Die ersten 5 Tage
Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:
1. Tag Flug und Ankunft in Las Vegas
Im Rückblick aus 2007 kann ich kaum noch nachvollziehen, wie ich damals die Route ausgearbeitet und gebucht habe. Internet habe ich damals noch nicht benutzt, jedenfalls nicht zur Routenplanung. Und was man heute mit ein paar Google-Suchen erledigt, musste man sich noch aus Reiseführern raussuchen.
Am 26.05.1998 sind wir mit Delta Airlines von Hamburg über Atlanta nach Las Vegas geflogen. Warum wir gerade diese Route genommen haben - keine Ahnung. Heute würde ich so eine Strecke, die ja einen enormen Umweg beinhaltet (erst in den USA-Südosten, umsteigen und dann in den Südwesten, viel länger kann man kaum fliegen) mit Sicherheit nicht fliegen. Aber wahrscheinlich war das damals der günstigste Flug, den das Reisebüro gefunden hat.
Die Verpflegung auf dem Flug ist eine Zumutung. Zwar haben wir (auf allen Teilstrecken und auch auf dem Rückflug) unser bestelltes vegetarisches Essen bekommen, aber die Menge ist doch recht bescheiden. Auch die anderen Passagiere waren mit ihren Portionen keineswegs zufrieden. Ein deutscher Mitflieger, der uns aus den hinteren Reihen schon den ganzen Flug mit lautstarken Kommentaren genervt hatte, hat hier wenigstens einmal recht: “Das reicht ja gerade für den hohlen Zahn”.
Bei unserer Ankunft in Atlanta gehen wir richtig hungrig von Bord. (Und haben daraus gelernt, immer auf den längeren Flügen eigenes Essen mitzunehmen.)
Die bange Frage ist, ob wir schnell genug durch die Immigration kommen würden, um unseren Anschlußflug nach Las Vegas zu erreichen. Doch nach relativ kurzem Schlangestehen und einigen grimmigen Fragen der Immigration-Beamtin dürfen wir durch.
Jetzt sind wir also in Amerika. Schon am Flughafen kann man die Unterschiede erkennen. Alles ist etwas größer, auch freundlicher. Auffallend: die vielen übergewichtigen Amerikaner - in Bermudashorts natürlich.
An unserem Abflugschalter angekommen, stellen wir fest, dass unser Flug einen Zwischenstop in Phoenix macht. Das ist ärgerlich, weil wir dadurch einfach Zeit verlieren. Außerdem hätten wir dann auch einfach nach Phoenix fliegen können, das ist genauso gut wie Las Vegas als Ausgangsbasis (später sind wir ja dann auch mehrfach nach und von Phoenix geflogen). Hieraus lernen wir, dass man möglichst einen Nonstop-Flug bucht.
Der Flug über Phoenix nach Las Vegas zieht sich dann noch sehr, zumal wir immer müder werden.
Beim einstündigen Zwischenaufenthalt in Phoenix haben wir die Wahl, ob wir im Flugzeug bleiben oder uns die Beine vertreten wollen. Wir entscheiden uns angesichts unserer Müdigkeit dafür, im Flugzeug zu bleiben, wo aber die Warterei kein Ende nehmen. Als wir endlich weiterfliegen, wird es bereits dunkel, so dass wir, als wir über den Bereich des Grand Canyon fliegen, überhaupt nichts sehen. Schade.
Endlich sind wir in Las Vegas, das übrigens Läs Wägges - beide Wörter hart und kurz - ausgesprochen wird. Wir erhalten unser Gepäck und müssen am Ausgang (was uns sonst noch nie wieder passiert ist) anhand der Gepäckscheine beweisen, dass es wirklich uns gehört (nicht nur wir, alle Passagiere!). Das wäre fast schief gegangen. Denn ich hatte mir noch im Flieger überlegt, ob ich diese Scheine überhaupt noch brauche und die nicht einfach wegschmeiße.
Mit einem Shuttle fahren wir dann zu unserem Hotel - dem Flamingo Hilton . Vollkommen übermüdet wie wir jetzt sind, müssen wir mit unserem Gepäck mehrere Spielhallen durchqueren, um die Rezeption zu erreichen. Überall stehen diese einarmigen Banditen, ununterbrochen blinkt, klingelt und rattert es. Angesichts unserer Übermüdung ist das einfach nur noch unglaublich nervtötend. Hier bekommen wir unser zwar großes, aber für den gezahlten Preis recht schäbiges Zimmer im zwanzigsten Stock.
