Es wird der Adobe Flash Player benötigt und im Browser muss Javascript aktiviert sein..


Achter Tag

Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.

Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:

(Bryce - Kodachrome State Park - Cottonwood Canyon Road - beinahe Sidestep Canyon - Pink Sand Dunes State Park - Kanab)

29.04.2004

Die Wettervorhersage hat sich nicht bewahrheitet - es hat in der Nacht nicht geschneit. Allerdings ist es immer noch windig und kalt. Irgendwie nicht das Wetter, das wir uns vorgestellt hatten. Insofern ist meine Laune gedrückt.

Zunächst mal gehen wir frühstücken in dem ans Motel angeschlossenen Restaurant. Als wir uns hinsetzen, bringt uns die Besitzerin die Karte. Moment mal, ist Frühstück nicht in den Zimmerpreis eingeschlossen? Naja, wenn ich es mir recht überlege, hatte ich nur gefragt, wo das Frühstück serviert würde, nicht ob es eingeschlossen ist. Und offenbar ist es nicht eingeschlossen. Man lernt immer dazu…

Wir bestellen uns ein Continental Breakfast und einmal Pfannkuchen. Was sie uns bringt, ist dann okay. Allerdings relativiert sich natürlich so der Preis der Cabin doch erheblich.
Insofern unsere Abschlussbewertung für Harold`s Place: Wer sowieso regelmäßig frühstücken geht, für den ist dieses Motel durchaus gut. Wie gesagt, die Cabins sind nett. Die anderen sollten aufs Frühstück hier verzichten, dann ist es auch günstig.

Was sollen wir heute machen? Der Bryce Canyon, den wir noch mal besuchen wollten, liegt sehr hoch. So ziemlich genau an der Abbruchkante der Hochebene, über die der Wind hinwegpfeift. Das hat heute wenig Sinn.
Allerdings - so mein Gedanke - der nicht weit entfernt liegende Kodachrome State Park müsste deutlich tiefer liegen, vielleicht sogar im Windschatten. Und dann würden wir den heute besuchen, anschließend die Cottonwood Canyon Road (CCR) ins Bereich des südlichen Grand Staircase fahren, dort noch ein oder zwei der bisher von uns nicht besuchten Naturschönheiten anschauen und dann über die CCR wieder zurück. Am Abend würden wir wieder im Bryce sein und hoffentlich würde sich bis dahin das Wetter gebessert haben.

Gesagt, getan. Und tatsächlich bewahrheitet sich meine Vorhersage. Der Kodachrome State Park liegt tatsächlich tiefer und ziemlich im Windschatten - entsprechend ist es hier deutlich wärmer.
Bei der Parkeinfahrt dürfe wir in einem Umschlag 5 Dollar Eintrittsgeld hinterlegen. Machen wir natürlich. Im Park selber suchen wir erst mal den Shop auf, wo ich die Besitzerin nach den Aussichten für die CCR befrage.
Ist die Straße passierbar? Jawohl, in den letzten Tagen war sie unproblematisch befahrbar.
Und bleibt sie auch auf? Wohl schon, am Nachmittag soll es zwar Niederschläge geben, aber im Wesentlichen hier oben, nicht im Verlauf der CCR.

Dazu muss man wissen, dass die CCR, die eine Abkürzung vom südlichen Grand Staircase zum Bryce Canyon bildet, eine Gravel Road ist. Bzw. keine richtige Gravel Road, denn Gravel bedeutet ja Kies bzw. Schotter, sondern teilweise auf Lehm aufbaut. Ist es trocken, ist das unproblematisch zu befahren, ist es nass, wird der Untergrund wie Schmierseife und - im schlimmsten Fall - grundlos. Absolut unbefahrbar. Versucht man dann die Straße zu befahren, kann es durchaus vorkommen, das man feststeckt und weder vor noch zurück kommt, bis die Straße wieder trocken ist.

Wir sehen uns angesichts dieser guten Vorhersage erstmal den Kodachrome State Park an, wo es eine ganze Reihe merkwürdiger Felsformationen gibt. Das Ganze in ein Tal eingebettet. Durchaus lohnend, zumal - wie gesagt - der Bryce Canyon, zu dem die meisten ja ohnehin fahren, nur wenige Meilen entfernt ist. Dabei weitgehend unbekannt - auch wir sind zum ersten Mal hier, obwohl wir schon mehrfach in der Gegend waren - so dass es praktisch leer ist.

