Die dritte und letzte Woche
Dieser Artikel wurde am 22. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Artikel ist wie folgt unterteilt:
21.09.2002 Bodie State Historical Park - “loneliest highway” I-50 - Ely
Am nächsten Morgen fahren wir von Carson City ca. 2 Stunden zur Geisterstadt Bodie, die heute ein State Historical Park ist. Wir waren da schon bei unserer ersten Reise (s. also auch dort) und es hat uns so gut gefallen, dass wir es unbedingt wiedersehen wollten. Dieses Mal ist allerdings wegen Wochenende erheblich mehr los, an die hundert Fahrzeuge stehen auf dem Parkplatz (das letzte Mal waren es vielleicht fünf). Aber die Besucher verlaufen sich schnell in der doch recht großen Geisterstadt und auch diesmal gefällt uns diese Attraktion besonders gut.
Die Hautpstraße von Bodie
Gegen Mittag fahren wir weiter. Heute steht die Etappe durch die (Halb)Wüste Nevadas an, um die doch erhebliche Distanz zum Colorado-Plateau zu überwinden. Also im Wesentlichen ein Fahrtag, wir wollen bis Ely an der Ostgrenze Nevadas kommen. Dabei wollen wir den “loneliest highway” - den einsamsten Highway der USA, die Interstate 50 benutzen.
Diese erreichen wir auch über die auch schon sehr einsamen Straßen 167 und 361. Die Interstate 50 ist hingegen gar nicht so schlecht befahren, wir passieren schätzungsweise 10 Fahrzeuge pro Stunde (nach deutschen Verhältnissen natürlich immer noch verschwindend gering). Die 50 fährt sich sehr gut, die Landschaft besteht aus vielen kleine Becken, dazwischen immer wieder größere Hügelzüge, die überquert werden wollen- die typische Great Basin-Landschaft.
Langweilig wird uns das nicht. Einmal mögen wir einfach diese einsamen Landschaften, und außerdem haben wir uns auf CDs ein gesprochenes Buch mitgenommen, das wir nun hören.
Der “loneliest highway”
Die Fahrt an sich verläuft reibungslos, ab und zu halten wir an und genießen die Landschaft und die Stille. Gegen 19:00 Uhr sind wir in Ely, einem durchaus größeren Städtchen.
Auch da ist wegen des Wochenendes und der Rallye eines Automobilvereins relativ viel los, wir bekommen aber ohne Probleme ein schönes Zimmer in einem Holiday Inn für 67 Dollar + tax. Natürlich gibt es auch in Ely wie überall sonst in Nevada eine ganze Reihe Casinos. Auch im Motel gibt es eine ganze Reihe von Geldspielautomaten (slot machines). Wir lassen uns Münzen für 10 Dollar geben und spielen damit an den Automaten. Größere Erfolge bleiben aber aus, so dass schon nach einer Viertelstunde das Geld weg ist. Dann eben nicht!
22.09.2002 Great Basin National Park - über die Utah 12 zum Capitol Reef NP
Am nächsten Morgen brauchen wir ca. 1 Stunde zum Great Basin National Park, einem selbst bei regelmäßigen USA-Fahrern wegen seiner scheinbar abgelegenen Lage wenig bekannter Park. Zu Unrecht, wie wir feststellen.
(Kleiner Hinweis: Der Name Great Basin ist für diesen Park wenig sinnvoll gewählt, da man suggeriert, dass es hier um die Landschaft des Great Basin, einem Tausende von Quadratkilometern großen Bereich von vielen kleinen Becken in Nevada, Utah und Idaho, ginge. Tatsächlich hat der Park damit überhaupt nichts zu tun, liegt halt einfach nur in diesem Bereich. Sinnvoller wäre die Bezeichnung “Wheeler Peak NP” nach dem Berg, auf dem der Park größtenteils liegt).