Wir wollen um ca. 23 Uhr Ortzeit und damit locker 24 Stunden auf den Beinen nur noch eins: schlafen. Doch wir sind so aufgedreht, dass dies uns anfangs nicht gelingen will. Zudem hatten wir ein Zimmer mit Verbindungstüren, durch die wir sehr deutlich hören können, wie erst die einen und dann die anderen Zimmernachbarn fröhlich und entsprechend lautstark nach Hause kommen.
Doch irgendwann ist Ruhe und wir schlafen ein.
2. Tag Las Vegas - Grand Canyon
Um 4:00 Uhr Ortszeit werden wir schon wieder wach (nach der ersten Nacht wird man ja wegen der Zeitverschiebung üblicherweise früh wach). Langsam wird es draußen hell und durch unsere Fensterfront beobachten wir den Sonnenaufgang über den Hügeln rund um Las Vegas.
Wir gehen erstmal zum Frühstücken ins Erdgeschoß. Natürlich haben hier alle Coffee-Shops rund um die Uhr auf. Immer noch (oder schon wieder ?) sitzen einige Touristen an den Spielautomaten. Trotz unserer kurzen Nachtruhe sind wir kaum müde und machen erstmal einen kleinen Spaziergang im Hotelgarten, in dem es angenehm frisch und ruhig ist. Hier sehen wir Flamingos - muss ja sein im Flamingo Hilton - und andere exotische Vögel, selbst Pinguine gibt es auf einem künstlichen Eisblock.
In einem Coffee-Shop nimmt Monika in weiser Entscheidung einen Obstsalat, mir steht der Sinn nach etwas herzhafterem und so nehme ich Danish Pastries. Das sind aber nicht, wie ich annahm, eine Art Brötchen, sondern süße Obstplunder u.ä. Na ja, wieder was gelernt.
Wir holen unser Gepäck, checken aus und lassen uns zu von einem Shuttle zu Alamo fahren. Hier bietet man uns - amerika-untypisch recht unfreundlich - zu unserem gebuchten Wagen natürlich erstmal eine Reihe Zusatzversicherungen an. Da ich mir unsicher bin, was hiervon wirklich sinnvoll ist, lasse ich mir ein paar aufschwatzen.
Einschub: Eigentlich versteht keiner dieses System von Versicherungspaketen. Einige meinen, dass das Standardpaket vollkommen ausreicht, andere glauben, dass man für bestimmte Fälle doch die Zusatzversicherungen brauchen kann. Inzwischen buche ich immer die “B-Pakete” oder “Super-Inklusiv-Pakete”, da sind alle möglichen Versicherungen, alle Zusatzfahrer und ein Tank Benzin mit drin. Zumindest hat man dann das Gefühl, dass man rundherum abgesichert ist. Und kostet auch nicht mehr, als wenn man für einen Zusatzfahrer und die erste Tankfüllung extra bezahlt.
Ein Mitarbeiter zeigt uns, wo sich der Tempomat (amerikanisch: cruise control) befinden (nämlich an der Spitze des Blinkerhebels) und wie man einen Automatikwagen fährt. Und dann geht’s endlich los!
Nachdem wir uns zunächst in Las Vegas etwas verfahren haben, finden wir die 515 Richtung Kingman. Zunächst fahren wir noch an einigen Vororten vorbei und passieren den Hoover Dam, der den Lake Mead aufstaut. Da wir aber zügig weiter wollen, verzichten wir auf den Besuch dieser Touristenattraktion und fahren, die Staatengrenze nach Arizona überschreitend, auf der 93 weiter.
Einschub: Da die Amis nach dem 11.09.2001 Angst haben, dass Terroristen den Damm sprengen, werden jetzt an beiden Seiten die Fahrzeuge oberflächlich durchsucht - denn die Straße führt genau über die Dammkrone. Eine Zeitlang (immer noch?) durften größere Fahrzeuge (also auch Wohnmobile) gar nicht diese Straße benutzen. Inzwischen (2007) baut man wohl eifrig an einer Brücke, die neben dem eigentlichen Damm langgehen und dann den Autoverkehr aufnehmen soll.
Direkt nach dem Hoover Dam wird die Gegend wüstenmäßig karg. Ab und zu ein paar Häuser. Ansonsten alles braun in braun. Dabei geht von dieser Gegend durchaus ein bestimmter Reiz aus. Nach einem kurzen Stop bei McDonalds in Kingman geht es weiter auf der I 40 Richtung Williams. Die Gegend wird zunehmend interessanter. Rechts und links gibt es nun einige Wälder zu sehen. In der Ferne tauchen die verschneiten Spitzen eines Gebirges auf.