Hier ist ein Foto (die restlichen Fotos sind wegen dem bedeckten Wetter nicht besonders geworden):

erstes

Aber gedanklich sind wir nicht bei der Sache. Niederschläge am Nachmittag? Okay, sollen nur hier im Norden sein. Aber was, wenn die Vorhersage falsch ist und es auch auf der CCR regnet? Wir haben beide ein mulmiges Gefühl. Klar, Wasser und Lebensmittel haben wir genug dabei, der Wagen ist bis obenhin vollgetankt. Damit können wir zur Not an der CCR mehrere Tage überstehen. Aber darauf ankommen lassen müssen wir es nicht.

Da wir uns gedanklich also ohnehin nicht auf den Park konzentrieren können, entscheiden wir uns schon nach kurzer Zeit, sofort die CCR zu befahren - ggfs. kommen wir abends noch mal in den Kodachrome….

Los geht`s. Die Cottonwood Canyon Road beginnt ja direkt am Kodachrome State Park, so dass wir schon nach 5 Minuten an der Einfahrt sind. Großes Schild: “Impassable, when wet!” (Unpassierbar, wenn nass).

Es ist immer schwer, die Fahrt auf einer Straße zu beschreiben. Daher mache ich es relativ kurz und lasse weiter unten die Bilder für sich sprechen.

zweites1

drittes

viertes

Die CCR war absolut unproblematisch zu befahren. Ganz am nördlichen Anfang fährt man durch einen kleinen Fluss auf einer Furt. Kein Problem, das Wasser ist normalerweise nur wenige Zentimer hoch. Die weitere Strecke war der Untergrund gut. Einziges Manko: Der trockene Lehm, der teilweise (nicht immer) den Untergrund bildet, ist sehr eben und damit relativ glatt. Deutlich glatter als Asphalt. Also: nicht zu schnell fahren.
Es gibt ein paar wenige Stellen, die etwas holpriger sind, aber alles in allem gut zu befahren.

Und wir sind auch keineswegs allein. In den ca. 2 1/2 Stunden kommen uns mindestens 15 Wagen entgegen, vor und hinter uns sind auch gelegentlich Fahrzeuge zu sehen. Ist ja mehr Verkehr als auf manchem Highway, den wir schon gefahren sind…. Übrigens auch viele mit normalen Pkws, die hier auch keine Probleme haben. Insgesamt würde ich die CCR - wenn sie trocken ist! - als sehr gut befahrbar einstufen. Gerade auch im Vergleich mit anderen Gravel Roads.

Zwischendrin besuchen wir noch Grosvenor Arch, also einen Felsbogen (Zufahrt ausgeschildert und unproblematisch, nur 1-2 Meilen von der Hauptstrecke). Eigentlich sind wir keine besonderen Fans von Arches, sehen nach unserer Meinung alle ziemlich gleich aus, aber der ist tatsächlich durch seine Form etwas Besonderes.

Die CCR ist eine sehr schöne Strecke. Immer wieder neue Fels-Formationen in unterschiedlichsten Farben, durch die man fährt, daneben stehen die grünen Cottonwood Bäume.

Insgesamt-Eindruck: sehr gut, wirklich zu empfehlen. Ist auch eine sehr gute Abkürzung, wenn man von Page zum Bryce will. Aber: Auf`s Wetter achten.

Das Wetter ist übrigens recht warm geworden, hier unten windet es nur wenig, aber der Himmel ist mit dichten Wolken bedeckt, aus denen nur selten die Sonne herauskommt.

Im letzten Drittel der Strecke gibt es ein paar Regentropfen. Schreck! Aber es bleiben nur wenige. Die Straße ist damit unproblematisch weiter zu befahren.

Gegen Ende der Strecke überlegen wir, was wir jetzt hier im Süden machen wollen. Es bietet sich das White Valley und der Sidestep Canyon an. Gerade den Sidestep Canyon möchte ich unbedingt sehen. Hat Steffen sich doch auf seiner Seite in Lobpreisungen geradezu überschlagen.

Beide nicht weit entfernt gelegen. Den Sidestep Canyon kann man auch am leichtesten vom südlichen Ende der CCR erreichen, also wo wir gerade sind. Trifft sich also sehr gut.

