterkommt, sieht man ein Schild, dass einem dem Weg zur Kasse zeigt. Natürlich nur wenn man runterkommt, nicht wenn man hochgeht - sonst macht es ja keinen Spaß.

Na gut, Tickets gekauft und das Teil besichtigt. Der Palazzo ist mittelmäßig interessant, da man nur einige Räume besichtigen darf und die auch nur teilweise sehenswert sind. Allerdings fallen uns mal wieder die prächtigen Deckengemälde auf. Insofern: kann man sich anschauen, wenn man Zeit hat, ansonsten verpasst man nicht so viel.

Heute wollen wir aber noch einen Ausflug nach Sienna machen, einer kleinen Stadt ca. 70 Kilometer entfernt. Busse hierzu soll es am Bahnhof geben. Also dahin und nach den Bussen suchen. Ist aber nichts zu finden und ich will schon genervt aufgeben. Aber Monika ist halt etwas schlauer und sucht im Führer erstmal die Busgesellschaft raus. SITA heißt sie. Und dann schaut sie einfach mal nach einem SITA-Bus und den verfolgen wir. Und Volltreffer: Der SITA-Bus fährt in einer Nebenstraße in einen Busbahnhof, der kaum zu sehen ist, da er in einem Hinterhof versteckt ist. Was soll man sagen: Frauen sind einfach schlauer…..

Da bekommen wir auch Tickets und erreichen noch genau den Bus um 12:10, der fast voll ist und uns in 70 Minuten ans Ziel nach Sienna bringt. Dabei können wir uns ein bisschen die toskanische Landschaft anschauen, wobei allerdings diese wegen der frühen Jahreszeit noch recht langweilig ist. Dafür fahren wir auf einer echten italienischen Autostrada, einer Art doppelspurigen Bundesstraße mit sehr schlechter Oberfläche. Der Bus wackelt ganz schön. Da lobt man sich deutsche Autobahnen.

Sienna selbst ist ein nettes kleines Städtchen, wobei der Reiz allerdings durch besonders viel Auto- und Mopedverkehr etwas getrübt wird. Das ist überhaupt ein Problem der toskanischen Städte, der nervtötende Verkehr selbst durch kleinste Sträßchen. Zumal die viel benutzten Mopeds sehr laut sind und stinken wie große Laster.

In Sienna gibt es zwei wesentliche Sehenswürdigkeiten. Einmal den Dom. Der ist wirklich besonders sehenswert, da seine ganze Fassade, der Innenraum und die Böden wunderschön mit Figuren, Malerei, Mosaiken etc. geschmückt sind. Kein Vergleich mit langweiligen deutschen Kirchen. So sieht er aus:

siendom

Und dann noch der Campo, ein sehr großer Platz im Zentrum, der von mittelalterlichen Häusern umrahmt wird. Allerdings wird hier unser Vergnügen etwas getrübt, da er wirklich mit Hunderten von Jugendlichen gefüllt ist. Ich weiß nicht, was sie da machen, aber auf jeden Fall machen sie es laut.

siencam

2-3 Stunden kann man in Sienna rumkriegen, sehr groß ist die Innenstadt nämlich nicht, so dass wir um 16:10 Uhr wieder zurückfahren und um 17:20 in Florenz sind. Diesmal ist es ein Doppelstockbus, der auch sehr gut gefüllt ist. Leichtes Amüsement bei den Fahrgästen , als der Bus immer wieder tiefhängende Äste von Bäumen abbekommt. Das verwandelt sich in großes Amüsement, als der Bus durch die Tordurchfahrt in den Busbahnhof von Florenz wieder einfährt. Da kratzt er nämlich auch an der Decke der Tordurchfahrt entlang. Ob oben überhaupt noch Lack drauf ist?

Witziges Gespräch eines amerikanischen Ehepaars hinter uns im Bus.

Mann: Ich wünschte, hier gäbe es richtige Malls (Einkaufszentren).
Frau (verständnislos): Wo willst Du denn Malls haben?
Mann: Egal wo.
Frau: Und wofür?
Mann: Na zum shoppen.
Frau (fassungslos): Aber hier kannst Du doch in jeder Innenstadt shoppen….

