Essengehen in den USA
Dieser Artikel wurde am 24. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
# Essen gehen ist in den USA sehr beliebt, gerade an den Wochenenden gibt es Schlangen vor den Restaurants. Deswegen wird man bei beliebteren Hotels/Motels mit angeschlossenem Restaurant schon mal gefragt, ob man denn für abends einen Tisch reservieren will.
Wenn Ihr warten müsst, wird man Euren Namen aufnehmen und Euch fragen, wieviele Personen ihr seid. Dann dürft Ihr (im schlechtesten Fall im Eingangsbereich, im besten Fall an der Bar) warten, bis ein Tisch in Eurer Größe frei wird. Da wird dann meist der Name und die Anzahl der Gäste gerufen, also “Jones, party of four” (Familie Jones mit insgesamt vier Gästen). Manchmal werden inzwischen sogar Pieper für diesen Zweck verteilt, über die ihr angepiept werdet.
# Meist wird man in den Restaurants platziert (”Please wait to be seated”).
Wenn man sich nicht sicher ist, ob man sich nun selbst einen Tisch aussuchen darf: einfach am Eingang warten. Man wird sich schon um Euch kümmern.
Setzt man sich einfach irgendwohin, werden die Bedienungen schnippisch und bedienen Euch im schlimmsten Fall einfach nicht. Im besten Fall kann es Euch passieren, dass Ihr, wenn Ihr Euch an einen Tisch gesetzt habt, mit dem Hinweis, dass Ihr warten müsst, Euch wieder am Eingang aufstellen dürft, um dann 3 Minuten später genau zum gleichen Tisch geleitet zu werden. Blöde!
Der Hintergrund ist wohl, dass man durch diese Art der Gästeplatzierung dafür sorgt, dass jede Kellnerin in etwa gleichviele Gäste abbekommt (schon wegen des Trinkgeldes!).
Diese Landessitte hat aber auch durchaus positive Seiten: So bekommst Du einen Tisch, auf dem sich nicht noch die Reste vom Vorgänger stapeln und die Kellnerin kann Euch auch nicht übersehen.
# Beim Essen empfehlen wir Euch immer die kleinste Portion, da die amerikanischen Portionen viel größer sind als in Deutschland. Bei Pizza Hut reicht uns z.B. eine Medium-Pizza - zusammen für uns beide und schon das ist viel.
# Bei Getränken gibt es oft kostenlosen Refill, d.h. man ordert ein Getränk und bekommt wenigstens drei mal wieder vollgefüllt ohne Zusatzkosten. Das gilt auf jeden Fall, wenn Ihr Euer Getränk selbst füllen dürft, d.h. Ihr bekommt einfach den Becher in die Hand gedrückt und bedient selber die Füllmaschine. In besseren Restaurants ordert man den Refill einfach bei der Serviererin. Ohnehin kommen die meist alle zwei Minuten vorbei und fragen, ob Ihr noch was wollt.
# Und noch was: Ihr habt mit 6 Personen wundervoll gespeist und fordert die Rechnung. Als die Kellnerin Euch die Rechnung überreicht, erklärt Ihr ihr, dass Ihr getrennt zahlen wollt, worauf der Kellnerin die Gesichtszüge entgleisen.
Kurz gesagt: getrenntes Zahlen ist in den USA unerwünscht. Das hat nichts damit zu tun, dass die Kellnerin vielleicht nicht besonders gut im Kopfrechnen ist. Das Problem ist vielmehr, dass ja auf alle Leistungen in den USA und damit auch auf das Essen die lokalen Steuern kommen. Kein Problem, wenn Ihr gemeinsam zahlt, da wird einfach von der Kasse für den Gesamtbetrag die Steuer draufgerechnet. Wenn Ihr getrennt zahlt, bedeutet das hingegen, dass die arme Kellnerin für jede einzelne Cola, für jedes einzelne Gericht erstmal die Steuer ausrechnen müsste. Und das macht natürlich wahnsinnig Arbeit. Wenn Ihr unbedingt getrennt zahlen wollt, solltet Ihr es daher der Kellnerin vor Eurer Bestellung klar machen. Oder Ihr rechnet mit der Karte bzw. der Rechnung in etwa Eure einzelnen Beträge aus und rundet diese nach oben auf (Trinkgeld!) und gebt dann der Kellnerin den Gesamtbetrag.
Wenn Ihr getrennt zahlen wollt, heißt das übrigens “to go (oder to pay) Dutch” - also “Holländisch” bezahlen -fragt mich nicht warum.
# Überhaupt zur Rechnung: Im Gegensatz zu Deutschland, wo man die Rechnung gesondert verlangen muss, wird sie in den USA automatisch zum Ende des Essens hingelegt. Von vielen Deutschen wird dies als unhöflich angesehen, so nach dem Motto: “Jetzt geht endlich mal”. So ist es nicht gemeint. Auch in den USA kann man natürlich in Ruhe aufessen und dann in Ruhe gehen. Und das System kann auch sehr von Vorteil sein, wenn man es eilig hat.
# Gezahlt wird übrigens zumeist an der Ausgangstür. D.h. man bekommt von der Kellnerin die Rechnung, lässt für sie ein Trinkgeld auf dem Tisch liegen und bezahlt am Ausgang die Rechnung.
# Alkohol gibt es nicht immer in den Restaurants. Abgesehen, dass es teilweise Counties (”Landkreise”) gibt, wo überhaupt kein Alkohol verkauft wird, sogenannte “dry counties”, kann auch nicht einfach ein Restaurant einfach so Alkohol ausschenken. Dafür braucht es eine Genehmigung. Wenn Ihr also ein Restaurant mit der Werbung “fully licensed” seht - da gibt es was zu Saufen.
# Überhaupt wird in den USA wesentlich strenger unterschieden zwischen “essengehen-Restaurants” und “einen-trinken-gehen-Bars”. Es ist also nicht so wie in Deutschland, wo man erst gemütlich speist und anschließend noch eine Stunde sitzen bleibt, um noch einen Rotwein zu köpfen. Sondern man geht erst essen in einem Restaurant und wechselt dann in eine Bar zum Trinken.
# Übrigens: das englische Wort “menu” bedeutet nicht Menü, sondern (Speise)Karte. Wenn Euch also die Kellnerin fragt, ob Ihr die “wine menu” wollt, will sie Euch nicht ein Menü mit Wein aufdrängen, sondern Euch die Weinkarte geben.
# Und wenn ihr gespeist habt und doch noch einiges übrig blieb: In den USA ist es vollkommen üblich, dass man Euch die Sachen zum Mitnehmen auf Wunsch einpackt. Meistens wird man da schon von der Kellnerin gefragt, ob das eingepackt werden soll.
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