Rückblick: Schottland 2003
Dieser Artikel wurde am 26. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Also: 2003 waren wir für 2 Wochen in Schottland. Einfach mal nicht soweit fliegen, dachten wir. Gemütlich durch Schottland bummeln, hier ein Schloss, dort eine Burg besichtigen. Und natürlich die Lochs - also die schottischen Seen, nicht was Ihr jetzt denkt.
Wir hatten zunächst 3 Tage in Edinburgh, bekanntermaßen die Hauptstadt von Schottland (inzwischen sogar mit eigenem Lokalparlament) gebucht.
Edinburgh wird natürlich - wie jeder weiß - nicht “Edinburg” ausgesprochen, sondern - fragt mich nicht, wieso - “Edinborough”, oder wie die Schotten sagen “Edinbra”.
Womit wir schon bei einer ersten Besonderheit von Schottland sind: dem schottischen Dialekt. Vergleichbar ist er vielleicht mit dem Bayerischen bei uns, also ziemlich unverständlich, gerade als Ausländer. Das Beste war, als ich einmal gefragt wurde, ob ich “Türing” würde. Wie, was? Türing? Wie kommt der denn darauf, dass ich aus Thüringen bin?
Naja, was er meinte, war, ob wir herumreisen, also “touring”. Die Schotten schaffen es nämlich als einziges britisches Volk ein “ü” zu sagen. Und zwar auch in Wörtern, wo überhaupt kein “ü” vorkommt.
Zurück nach Edinburgh, also Edinbra. Das ist eine wirklich schöne Stadt mit netten alten Gebäuden, einer tollen, großen Burg und einem Schloss, einem kleinen Hausberg, diversen Geschäften, Pubs und Museen.
Nur: so richtig spannend ist das vielleicht für einen Tag, vielleicht für zwei. Dann hatte man alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Danach mussten wir uns richtig anstrengen, was zu finden, was noch interessant war. Und da wir alles in allem am Anfang und Ende unserer Reise 4 Tage da waren, wurde es zum Schluss etwas langweilig.
Dazwischen machten wir dann so 10 Tage eine Rundreise durch Schottland, mit Mietwagen. Übernachtet haben wir in Hotels bzw. sog. “Guest Houses”.
Und hier fing der Ärger schon an. Wir wussten ja, dass der britische Standard bei Hotels etc. nicht unbedingt mit dem deutschen (und schon gar nicht mit dem amerikanischen) vergleichbar ist. Aber was wir an Unterkünften in Schottland hatten, war zum Teil schlicht katastrophal. Frage bei der Ankunft: “Möchten Sie ein Zimmer mit Aussicht oder eines mit Bad?”. Das wohlgemerkt in einem Best Western Hotel in einem bekannten Touristenort. Undenkbar war offenbar ein Zimmer mit Aussicht und mit Bad.
Nun wäre das nicht so tragisch gewesen, wenn wenigstens der Preis entsprechend niedrig gewesen wäre. Weit gefehlt: selbst in der miesesten Bude durfte man locker 50 Pfund (80 Euro) bezahlen. Mit viel Luft nach oben, versteht sich.
Einmal war ich ganz glücklich, als wir ein Zimmer für 35 Pfund bekamen - bis sich herausstellte, dass das pro Person gedacht war …..
Das Frühstück war regelmäßig das berüchtigte “Full English Breakfast”. Es gibt ja Leute auch außerhalb Großbritanniens, die das toll finden, aber ich muss sagen, dass ich wenig so widerlich finde, wie der Geruch nach schwarzgebrannten Würstchen, Bohnen, gekochten Tomaten etc. etc. am frühen Morgen.
Zumal man natürlich nicht einfach sein Frühstück zu jeder Zeit bekam. Nein, in aller Regel musste man abends angeben, zu welcher Zeit am nächsten Morgen man was essen wollte. Und zwar präzise, bitte!
Apropos schwarzgebrannt: Der Toast war auf der ganzen Reise - mit einer einzigen Ausnahme - jedes Mal schwarz. Wirklich schwarzgebrannt. Versteh ich nicht. Ein hochentwickeltes Volk wie die Briten schaffen es nicht, den Toast herauszunehmen, bevor er schwarz ist? Warum?
Das nächste, was richtig nervte, waren die Öffnungszeiten der Läden. Fast alle Läden machten spätestens um 17 Uhr zu. Und das nicht nur in den kleinen Orten auf dem Land, sondern auch in Großstädten.
Wir kamen zum Beispiel nach Inverness, eine recht große Stadt. Bei der Einfahrt in die Stadt sahen wir ein richtig großes Einkaufszentrum. Super, dachten wir, dann werden wir gegen Abend hier mal ausgiebig shoppen gehen. Tja, der letzte Laden macht aber in Inverness um 17:30 Uhr zu. Der letzte! Die anderen natürlich schon früher. Auch im Einkaufszentrum…..
Gesehen haben wir dann natürlich ausgiebig die schottische Landschaft. Die ist zum Teil recht schön, zum Teil aber auch recht fade. Besonders gilt das für die schon oben erwähnten Lochs, die Seen in Schottland. Wie z.B. Loch Ness. Kein Wunder, dass man extra ein Seemonster erfinden muss, denn ansonsten waren diese Lochs einfach nur öde. Klar, liegen sie ganz nett zwischen den Bergen. Aber das ist eben auch alles. Hat man ein Loch gesehen, kennt man alle….
Nächster Punkt: Bei der Reiseplanung hatte ich gesehen, dass ja überall Burgen, Schlösser und Ruinen waren, die man ansehen konnte. Super, hatte ich gedacht, Burgen und Schlösser, soweit das Auge reicht.
Nur: viel mehr ist auch sonst nicht da.
Ich muss auch sagen, dass ich mich für Burgen und Schlösser sehr interessiere und wir auch die schottische Geschichte gut kennen. Nur: wenn man NUR Burgen und Schlösser ansehen kann, so 2-3 pro Tag, hängen die einem bald zum Hals heraus. Ist leider so. Denn was Anderes gibt es kaum zum Anschauen. In unserer Verzweifelung haben wir sogar eine Whiskey-Brennerei besichtigt, nur um mal was Anderes zu sehen. Wir - eine Whiskey-Brennerei! Obwohl wir das Zeug nicht leiden können….
Insgesamt gesehen war der Urlaub daher eher mittelmäßig. Klar, hatten wir schöne Erlebnisse, die schottischen Pubs sind nicht zu verachten und wie gesagt - eigentlich interessieren wir uns auch für diese ganzen Burgen etc.
Nur irgendwie wurde es schnell langweilig. Von den miesen Zimmern für teures Geld, den schlechten Öffnungszeiten und dem miesen Service ganz zu schweigen.
Auf jeden Fall waren wir durchaus froh, dass dieser Urlaub vorbei war.
Und jetzt wollten wir nach England - na mal schauen, ob das besser wird….
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