Auf dem Hinweg passieren wir unmittelbar vor dem Park den Ort Baker, der allerdings nicht viel aufweist, nur 1 oder 2 wenig vertrauenserweckende Motels, und fast wie eine Geisterstadt wirkt (da muss man wohl nicht übernachten).
Die Straße zum Park ist aber lustig. Irgendein witziger Rancher hat die Zäune und Zaunpfähle an der Straße mit diversen Kunstwerken verziert, z.B. eine Toilette oder ein mit diversen Brillen geschmücktes Tor. Auf einer Böschung liegt ein “Grab” eines Cowoboys, aus dem noch die (Plastik)Beine ragen. Aufschrift des Grabsteins “Too tall pony” (zu großes Pony).
Der Park an sich besteht aus zwei wesentlichen Attraktionen, einmal der Lehmann-Tropfstein-Höhle, die man mit geführten Touren besuchen kann. Da wir aber nun genug solche Höhlen kennen, sparen wir uns das. Uns interessieren hingegen die hiesigen Bristlecone-Pines (Borstenzapfenkiefern), die auf dem hiesigen Berg Wheeler Peak wachsen. Diese Bäume sind dank ihrer cleveren Überlebensstrategie die ältesten Lebewesen der Welt, einige von ihnen werden auf ca. 5.000 Jahre geschätzt. Sie bleiben relativ klein (maximal 3-4 Meter) und wachsen kaum merklich. Aber sie haben an der Baumgrenze ihre ökologische Nische gefunden, die sie erfolgreich besetzen.
Um die Bäume zu sehen, fährt man über den Scenic Drive die Berge hinauf (offen nur von ca. Mitte Juni bis Mitte Oktober wegen Schneefällen). Die letzten 2 Kilometer kann man dann auf dem hübschen Bristlecone-Trail erwandern, was wir auch tun. Am Ende dieses Trails gibt es einen kleinen Interpretative Trail, auf dem mal alles über diese uralten Bäume erfährt. Interessant und mit tollen Ausblicken auf die umliegende Berglandschaft. Und wenn man nach unten sieht, kann man dort die Wüstenlandschaft am Fuße der Berge ansehen. Wir gehen am Ende des Bristlecone-Trails auf einem anderen Trail noch ein paar Meter weiter, bis wir einen Gletscher sehen können, den südlichsten Gletscher der USA (allerdings sehr klein).
Die Bristlecones - klein, aber oho!
Ausblick am Weg
Zurück gehen wir auf einem Loop-Trail, dem Alpine Lakes Loop Trail, der an zwei recht hübschen Bergseen vorbeiführt und teilweise über Lichtungen im Wald läuft. Der Wald ist hier ohnehin wunderschön, knallig goldgelbe Espen werden vom Wind zum Zittern gebracht (das sieht tatsächlich wie Zittern aus, daher auch der Ausspruch “Zittern wie Espenlaub”). Wirklich wunderschön, auch ein Rudel Pronghorn-Antilopen springt vorbei (die springen wirklich wie Gummibälle!).
Gegen 14:00 Uhr verlassen wir den Park wieder, den wir durchaus empfehlen können. Mal etwas ganz Anderes. Auch der Weg zum Colorado-Plateau ist nicht allzu weit. Über die recht einsame Straße21 erreicht man in ca. 3 Stunden den Bryce Canyon.
Dieser Strecke 21 folgen wir auch und fahren gegen 17:00 Uhr am Bryce Canyon vorbei. Den haben wir schon zweimal gesehen, so dass wir gleich weiterfahren auf unsere Lieblingsstrecke, die Utah 12 durch das Escalante National Monument zum Capitol Reef National Park. Unsere Hoffnung angesichts unserer Erfahrungen im Great Basin: auch in den höheren Lagen der Utah 12, dem Dixie National Forest, die Espen so golden zu sehen. Bisher hatten wir die Bäumen nämlich immer nur ohne Laub gesehen.