In Williams kaufen wir erst einmal in kleinem Supermarkt ein. Wir finden fettfreie (!) Kartoffelchips und sacken davon ein paar Tüten ein. Beim Thema Brot bekommen wir Probleme. Da ich von früheren Reisen weiß, dass amerikanisches Brot meist gesüßt ist, schauen wir uns die Zutatenlisten an. In jedem abgepackten Brot befinden sich aber Zucker, Syrup oder sonstige Süßungsmittel. Wir nehmen zwei verschiedene Arten, darunter ein vollkornartiges “Schwarzwalder” Brot, in der Hoffnung, dass zumindest dieses nicht allzu sehr gesüßt und damit für unseren europäischen Geschmack eßbar ist. (Später stellen wir fest, dass es bei den großen Supermarktketten normales Baguette-Brot gibt, zudem ist auch “Sourdough”-Brot nicht gesüsst.)
Wir passieren den Eingang des Grand Canyon National Park, wo wir für 25 Dollar den Golden-Eagle-Passport erstehen. Der Preis ist in Ordnung, wenn man sieht, dass man damit ein Jahr lang freien Zugang zu allen (Bundes)Nationalparks u.ä. hat. Da der normale Eintrittspreis für einen NP durchaus bis 10 Dollar beträgt, lohnt sich die Anschaffung auch.
Hinweis: Inzwischen hat sich das Preissystem verändert. Als Normaltourist kauft man jetzt - 2007 - den Annual Pass für 80 Dollar. Und die Eintrittspreise für einzelne Parks liegt nun bei bis zu 25 Dollar.
Durch den National Park fahren wir zum Village, wo wir in unserem vorgebuchten Hotel “El Tovar” einchecken. Das El Tovar ist ja für amerikanische Verhältnisse richtig alt, es stammt von der letzten Jahrhundertwende. Allerdings macht es von außen einen wesentlich besseren Eindruck als von innen. Das Zimmer ist recht einfach eingerichtet und zudem hat kein Zimmer Blick auf den Grand Canyon. Aber die Lage macht es halt: direkt am Rand des Grand Canyon, dem sog. Rim.
Inzwischen ist es auch schon früher Nachmittag geworden: Wir beschließen den Trail entlang des Rims zu gehen. Unterschätzt haben wir allerdings die Sonne. Trotz Mai wird uns ganz schön warm. Außerdem haben wir vergessen, Wasser mitzunehmen.
Auch hier werden wieder alle Vorurteile über die anderen Touristen bestätigt. Wenn man nur ein hundert Meter vom nächsten Aussichtspunkt entfernt ist, ist man fast alleine. Die meisten Touristen (und nicht nur die amerikanischen), sind schlicht zu faul, ein paar Meter zu gehen. Um so besser für uns, wir haben weitgehend unsere Ruhe.
Und am Grand Canyon kann man natürlich viel sehen. Immer wieder bieten sich neue Ausblicke in diese gigantische Schlucht. Besonders Monika, die zum ersten Mal am GC ist, ist ganz begeistert (noch heute - 2007 - ist der GC einer ihrer Lieblingsparks). Den Colorado sieht man übrigens in diesem Bereich nur an einzelnen Stellen als winzige grüne Tupfer ganz unten im Canyon. An den meisten Stellen verdecken die stufenartigen Vorsprünge des Canyon den Blick auf den Fluß.
Der Grand Canyon wie er leibt und lebt.
Nach einiger Zeit treibt uns der Durst zurück zu unserem Hotel, wo wir etwas essen und trinken. Dabei zeigt sich, dass gerade das “Schwarzwalder”-Brot so gesüßt ist, das wir es lieber wegtun. Offenbar muß man für den amerikanischen Geschmack das gesunde Vollkorn durch umso stärkere Zuckerung wieder ausgleichen.
Danach gehen wir (aber diesmal mit Wasser versehen) erneut zum Rim und - es ist inzwischen Abend - geworden, beobachten einen sehr schönen Sonnenuntergang. Rechtschaffen müde fallen wir anschließend in unsere Betten.
Hinuntersteigen oder nicht?
Einen Abstieg in den Grand Canyon? Klingt gar nicht so schlecht. Wenigstens ein Stück weit, für ein oder zwei Stunden ist das okay.
Aus gegebener Veranlassung warne ich ausdrücklich davor, an einem Tag zum Colorado hinunter- und wieder hinaufzusteigen. Jedes Jahr brechen Leute hier zusammen, ja sterben sogar, weil sie ihre Kräfte überschätzen. Lest dazu unsere eigenen Erfahrungen im Reisebericht “Geheimnisse des Südwestens”, also hier.