Los geht`s. Wir suchen uns die Einfahrt der Straße BLM 831, die tatsächlich auch wenige Meilen vor dem Südende der CCR nach Osten abzweigt. Steffens Beschreibung ist einfach: Auf der 831 ca. 8 Meilen, dann kommt ein Abzweig nach rechts, da noch eine Meile, und schon ist man da. Man braucht zwar für diese Strecke einen Geländewagen, aber den haben wir ja.

Wir biegen auf die 831, die auf den ersten Meilen noch unproblematisch ist. Aber dann: Nach ca. 4 Meilen ein Schild “End BLM 831″. Die trifft hier im spitzen Winkel auf die 830. Was nun? Die 830 kann es nicht sein, sonst hätte Steffen es geschrieben. Vom Ende der 831 geht aber noch eine Fahrtspur weiter geradeaus. Also wohl da lang.

Hier wird die Straße nun deutlich ruppiger. Ziemlich bald gabelt sich die Straße. Links oder rechts? Ich nehme mal links. Es stellt sich aber heraus, dass es egal ist, denn 300 Meter treffen sich die beiden Straßen wieder.

Wenn ich mich recht erinnere, kommen neben diverser “harter” Stellen, wo man durchgeschüttelt wird, dann noch zwei recht tiefe Washes, die man durchqueren muss. Das wäre wirklich nichts mit einem normalen Pkw. Ich fahre hier zum ersten Mal so richtig Gelände. Aber der Wagen zieht sehr gut. Ein Tip aufs Gaspedal und schon ist man durch.

Nach ca. 6 Meilen taucht ein neues Problem auf. Erst geht links, dann rechts eine Fahrtspur ab. Die hat Steffen nicht beschrieben. Sind wir überhaupt richtig?
Und nun? Wir bleiben geradeaus, folgen also der Hauptstrecke. Man fährt hier über eine Art Hochebene ziemlich genau Richtung Osten, rechts von uns nur wenige Meilen entfernt müsste der Highway 89 parallel verlaufen.

Und tatsächlich: nach 8 Meilen geht rechts ein Abzweig ab. So von der Lage her, könnten wir hier durchaus richtig sein.

Dieser Abzweig ist allerdings auf den ersten 200 Metern extrem ruppig. Da möchte ich nicht unbedingt drüber fahren. Selbst mit Geländewagen. (Später - nach einigen Geländetouren - hätte ich es mich wohl getraut).

Aber was soll`s. Ist ja nur noch eine Meile, wenn wir richtig sind. Lassen wir den Wagen doch stehen und machen den Rest zu Fuß.

Aber: als wir uns fertig machen, werfen wir mal einen Blick nach Westen. Da kommt zügig eine dichte Wolkenwand heran, deutlich ist zu sehen, dass es an einigen Stellen heftig regnet. Moment mal, hier sollten doch keine Niederschläge ….

Und das war das Ende unserer Sidestep-Unternehmung. Denn im strömenden Regen über eine Hochebene laufen, wobei wir noch nicht mal wussten, ob wir wirklich richtig waren - nein, danke! Außerdem bestünde die Gefahr, dass bei Regen die gerade überquerten Washes volllaufen und/oder unpassierbar werden. Kann ich mir sparen, hier eine Nacht zu verbringen.

Verdammter Mist. Aber es hilft nichts - wir müssen zurück.

(Übrigens scheinen wir hier richtig gewesen zu sein. Nach dem Urlaub habe ich von Steffen noch einmal eine Karte des Weges bekommen. Und die stimmt - soweit ich das beurteilen kann - mit unserer Fahrt überein.)

Recht zügig erreichen wir wieder die CCR. Hier regnet es noch nicht, aber als wir den Highway 89 erreichen, fängt es nach kurzer Zeit an, wie aus Kübeln zu schütten. Ein richtiger Wolkenbruch. Gute Entscheidung!

So sah es inzwischen wettermäßig aus.

schild

Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Diese verdammte Kaltfront macht alle Pläne zunichte. Die CCR nach Norden zum Bryce zu fahren, können wir vergessen. Unsere sonstigen Unternehmungen im Grand Staircase dürften wesentlich erschwert, wenn nicht unmöglich geworden sein.