Wir fahren dann die Utah 12, und genießen die spektakulären Ausblicke, insbesondere zwischen Escalante und Boulder. Einfach schön.
In Boulder, das wir bei einbrechender Dunkelheit erreichen, versuchen wir ein Zimmer in der Boulder Mountain Lodge zu bekommen, aber der hohe Preis von 99 Dollar + tax für ein Zimmer einer Suite ersparen wir uns.
Na ja, fahren wir einfach nach Torrey weiter, da gibt es mehrere Motels. Als wir die Höhenlagen des Dixie National Forest durchqueren ist es schon dunkel, so dass wir von möglichen goldgelben Espen nichts sehen können. In Torrey kommen wir im uns bekannten und durchaus empfehlenswerten Holiday Inn Express unter, wo wir für 72 Dollar + tax unterkommen.
Wir sehen erstmal CNN, in der Hoffnung, die Ergebnisse der Bundestagswahl zu erfahren. Nichts, absolut nichts. Ich darf dann netterweise kostenlos den Internetanschluss bei der Rezeption benutzen, so bekommen wir auch diese Ergebnisse.
23.09.2002 Capitol Reef NP - Goblin Valley SP - Moab - Dead Horse Point SP
Am nächsten Morgen fahren wir zunächst noch mal auf die Berge, in der Hoffnung auf goldgelbe Espen. Leider werden wir enttäuscht, nur einzelne Bäume sind gelb, der Hauptteil noch grün. Schade.
Im Capitol Reef National Park laufen wir diesmal (wir waren ja schon zweimal da) den Old Wagon Trail, der vom Scenic Drive abgeht. Dafür benötigen wir insgesamt ca. zweieinhalb Stunden. Der Weg an sich ist nichts Besonderes, führt aber auf den Hügelrücken gegenüber der Waterpocket Fold, dem wesentlichen Element des Capitol Reef NP, auf die man entsprechend schöne Blicke hat.
(Wer nicht den ganzen Trail gehen will, kann folgende Abkürzung in Betracht ziehen, die zu einem sehr schönen Aussichtspunkt führt: Man geht den Trail vom Parkplatz aus, bis der Weg sich gabelt. Anstatt nun den Loop wie angegeben nach links zu gehen, geht man nach rechts. Nach etwa einem halben (?) Kilometer kann man dann auf einen kleineren Hügelrücken kommen, von dem man einen sehr schönen Ausblick auf die Waterpocket Fold hat. Und den gleichen Weg dann zurück. Der Rest vom Trail bringt nichts Neues.)
Die Waterpocket Fold
Vom Capitol Reef fahren wir dann gegen Mittag in Richtung Moab, wobei wir am Goblin Valley State Park anhalten. Der Weg zum “Tal der Kobolde” (goblin = Kobold) ist inzwischen auch asphaltiert und damit unproblematisch. Unser Eintrittsgeld (5 Dollar) müssen wir in einem Umschlag hinterlegen (es empfiehlt sich, bei der Einfahrt in State Parks immer kleinere Scheine dabei zu haben, da man oftmals das Geld in einem Umschlag hinterlegen muss und entsprechend natürlich nicht herausgegeben wird).
Das Goblin Valley ist nach seinen bizarren Erosionsformen benannt, die an Koboldfiguren erinnern. Durch dieses Tal, in dem übrigens vor kurzem die Weltraum-Komödie “Galaxy Quest” gedreht wurde, kann man dann durchlaufen und sich an den Figuren erfreuen. Da wir uns in der Mittagszeit bewegen, ist es übrigens ganz schön heiß. Kleiner Hinweis: Nicht zu früh umkehren, am Ende des ersten Tals kommt noch ein zweites!
Das Goblin Valley

(und tatsächlich ist ein Kobold bei genauem Hinsehen erkennbar!)