3. Tag Grand Canyon, Navajo National Monument, Monument Valley
Ganz normal wachen wir morgens auf - kein Anzeichen mehr von der Zeitverschiebung. Nach kurzem Frühstück wandern wir diesmal in die andere Richtung den West Rim entlang. Hier kann man ohnehin nicht mehr mit dem eigenen Auto, sondern nur noch mit Pendelbussen hinfahren. Auch hier die gleiche Erfahrung wie gestern. Sobald man ein paar hundert Meter von den Aussichtspunkten weggeht, ist man fast allein. Der Grand Canyon belohnt auch hier mit ständig neuen Ausblicken. Ganz tief unten ist sogar der Colorado zu sehen. Aber auch hier ist menschlicher Einfluß zu spüren. Wir kommen an eine verlassene und abgesperrte Uran(!)-Mine, vor deren Betreten wegen möglicher Gesundheitsschäden gewarnt wird.
Am späten Vormittag sind wir wieder am Hotel zurück. Nach dem Auschecken fahren wir den East Rim Drive entlang, um auf diese Weise den Nationalpark Richtung Osten zu verlassen. An einzelnen Aussichtspunkten halten wir an, um den Canyon noch einmal zu bewundern. Je weiter man Richtung Osten kommt, desto niedriger wird der Canyon. Beim Grandview Point, dem letzten Aussichtspunkt vor dem Parkausgang kann man den Colorado sehen, wie er breit und behäbig durch die Landschaft fließt. Hier treiben uns aber tausende von kleinen Mücken zur zügigen Weiterfahrt.
Wir verlassen den Park und fahren nach Osten Richtung Monument Valley. Bei der Weiterfahrt kommen wir ins Navajo Country. Immer wieder Andenkenstände an den Straßen mit Silberschmuck u.ä., ab und zu einzelne Häuser, Wohnwagen, alles recht ärmlich. Bei einem großen Souvenirverkauf mit Dutzenden von Ständen halten wir an und kaufen ein kleines farbiges Sandbild.
Page und Lake Powell lassen wir auf diese Reise links liegen. Erst später erfahre ich überhaupt vom Antelope Canyon bei Page, den wir damit verpassen.
Da wir recht auf dem Weg zum Monument Valley gut in der Zeit liegen, fahren wir kurz vor Kayenta von der 564 zum Navajo National Monument ab. Dort gibt es drei Ruinen von cliff dwellings, also von unter Felsüberhängen gebauten Wohnbauten der Anasazi. Ein kleines Visitorcenter klärt darüber auf. Allerdings kann man zwei der drei Ruinen nur mit geführten Touren erreichen, die wohl nur frühmorgens starten. Und die dritte kann man auch nur über ein Tal hinweg aus mehreren hundert Metern anschauen. Insgesamt also eine Enttäuschung. Hart formuliert: Jede Fotografie einer solchen Ruine bringt mehr als der Besuch im Navajo National Monument. (Auch 2007 halte ich an dieser Einschätzung fest)
Leider haben wir durch diesen Abstecher gut zwei Stunden verloren und fahren daher zügig nach Kayenta weiter. Dort checken wir im vorgebuchten Motel ein (was hier angesichts recht spärlicher Unterkunftsmöglichkeiten durchaus sinnvoll ist und woran sich nur langsam etwas ändert). Wir wollen zu Abend essen und dann eine Sunset-Tour im Monument Valley machen. Da fällt mein Blick auf die Radiouhr im Zimmer. Es ist eine Stunde später, als ich dachte, bereits kurz vor fünf Uhr. Ein Anruf bei der Rezeption bestätigt die Uhrzeit. Wir hatten nämlich nicht bemerkt, dass wir schon gestern zwischen Nevada und Arizona eine Zeitgrenze überschritten hatten.
Einschub: Tatsächlich ist das in dieser Ecke kompliziert, da - wenn ich es richtig verstehe - Arizona als einziger Staat sich nicht an der Sommerzeit beteiligt, hingegen das Navajoreservat, das teilweise in Arizona liegt, schon. Am besten sollte man sich immer vor Ort nach der Zeit erkundigen.
Da mir klar ist, dass die Sunsettouren spätestens gegen sechs Uhr los fahren, fahren wir schnellstmöglich zum Monument Valley, das einige Meilen außerhalb von Kayenta liegt. Bei der Ankunft dort scheinen sich meine Befürchtungen zu bestätigen. Gerade schließt der Navajo am Parkeingang sein Häuschen ab und winkt uns einfach durch. Doch wir haben Glück. Wir können noch bei einem Navajo eine Sunset-Tour kriegen. Gott sei Dank.