Den restlichen Abend bummeln wir durch die Stadt, gehen Essen, ich hau mir noch ein - nicht so besonders leckeres - Eis rein und dann ab ins Bett.

22.03.2005 Florenz

Unser vorletzter Tag.

So ganz langsam reicht es uns auch mit Florenz. Die Stadt ist zwar schön und interessant. Aber wie Monika es treffend ausdrückt: “Für so eine kleine Stadt macht sie Lärm wie eine große”. Und Gestank durch die verteufelten Mopeds, die überall im Affenzahn durchbrausen.

Wir gehen heute morgen ins Archäologische Museum, da ich gerne mehr über die Etrusker wissen würde, die hier mal gelebt haben. Leider wird das Museum gerade umgebaut, so dass sich die Ausstellung in Grenzen hält. Außerdem sind die eigentlich interessanten Teile fast nur auf italienisch erklärt, so dass wir nicht viel verstehen.
Und wenn Du jetzt sagt: “Naja, in Italien sind halt auch die Beschreibungen auf italienisch, Du besserwisserischer Blödkopf-Deutscher”, dann antworte ich Dir: “In einer Stadt mit Millionen ausländischer Besucher dürfte es doch möglich sein, die wesentlichen Beschreibungen auch in Englisch hinzuschreiben.” Und wenn Du jetzt wieder entgegnest: “In Deutschland gibt es das auch nicht”, sage ich: “Mag sein, aber dann machen es eben auch die Deutschen falsch” - womit ich dank glänzender Argumentation diesen Streit eindeutig für mich entschieden habe. Also insofern: Dieses Museum könnt Ihr Euch sparen.

Gehen wir weiter zum Palazzo Medici-Riccardi. Auch der würde jetzt bei mir eigentlich ein “Lohnt sich nicht” bekommen, da man recht wenig sehen kann. Aber: Sehr gut ist eine neue Form der Erläuterung per Animation.

Und zwar ist eine Hauptattraktion in diesem Palazzo ein umlaufendes Gemälde in einer Kapelle. Und die Animation geht so: Man stellt sich in einen Raum und hat vor sich einen riesigen Bildschirm, auf dem man einen Teil dieses Gemäldes sieht. Auf diesem Gemälde sind wiederum einzelne Personen markiert. Streckt man jetzt seinen Arm in die Richtung einer Person, wird das durch eine Kamera erfasst. Dann wird die Person herangezoomt und eine Stimme erklärt einem etwas zu dieser Person. So kann man sich nach und nach durch das ganze Gemälde klicken. Witzig! Und informativ! So macht man das!

Nach unserer Mittagssiesta im Hotel sind wir pünktlich um 13:30 an den Uffizien. Hatten wir uns doch - Ihr erinnert Euch vage? - vor drei Tagen Karten besorgt für heute. Auch heute wieder das gleiche Bild: 200 Meter Schlange für die, die sofort reinwollen. Wer tut sich sowas an? Und wir kommen mit unseren Tickets direkt rein. Ätsch!

Um es kurz zu machen: Die Uffizien sind eher enttäuschend. Die Räume sind recht schlicht und die Bilder …….. naja. Im Wesentlichen Bilder aus dem 15./16. Jhd. Die sind zwar an sich nicht uninteressant. Aber halt sehr eintönig auf christliche Motive beschränkt. Und wenn man zum 20. Mal eine Gruppe von bekifft dreinblickenden Menschen sieht, die sich um ein fettes Kind in einem Stall versammelt haben, wird es langsam langweilig. Sorry.

Okay, ein paar sehr bekannte Bilder gibt es auch, wie z.B. die schaumgeborene Venus von Botticelli(?), aber ehrlich gesagt: in der Reproduktion sehen sie besser aus.

Also: solltet Ihr nach Florenz kommen und es scheuen, Euch in die ewig langen Schlangen vor den Uffizien einzureihen - so viel verpasst Ihr da nicht.

Den Rest des Tages schlendern wir durch die Stadt, bummeln ein bisschen durch die Geschäfte.