Vom Goblin Valley fahren wir dann Moab, wo wir im wirklich sehr schönen Castle Rock Inn (Riesen-Zimmer) für 65 Dollar + tax unterkommen. Von dort fahren wir zum Dead Horse Point State Park, der beim letzten Mal leider etwas kurz gekommen ist. Hier kostet der Eintritt noch mal 7 Dollar (wobei mir beim besten Willen nicht erklärlich ist, warum man diesen State Park nicht kurzerhand mit dem danebenliegenden Canyonlands National Park vereinigt). Das Visitor Center ist zwar neu, aber wenig interessant. Wir fahren daher zum Aussichtspunkt, wo wir die Aussicht genießen und ein bisschen herumlaufen (wesentlich mehr kann man da auch nicht machen).
Ausblick vom Dead Horse Point
Zurück in Moab bummeln wir ein bisschen durch den Ort, wobei uns der für amerikanische Verhältnisse gut sortierte Buchladen “Back of Beyond” besonders gefällt. Eine Pizza gibt es dann bei Pizza-Hut.
24.09.2002 Moab - Rock Art Tour - Canyonlands NP - Grand Junction
Für den nächsten Morgen haben wir eine sog. “Rock Art Tour” bei dem Tourenveranstalter Canyon Voyages gebucht. Das kostet für eine Halbtagstour 50 Dollar p.P., was zwar recht viel klingt, aber im Rückblick angemessen war.
(Eigentlich wollten wir gerne mal raften, und zwar richtig mit Stromschnellen und so. Auf meine entsprechenden Anfragen per Internet hatte ich jedoch zu diesem Termin wegen der Nachsaison die Information erhalten, dass es keine Rafting-Touren mehr gebe. Vor Ort haben wir dann erfahren, dass es doch praktisch jeden Tag noch solche Touren gab. Nur ist es in der Nachsaison so, dass kein Veranstalter mehr solche Touren garantiert, sondern halt schaut, wieviele Leute zusammenkommen und sich, wenn es zuwenige für eine eigene Tour sind, mit anderen Veranstaltern kurzfristig zusammenschließt. Das hätte man uns eigentlich auch im Internet erzählen können. Schade, denn wir wären wirklich gerne raften gegangen. Aber die Rock Art Tour war auch schön.)
Die Rock Art Tour, die wohl auch nur von diesem Veranstalter angeboten wird, führt die Teilnehmer zu präkolumbischen Felszeichungen (pictografs) bzw. Felsritzungen (petroglyphs) in einem Nebental von Moab. Den genauen Ort verrate ich hier nicht. Einmal wüsste ich nicht mal, ob ich ihn ohne Führer wiederfinden würde und außerdem findet man die Zeichnungen nur, wenn man weiss, wo man suchen muss. Zum Teil kann man sie nur mit einem Fernglas sehen.
Unsere Führerin ist eine ehemalige Deutsche namens Bruni, die seit 30 Jahren in Amerika lebt. Sie hat uns sehr gut geführt und uns vor allem viel über Moab und die (Umwelt)Probleme vor Ort, die Sorgen der Bevölkerung wegen des massiven Ausbau des Ortes mit Ferienhäusern, die Vegetation, die Tierwelt etc. erzählen können.
Durch dieses Tal führt ein kleiner Fluß, der von den Bergen runterkommt und an dessen Wasserlauf sich trotz der Trockenheit ringsherum teilweise richtig urwaldähnliches Buschwerk breitmacht. Bruni erzählt uns, dass dieses Tal auch von Schwarzbären oder Berglöwen benutzt wird, wenn sie mal von den Bergen absteigen. Gerade im Augenblick gibt es dieses Problem, da es dieses Jahr in der Umgebung von Moab überhaupt keinen Winter mit Schnee und damit zuwenig Wasser gibt. Das führt dazu, dass die Beutetiere der Raubtiere auf der Suche nach Wasser ins Tal absteigen und ihnen die Raubtiere folgen. Tatsächlich finden wir schon am Anfang des Trails recht frische Bären-Pfotenabdrücke, was Bruni etwas nervös macht. Normalerweise legen sich Schwarzbären nicht mit Menschen an und verdrücken sich rechtzeitig, aber man weiss ja nie. Auf der Tour haben wir dann aber nichts Bedrohliches gesehen.