Hier sei angemerkt, dass sich solche Touren absolut lohnen, auch wenn sie nicht billig (damals schon $ 20-25 pro Person) sind. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens sind die Straßen im Monument Valley reine Sandpisten mit dicken Schlaglöchern und Bodenwellen. Mit einem Mietwagen zwar möglich, aber nicht ideal. Zweitens kann man bei einer geführten Tour viel größere Bereiche des Monument Valley besuchen, da viele Wege für Selbstfahrer gesperrt sind. Und drittens: Der Kontakt zu den indianischen Führern ist jedesmal beeindruckend. Wenn man ein wenig Interesse zeigt und freundlich fragt, erzählen sie einem gerne über ihren Lebensstil und ihre Religion.
So kennt man es, das Monument Valley
Mit einem französischen Ehepaar steigen wir in den Jeep. Mit zügigem Tempo brettert unser indianischer Führer über die Wege. Regelmäßig hält er an und erklärt uns die Landschaft. In einem großen Felsüberhang singt er ein leises Lied - wie er uns erklärt, sein abendliches Gebet. Die fantastische Landschaft und der Gesang - toll. (Inzwischen weiß ich, dass dieser scheinbar spontane Gesang bei jeder Tour gemacht wird - was unsere Begeisterug im Nachhinein etwas trübt).
Leider ist der Sonnenuntergang aufgrund von Wolken nicht so spektakulär wie ich ihn schon bei einer früheren Reise erlebt habe. Aber das tut unserem Hochgefühl keinen Abbruch. In der Dunkelheit kommen wir zum Visitor-Center zurück und verabschieden uns von unserem Führer. Bewegt fahren wir zum Motel zurück. So sah der Sonnenuntergang damals übrigens aus (leider ist das Bild recht schlecht):
Im Rückblick aus 2007 muss ich leider sagen, dass das Monument Valley einer der Parks ist, der einen am Anfang besonders begeistert, der aber mit jedem Besuch verliert. Ganz im Gegenteil zu anderen Parks, die man am Anfang kaum wahrnimmt und die bei jedem weiteren Besuch interessanter werden.
4. Tag Natural Brigdes NM, Capitol Reef NP, Dixie National Forest
Zeitig fahren wir los. Heute wollen wir verschiedene Sachen anschauen und abends bis zum Bryce Canyon kommen. Natürlich ist uns auch hier klar, an jeder Stelle könnte man tagelang verweilen.
Einschub 2007: Wie wahr. Tatsächlich kann man hier tagelang verweilen, aber das haben wir erst auf den späteren Reisen gemerkt.
Wir fahren nordwärts und überschreiten die Staatsgrenze nach Utah. Wir kommen nochmal am Monument Valley vorbei und machen hier noch einige Fotostopps. Von der anderen Seite sieht man das Monument Valley, wie es bekannt ist mit seinen aus der Ebene aufsteigenden Felstürmen, den sog. Mesas.
Am Mexican Hat vorbei, einer Felsformation in Form eines Kopf mit einem Sombrero, fahren wir durch das Valley of the Gods. Wir fahren auf eine Felswand zu, plötzlich geht es in Serpentinen den Berg hinauf und der Weg verwandelt sich in eine Schotterpiste. Was nun? Ist das wirklich die richtige Straße? Darf/soll man hier tatsächlich fahren?
Nach kurzem Überlegen fahren wir weiter. Nachdem wir uns den Berg hochgeschraubt haben, ist man plötzlich oben auf einer Hochebene und die Straße ist wieder einwandfrei aspaltiert. Lediglich die Serpentinen bergauf sind nicht asphaltiert, oben und unten ist alles normal.
Wir fahren jetzt durch Ranges, also Gebiete, in denen Vieh gehalten wird. Hier bewegen sich die Rinder in großen Arealen und werden wohl nur zur Schlachtung zusammengetrieben. Wenn schon Viehhaltung, dann so.
Nach einigen Meilen Fahrt erreichen wir das Natural Brigdes National Monument. Hier sind mehrere Steinbögen zu bewundern. Dieses NM kann man sich dann sparen, wenn man ohnehin den Arches NP anfahren will, da es dort viel mehr und schönere dieser Bögen gibt. Für uns aber, die wir nicht den Arches ansteuern werden, vervollständigt es unsere Liste der Naturschönheiten des Südwesten. Das NM ist sehr mäßig besucht. Man fährt auf einem Rundkurs durch ein Canyongebiet und hat mehrfach Sicht auf diese Bögen. Von den Aussichtspunkten gehen kleine Trails zu den Bögen hinunter. Auch hier das gleiche Bild: Als wir zu einem Bogen hinuntersteigen sind wir fast allein. Wir setzen uns in den Schatten des Bogen - mittlerweile ist es später Vormittag und recht heiß geworden - und genießen die Ruhe.