Wie geht es weiter? Bei der Rangerstation in Big Water - die hat gerade noch auf - erkundige ich mich nach dem Wetter für morgen. Die Kaltfront soll dann durch sein, zumindest dürfte es keine Niederschläge mehr geben.
Ich überlege, ob wir nicht die Nacht in Page verbringen und dann einfach Richtung Osten weiterfahren, Monument Valley oder so. Aber die Aussicht, eine Nacht in Page zu verbringen begeistert mich nicht. So spannend ist es da nicht.
Insofern entscheiden wir uns dafür, über Kanab zum Bryce zu fahren, in der Hoffnung, dass wir dadurch die Niederschläge durchqueren und auf der “anderen” Seite dann wieder gutes Wetter vorzufinden.

Wir fahren (mal wieder) über die 89 nach Kanab. Der Regen hat aufgehört und Sonne kommt raus. Allerdings ist es sehr windig und kalt.
Wie wir hinter Kanab in Richtung Bryce unterwegs sind, fällt mein Blick im Vorbeifahren auf ein Schild zum Pink Sand Dunes State Park. Hatte nicht Reinhold auf seiner Seite davon geschwärmt? Lass uns hinfahren.

Und tatsächlich war das eine gute Idee. Die Fahrt zum State Park zieht sich zwar etwas. Aber der Park an sich ist echt schön. Es sind tatsächlich Sanddünen in einem schrillen Pink, die sich malerisch vor einer Bergkette aufbauen.

Wir haben auch in zweierlei Hinsicht Glück. Einmal, dass die Sonne sehr tief steht und wir deshalb traumhafte Bilder machen können. Und außerdem, dass zu dieser Stunde keine von diesen kleinen Offroad-Geländefahrzeugen hier mehr rumfährt. Das darf man hier nämlich. Und wenn das zuviele werden, kann das doch ganz schön stören.

Pech haben wir aber mit dem Wetter. Es ist nämlich extrem windig und dadurch kalt. Mit all unseren Klamotten angezogen, geht es aber einigermaßen.

Und hier sind die Bilder:

lastthree1

lastthree2

lastthree3

Dieses doch sehr schöne Erlebnis versöhnt mich nun doch etwas mit dem Tag.

Wir haben eigentlich keine Lust mehr, noch bis zum Bryce weiterzufahren und übernachten daher in Kanab. Im ganz guten, wenn auch etwas in die Jahre gekommenen Shilo Inn kostet das Zimmer 59 $ + tax.
Der relativ hohe Preis erklärt sich aus zwei größeren Veranstaltungen im Ort. Zum Einen fährt hier gerade eine Auto-Rallye (Corvettes) durch.
Und zum Anderen treffen sich hier die nächsten Tage 400 Windhunde + den Herrchen/Frauchen. Der Hintergrund: Es gibt ja in den USA viele Windhundrennen. Dafür braucht man natürlich Windhunde. Werden diese Windhunde nun älter und damit langsamer, bedanken sich ihre Besitzer bei ihnen für die bisherigen Leistungen, indem sie töten lassen. Ein unnützer Fresser weniger. Nett, oder?

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Menschen ganz schön scheiße sind??

Und da gibt es dann andere Menschen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, diese Tiere vor dem Schlachten zu retten und ihnen ein Zuhause zu geben. Und die treffen sich dann hier zum geselligen Beisammensein. Ein Tagesordnungspunkt: “Singen mit den Hunden”…

Wir sehen noch einen unserer Lieblingsfilme im Fernsehen: “Notting Hill” (der mit Hugh Grant und Julia Roberts). Den können wir ja fast mitsprechen. Und deswegen fällt uns folgender kleine Unterschied auf. Im englischen Original sagt die Figur des Spike einmal “you daft prick” - zu deutsch “Du blöder Schwanz”.
In der Amerika-Version sagt er hier plötzlich “you stupid bloke” - also “Du Dummkopf”. Anscheinend ist der “Schwanz” so schweinisch, dass man das nicht in Amerika ausstrahlen darf.
Was uns nicht klar ist: Werden dann gleich zwei unterschiedliche Versionen gedreht oder wird das später nachsynchronisiert?





Hinterlasse einen Kommentar zu diesem Artikel, oder stelle eine Frage dazu.

Einen Kommentar schreiben