Bruni führt uns dann durch dieses sehr schöne Tal und zeigt uns die verschiedenen Felsbilder der Indianer. Sie erklärt uns, wie man solche Felsbilder interpretiert und zeitlich zuordnen kann (nämlich an den unterschiedlichen Motiven und ihrer Farbe).
Petroglyphs
Ich dachte immer, dass Moab praktisch in der Wüste liegt. Aber in diesem Seitental findet sich ein richtiges ökologisches Paradies. Sogar Biber leben hier und haben an verschiedenen Stellen mittels ihrer scharfen Zähne Bäume gefällt und den Fluss aufgestaut. Bruni erzählt auch, dass Biber sehr aggressiv werden können, wenn man sie angreift. Mehrfach haben Hunde von Spaziergängern, die hier einen Biber angegriffen haben, übele Erfahrungen mit dessen Zähnen gemacht und wurden regelrecht aufgeschlitzt. Aber bei uns zeigt sich auch kein Biber.
Insgesamt sind wir fast vier Stunden in dem Tal unterwegs, trotz der Hitze ist es sehr interessant.
Am Nachmittag fahren wir dann nochmal zum Island-in-the-Sky-District des Canyonlands National Park. Das hat uns beim letzten Mal so gut gefallen, dass wir es nochmal machen wollen.
Diesmal fahren wir zu verschiedenen Aussichtspunkten entlang der Straße, u.a. zum Mesa Arch. Das ist ein Felsbogen, der sich ausgesprochen pittoresk direkt am Plateaurand erhebt und durch den hindurch man die unten liegenden Canyons fotografieren kann. Allerdings bedeutet das auch selbst zu unserem späten Reisetermin einen erheblichen Andrang von fotografierenden Touristen. Da der Bogen auch relativ klein ist, vielleicht 8 Meter breit, muss man regelrecht warten und sich mit den anderen Touristen abstimmen, wann gerade keiner im Bild ist und man ihn fotografieren kann. Das nervt schon etwas.
Der Mesa Arch
Von dort fahren wir zum Grand View Point, von dem man einen super Blick auf die Canyons hat.
Der Ausblick vom Grand View Point
Danach fahren wir noch die Seitenstrecke zum Upheaval Dome. Der Green River Overlook ist leider wegen Straßenarbeiten geschlossen. Der Upheaval Dome an sich am Ende der Straße ist ein großer Krater, der entweder von einem Meteoriteneinschlag oder von einem ausgewaschenen und zusammengebrochenen Salzdom stammt. Man kann hierzu ein paar hundert Meter bis zu einem Übersichtspunkt hochsteigen. Das ist nicht uninteressant, aber auch nichts, was man unbedingt gesehen haben muss. Wir gehen dann noch einen Weg, der mit Upheaval Dome Overlook gekennzeichnet ist, da wir hoffen, noch mal einen Blick in die Canyons tun zu können. Der Weg ist recht beschwerlich, an einzelnen Stellen sehr steil, endet aber nach einem Kilometer mit einer Enttäuschung. Alles, was wir zu sehen bekommen, ist dieser Krater, nur diesmal von der anderen Seite. Auch ein Versuch, durch Weitergehen doch noch einen Blick in die Canyons vom Plateaurand zu tun, bringt nichts, da der Plateaurand einfach zu weit weg ist.
Insgesamt gesehen, kann man sich bei engem Zeitplan die Straße zum Upheaval Dome und die dortigen Wanderungen wohl sparen (mit Ausnahme des Green River Overlook ganz am Anfang der Straße).