Nach einer Weile fahren wir auf der 95 weiter Richtung Nordosten. Wir überqueren dabei den Lake Powell, in dem der Colorado aufgestaut wird. Mitten in der Wüste existiert hier also ein sehr großer und aufgrund der Canyonstruktur verwinkelter Stausee. Dabei ist das Bild des Sees ausgesprochen paradox. Sieht man ihn von außen, wirkt er oft langweilig, geradezu häßlich. Befindet man sich aber auf ihm, so erschließt sich eine faszinierende Welt, hinter jeder Biegung des Sees kommen neue Aussichten. Entsprechend hat sich dort eine große Freizeitindustrie angesiedelt. Man kann kleinere Boote für einen Tag und sogar Hausboote für den Familienurlaub mieten - die Preise sind leider extrem hoch. Man kann allerdings auch auf Ausflugbooten mitfahren.
Wir wollen aber zügig weiter und folgen der 95 weiter nach Hanksville. Wir biegen dort nach Westen auf die 24 ab und erreichen den Capitol Reef National Park.
Der Capitol Reef NP ist eine schroffe Felswand (Reef), die sogenannte Waterpocket Fold, mitten in der Landschaft. An einem Punkt hat ein kleiner Fluß einen schmalen Weg hindurch gebahnt. Hier haben frühere Bewohner Obstanbau betrieben, so dass man entlang von Obstgärten fährt. Biegt man aber aus diesem grünen Tal ab, so steht man wieder unversehens vor einer wüstenähnlichen Landschaft, umgeben von schroffen Felswänden.
So sieht die Waterpocket Fold aus.
Der Capitol Reef ist recht unscheinbar, ihm fehlt eine besondere Attraktion wie sie die meisten anderen NPs aufweisen können. Sein Charme wird nur von wenigen erkannt und entsprechend wird er von den meisten Touristen kaum beachtet. Ich (und übrigens viele andere USA-Freaks) halte ihn für einen der schönsten Nationalparks überhaupt, wobei ich nicht sagen kann, was mich daran so beeindruckt. Vielleicht ist es wirklich die Abgeschiedenheit, die Ruhe - gerade wenn man zuvor am Bryce Canyon oder am Grand Canyon war, wo sich die Menschenmassen auf die Füße treten, ist das eine schöne Abwechslung.
Wir schauen uns die alten Gebäude der früheren Bewohner an und fahren den Scenic Drive entlang. Noch ein kurzer Abstecher ins Visitor Center und weiter geht’s.
Wir fahren auf der 12 Richtung Bryce Canyon, wo wir unsere nächste Unterkunft gebucht haben.
Die nun folgende Fahrt auf der UT 12 wird zu Recht in den Reiseführern als eine der schönsten überhaupt im Südwesten der USA bezeichnet. Zunächst windet sich die Straße einen Berg hinauf, man kommt in den Dixie National Forest. Durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft mit großen Wiesen, klaren Gebirgsbächen und Laubwäldern geht es. Auf den Wiesen liegt sogar noch Schnee, es ist deutlich kühler als eben noch im Capitol Reef. Hier kann man beobachten, wie die Höhe der Gebiete ihren Bewuchs beeinflusst. In den höheren Lagen dominiert eine üpppige, grüne Landschaft. Doch wenn man weiterfährt, geht die Straße langsam wieder nach unten und plötzlich befindet man sich wieder im Canyon Country. Zeitweise verläuft hier die Straße auf einem schmalen Grat, rechts und links unten sind Canyons. Um es nochmal zu sagen: Eine fantastische Strecke, die gar nicht genug gepriesen werden kann. In diesem Bereich, das inzwischen zum Grand Staircase Escalante National Monument erklärt wurde, müsste man sicher mehr Zeit verbringen.
Einschub: Tatsächlich ist das Grand Staircase Escalante NM eines der schönsten und zugleich unbekanntesten Gebiete des Südwestens. Allerdings ist das Gebiet kaum erschlossen, man braucht hierfür - jedenfalls teilweise - einen Geländewagen. Für den USA- Anfänger ist das vielleicht nichts, aber “Fortgeschrittene” können sich hier wochenlang beschäftigen.