Abends gehen wir noch in ein sehr schönes Restaurant “Da mimmo”. Kann ich nur empfehlen (s. Tips).

23.03.2005 Florenz - Pisa- Lübeck

So der letzte Tag bricht an. Langsam reicht es auch, da wir eigentlich die wesentlichen Sehenswürdigkeiten gesehen haben und die Stadt so ziemlich in- und auswendig kennen.

Wir gehen morgens zunächst noch einmal in den Palazzo de Pitti, wo wir uns die Moderne Gallerie anschauen. Davon hatten wir bei unseren bisherigen Besuchen in diesem Palazzo abgesehen, da wir uns für moderne Malerei nicht interessieren. Erst der Blick in den Reiseführer klärte uns dann auf, dass hier unter “moderne Malerei” nicht die Kunst des 20. Jhd. gezählt wird, sondern modern ist hier das 18. und 19. Jhd. In Italien ist man da wohl etwas zurück. Und das sind genau die Bilder, die uns interessieren.

Auch hier mal wieder 20 Minuten Schlangestehen für die blöden Eintrittskarten, da - logisch - von 3 Schaltern diesmal nur einer auf ist. Gibt es eigentlich in Florenz einen Wettbewerb, welches Museum unnötigerweise die längsten Wartezeiten bei den Tickets produziert?

Die Gemäldegallerie ist ganz gut - nicht umwerfend, aber ganz nett. Auch hier fallen wieder in erster Linie die fantastischen Deckengemälde auf.

Danach sehen wir uns noch die Galleria del costume an, also eine Kleider-Sammlung. Nein, nicht die Kleidersammlung vom Roten Kreuz, sondern eine Sammlung alter Kleider. Die ist nun nicht gerade umfangreich, war aber im Ticket mit drin (hatte ja schon erwähnt, dass man die Gallerien immer im Doppelpack bekommt).

“Höhepunkt” der Gallerie: Kleider von mehreren Medici-Typen aus dem Mittelalter. Wäre ja ganz interessant gewesen, wenn es nicht gerade Kleider gewesen wären, mit denen man sie beerdigt hat……
Also: sie wurden damit im 16. Jhd. beerdigt und im 19. Jhd. hat man sie ausgebuddelt, die Kleiderreste von den Körperresten ausgezogen und zur Aufstellung aufbereitet. Entsprechend sehen diese Kleiderreste aus, halb zerfressen und mit leckeren Flecken darauf. Kotz…….

Als eine unserer letzten Unternehmungen gehen wir von dort zur Piazza Michelangelo, die auf einem Hügel über der Stadt liegt und von wo man entsprechend einen tollen Blick über die Stadt hat, nämlich so:

flopano

Ein kurzer Zwischenstop noch beim Palazzo Horne. Horne war ein Brite, der im 19. Jhd. einen alten Palazzo aufgekauft und im Stil der Renaissance restauriert und ausgestattet hat. Sicher einer der interessantesten Palazzos.

Und dann ziehen wir zum Bahnhof, von wo es einen Direktbus zum Pisaer Flughafen gibt (70 Minuten Fahrt, 7,50 Euro pro Nase).

Eingecheckt, die übliche blöde Warterei am Flughafen und es geht wieder heim.

Fazit:

Florenz ist auf jeden Fall eine Reise wert. Auch Pisa und Sienna eignen sich für Ausflüge, beschäftigen kann man sich dort aber als Normaltourist nur ca. 3 Stunden, so das der Schwerpunkt auf Florenz liegen muss.

In Florenz kann man sich schon einige Tage beschäftigen, wobei man allerdings von den einzelnen Museen nicht zu viel erwarten darf. Dafür überzeugt die Stadt mit einem sehr schönen, geschlossenen alten Stadtbild und einer netten Athmosphäre. Touristennepp gibt es nicht, die Preise sind reell. Etwas nervtötend ist der Verkehr, gerade die stinkenden, lauten Mopeds nerven mit der Zeit. Aber alles in allem: 8 von 10 Punkten. Würden wir also durchaus empfehlen.

Ach ja, hier die versprochenen Nacktbilder:

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Was hattet Ihr denn erwartet?





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