Da es langsam Abend wird und wir noch ein bisschen Richtung Denver fahren wollen (müssen! übermorgen fliegen wir zurück), fahren wir entlang des Colorado auf der sehr hübschen Straße 128 Richtung Grand Junction im Bundesstaat Colorado.
Das erreichen wir erst bei Dunkelheit. An einer Ausfahrt, an der Motels ausgeschildert sind, fahren wir ab, finden aber im Dunkeln keine Motels, verfahren uns noch und landen später wieder frustriert auf der Interstate. An einer der nächsten Abfahrten ist es aber, wie es sein soll: ein halbes Dutzend Motels direkt an der Abfahrt und wir steigen in einem akzeptablen Best Western für 65 Dollar + tax ab.
Beim Einkaufen in einem Supermarkt kommt folgende Durchsage: “Customer Mr X! Your wife called. Don`t forget the potatoes!” (Kunde X, Ihre Frau hat angerufen. Vergiss nicht die Kartoffeln!). Der ganze Laden grölt.
25.09.2002 Grand Junction - Rocky Mountains National Park - Estes Park
Der letzte Tag vor unserem Abflug. Zeit für uns, bis kurz vor Denver zu kommen und dafür bietet sich ein Abstecher in den Rocky Mountains National Park an. Über die teilweise in einem engen Tal und mit nicht unerheblichen Steigungen verlaufende Interstate 70 - schließlich sind wir in den Rocky Mountains - fahren wir bis Empire, um dann über die 40 gegen 14:00 Uhr den Südwesteingang des Parks zu erreichen. Den ganzen Tag ist es neblig und trübe, es ist richtig kalt geworden, nachdem wir ja am Tag vorher in Moab noch Sonne und Hitze hatten.
Wir informieren uns zunächst im Visitor Center, wie das Wetter in den Bergen wird. Antwort: im Laufe des Nachmittags schlechter, Regen und vielleicht auch Schnee. Na ja.
Wir fahren die Straße in die Berge hinauf. Wir halten kurz am Lake Irene, es ist aber so kalt geworden, dass wir auch einen größeren Rundgang verzichten. Als wir später an einem Aussichtspunkt über die sehr schroffe und faszinierende Bergwelt anhalten, pfeift ein kalter Wind über die Berge.
Am höchsten Punkt der Straße, beim Alpine Visitor Center, informieren wir uns erstmal dort (viel Informationen gibt es ja nicht). Als wird noch in den Shop hinübergehen, merke ich, dass mir leicht schwindlig wird. Irgendwie geht es mir gar nicht gut, ich habe das Gefühl, als ob ich umkippen könnte. Klare Sache: Höhenkrankheit! Kein Wunder, sind wir doch fast auf 4.000 Metern Höhe und das ziemlich plötzlich. Da mit Höhenkrankheit nicht zu spaßen ist, heißt das für uns, sofort wieder runterfahren. (Man muss dazu sagen, dass ich vor einigen Jahren schon mal in dem Park war und keine Probleme hatte. Danach bin ich aber nach Norddeutschland gezogen und war schon seit Jahren praktisch nicht mehr auf Bergen.). Unterwegs werde ich auch noch ziemlich müde, auch ein klassisches Anzeichen dieser Krankheit. Je tiefer wir aber wieder kommen, desto besser geht es mir. (Das bedeutet aber, dass ich über die sonstigen Trails und Aussichtspunkte des Parks leider nix erzählen kann).
Rocky Mountain National Park
Als wir unten sind, fahren wir noch ins Horseshoe Valley. Da erleben wir dann aus wenigen hundert Metern Entfernung die Brunft der Wapiti-Hirsche. Verschiedene Rudel von Weibchen und Jungtieren ziehen durchs Tal, “verteidigt” durch ihren Leithirsch, und verfolgt von jüngeren einzelnen Hirschmännchen, die ebenfalls gerne das Rudel übernehmen wollen. Imponiergehabe der Männchen, ihre quietschendes Röhren ist durch das ganze Tal zu hören. Insgesamt sehen wir dort mindestens 200 Tiere. Faszinierend.