Mit dem Sonnenuntergang erreichen wir den Bryce Canyon NP. Im NP brennt in einzelnen Gebieten das Unterholz, Rauch zieht über die Straße. Aber auf Schildern ist zu lesen, dass es sich um ein kontrolliertes Feuer handelt, das man nicht melden muss.
Wir beziehen unser (vorgebuchtes) Zimmer in der Bryce Canyon Lodge, die mitten im National Park nur wenige hundert Meter vom Rand des Canyon liegt. Da es aber inzwischen schon dunkel ist und wir entsprechend müde, verzichten wir darauf, den NP jetzt noch zu besichtigen.
Damit haben wir wohl etwas verpasst. Man sollte ruhig einmal diese Parks bei Nacht anschauen, gerade wenn der Mond genug Licht gibt. Bei klarem Himmel kann man wohl gerade am Bryce Millionen von Sterne sehen. Aber: Taschenlampe ist ein Muss.
5. Tag Bryce Canyon, durch Nevada, Begegnung mit “Außerirdischen”
Den Sonnenaufgang am Bryce Canyon haben wir Langschläfer uns nicht angeschaut. Nach dem Aufstehen laufen wir die paar hundert Meter bis zum Rim des Bryce Canyon und genießen die Aussicht. Da wir nicht allzu lange verweilen können, verzichten wir darauf, in den Canyon selbst hinabzusteigen (was ich ansonsten durchaus empfehlen kann und weiteren Reisen auch getan habe - ganz neue Eindrücke und man vermeidet ggf. den Rummel am Canyonrand). Stattdessen laufen wir eine ganze Weile den Canyonrand entlang. Kaum jemand ist unterwegs - sehr schön.
Der Bryce Canyon- was sonst?
Für heute ist eine längere Fahrstrecke angesagt. Wir wollen durch Nevada bis kurz vor den Yosemite NP. Die Frage war hier, welche Strecke wir nehmen sollten. In den Reiseführern wird hier regelmäßig die südliche Route über Las Vegas oder die nördliche über den Highway 50 / Great Basin NP empfohlen. Las Vegas interessiert uns nicht und der Umweg über den Highway 50 ist ziemlich weit - wobei der recht unbekannte Great Basin NP durchaus einen Abstecher wert ist. Wir nehmen stattdessen die direkte Route einfach Richtung Nordwesten quer durch Nevada und haben es nicht bereut (der Grundmann-Reiseführer hat inzwischen auf unseren Hinweis hin auch diese mittlere Route aufgeführt).
Aus Zeitgründen verzichten wir auf den nicht weit entfernten Zion NP. Den kannte ich von einer früheren Reise kenne und fand ihn nicht so besonders toll.
Einschub 2007: Erst bei späteren Reisen habe ich auch die Schönheit des Zion NP erkannt. Wie schon oben erwähnt, es gibt einfach Parks, die beim ersten Besuch unscheinbar erscheinen und bei jedem weiteren Besuch gewinnen - genauso ist es beim Zion.
Wir fahren Richtung Cedar Breaks National Monument. Das ist so eine Art “kleiner Bryce Canyon”. Auch hier kommen wir in höheren Lagen an weiten Schneefeldern vorbei. Leider ist die Straße zum NM dann aber wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass wir diese Attraktion ausfallen lassen müssen. Wir fahren also zügig weiter über Cedar City, grobe Richtung Nordosten.
Die Landschaft wird nun sehr wüstenähnlich, langgezogene Becken mit kleinen Hügelketten dazwischen, spärliche Vegetation - die typische Landschaft des sich über tausende Quadratkilometer hinziehenden Great Basin. Bald sind wir ganz allein. Vorsichtshalber haben wir in Cedar City den Wagen nochmal aufgetankt - hier wollen wir nicht liegenbleiben. Selten ein Haus am Wegesrand, es erscheint uns richtig gespenstisch.
Wir fahren den Highway 375 entlang. Nach etlichen Meilen Fahrt, auf der uns fast niemand begegnet, erreichen wir den Ort Rachel. Mitten in der Wüste ein paar Dutzend Häuser. Monika meint, wir sollten doch mal hier halten. Ich habe irgendwie Bedenken. Der Ort erscheint so unglaublich allein, irgendwie Angst einflößend. Ich sehe schon die Schlagzeilen: “Deutsche Touristen in Nevada spurlos verschwunden” ……
Aber dann kurz vor dem Ort ein Schild: “Highway 375 - the extraterrestrial highway” - hier gibt’s also Außerirdische! Unsere Neugier ist geweckt. Und dann beim langsamen Fahren am Ort vorbei, sehen wir große Schilder: “Area 51 Research Center”. Jetzt ist mir alles klar; wir sind hier ganz in der Nähe der streng geheimen “Area 51″ der US-Armee. Ich erinnere mich an einen Artikel im Zeit-Magazin, in dem hierüber geschrieben wurde. Hier sammeln sich alle Ufo-Gläubigen, die meinen, dass auf dieser Basis Ufos getestet werden.
Der Extraterrestrial Highway 375 verschwindet am Horizont - links Rachel.
Und als Akte-X-Fans dürfen wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Neugierig betreten wir das in einem Wohnwagen untergebrachte Reseach Center. An den Wänden und der Decke sind Satellitenaufnahmen der Area 51 zu sehen. Diverse Bücher und andere Souvenirs über Ufos etc. sind zu kaufen. Wir erwerben verschiedene Kleinigkeiten und kommen dabei mit einem Mitarbeiter des Centers ins Gespräch. Er erzählt uns, dass es Ziel des Centers sei, über die Area 51 und die dort stattfindenden geheimen Waffenprojekte aufzuklären. Natürlich gehe man auch Hinweisen auf Ufos nach. Er selbst glaube allerdings nicht an Ufos. Wir fachsimpeln noch ein wenig über den gerade anlaufenden Akte X-Film. Er erzählt uns, dass eine Folge von Akte X in Rachel gedreht wurde (die lief jetzt auch bei uns). Für uns war dieser Aufenthalt zwar etwas surreal, aber auch total witzig. Übrigens gibt es in Rachel auch eine Tankstelle und ein Restaurant “Little AleInn” (ein Wortspiel aus Ale=Bier, Inn=Gasthaus und Alien= Außerirdischer).
Nach einigen Meilen Weiterfahrt kommen wir dann auf den Highway 6 bzw. 95. Hier gibt es ein paar kleinere Dörfer, auch eine kleine Stadt. Aber zwischendrin doch meilenweit Einöde. Die Häuser sind ärmlich, viele Minen am Wegesrand sind inzwischen geschlossen.
Wir fahren noch bis Hawthorne und kommen dort im Best Western unter. Damit sind wir recht zufrieden; zudem bekommen wir dort eine Karte von West-USA mit allen Best Western-Motels, was zur Folge hat, dass wir in der weiteren Fahrt fast ausschließlich in Best Western absteigen (da sieht man, was kleine Werbegeschenke bewirken können)
Einschub 2007: Echt interessant, diese Passage noch mal im Rückblick zu lesen. Gerade diese Great Basin-Landschaft empfinden wir heute als besonders eindrucksvoll. Diese Einsamkeit, die Stille, die endlosen Highways, die sich irgendwo am Horizont verlieren und auf denen man nur alle Stunde einem Auto begegnet. Diese Einsamkeit, die uns damals beunruhigte, lieben wir heute. Unser Auto hat nun auch das Kennzeichen ….. -NV 375 - also nach dem Highway Nevada 375……
Die Landschaft des Great Basin kann man getrost als einförmig bezeichnen. Meilenweite Ebenen, nur unterbrochen von kleinen Hügelketten, wonach sofort die nächste meilenweite Ebene kommt. Das Ganze bedeckt von dem klassischen Gewächs dieser Gegend: den kleinen Sagebrush (Salbei) -Büschen.
In den 20er Jahren bereiste der Schweizer Louis Schultheß diese Gegend. Er überquerte die Sierra Nevada über den Tioga Pass - damals eine beschwerliche 2-tägige Tour. In seinem Buch “Jenseits und diesseits des Atlantik” von 1926 beschreibt er dann den Ausblick von der Sierra Nevada auf die Gegend des Great Basin. Ich zitiere:
Und dann “soweit das Auge reichte, in melancholischer Harmonie die einförmige, öde, nur von grünlich-weißen Salbeibüschen und ein wenig Wüstengras bedeckte Steppe.
‘Welch entsetzliche Einsamkeit’ meinte der Ständerat, als die Wildnis in ihrer ganzen Ausdehnung vor uns lag. ‘Es erdrückt einen ganz’, ergänzte der Phyicus. Und die Amerikanerin blickte schweigend und staunend auf das grauenvoll trostlose Bild.”
Man sieht, wie man ein und diesselbe Landschaft vollkommen unterschiedlich wahrnehmen kann. Das dürfte für das Great Basin sicher auch symptomatisch sein: entweder man liebt diese Gegend oder findet sie einfach nur öde. Dazwischen dürfte es kaum was geben.
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