Wapitis (Elks)
Später fahren wir dann in den nahegelegenen Touristenort Estes Park. Wir suchen uns eine Unterkunft und werden nach Besichtigung von zwei anderen Unterkünften, die uns nicht so zusagten oder zu teuer waren, im River Fall Inn für 69 Dollar + tax fündig. Ein sehr nettes Zimmer, altmodisch eingerichtet, mit großem Bett, einem kleine Fluß direkt vor dem Fenster, Bademänteln(!) und einem richtigen Kamin. Nach einem Bummel im inzwischen einsetzenden Regen durch die Stadt, einer Pizza in einem Familienrestaurant, verbringen wir den Abend erst mit Packen für den Rückflug und dann vor dem prasselnden Kaminfeuer.
26.09.2002 Denver und zurück
Um 17:35 Uhr fliegen wir zurück. Mist! Wir fahren von Estes Park zunächst nach Boulder. Es ist immer noch kühl und neblig, aber wenigstens regnet es nicht mehr. Boulder liegt eigentlich recht idyllisch in einem Tal, aber wegen des Nebels sehen wir davon nichts. Eine Mall in Boulder, die wir ansteuern, steht zur Hälfte leer und kann uns daher auch nicht halten.
Na ja, fahren wir halt nach Denver und schauen, ob es da noch irgendwelche Malls gibt. Gegen Mittag sind wir da und fahren dort zuerst zur Westminster Mall, die uns für eine gute Stunde beschäftigt. Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten und beschließen dann, noch die Aurora Mall (einigermaßen in der Nähe des Flughafens) zu besuchen.
Das geht dann etwas schief. Im total starken (und recht aggressiven) Verkehr auf Denvers Freeways verpassen wir erst die richtige Ausfahrt, dann müssen wir abfahren, weil wir plötzlich merken, dass unser Kofferraumdeckel auf ist. Gott sei Dank ist nichts herausgefallen. Dennoch gelingt es uns dann, noch die Aurora Mall zu erreichen. Da haben wir dann aber nicht mehr viel Zeit, da wir doch zum Flughafen müssen.
Kurz vor 15:00 Uhr sind wir bei Alamo. Ich hatte schon damit gerechnet, dass es Probleme wegen des getauschten Wagens geben würde und so ist es auch. Ich muss nochmal zum Schalter, wo das dann geklärt wird. Anschließend lässt uns Alamo wieder auf das Shuttle eine geschlagene halbe Stunde warten, was selbst die geduldigen Amerikaner ganz schön verärgert. Dafür können wir zusehen, wie die Angestellten von Alamo die zurückgegeben Wagen mit weit überhöhter Geschwindigkeit und quietschenden Reifen wegfahren.
Na ja, irgendwann kommen wir zum Flughafen, checken ein, laufen noch ein bisschen durch die Geschäfte. bevor es dann losgeht. Wir schaffen es sogar, im Flugzeug ein bisschen zu schlafen, auch wenn es tierisch unbequem ist.
In Frankfurt angekommen, können wir uns entspannen, da wir schon in Denver die Bordkarten für den Flug nach Hamburg bekommen haben. Es ist Freitagmittag und der Flughafen total voll. Im Gegensatz zu uns wird einer Kundin, die aus Kanada kommt und keine Bordkarte hat, im besten Lufthansa-Ton (also im militärischen Kommandoton) mitgeteilt, dass der Flug überbucht sei und sie halt nicht weiterfliegen könne. Nett!
Dann kommen wir auch nach Hamburg, von wo wir es dann auch noch schaffen, mit einer vollen Bundesbahn-Bimmelbahn unseren Wohnort zu erreichen. Geschafft.
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