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Die ersten beiden Tage

Dieser Artikel wurde am 17. März 2009 von GreyWolf geschrieben.

Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:

(Phoenix - Grand Falls of the Little Colorado - Grand Canyon)

22.04.2004 Flug nach Phoenix

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Jedes Mal würde ich am liebsten zu Hause bleiben. Klar, Monate und Wochen vorher plant man den Urlaub, bucht die ganzen Leistungen und da kommt schon Vorfreude auf. Man kann es kaum noch erwarten, wann es endlich losgeht, man zählt die Tage…

Aber dann, wenn es wirklich losgehen soll, habe ich einfach keine Lust. Den ganzen Scheiß zusammensuchen und packen, die Wohnung auf Vordermann bringen, jemand finden, der die Blumen gießt etc. etc. etc. Und dann noch diese blöden Flüge in diesen elendig kleinen Sitzen ….

Und so war es auch diesmal. Am Tag vorher - keine Lust.

Dazu kam, dass wir noch am Vortag nach Hamburg fahren mussten, weil unser Flug schon um 7:30 ab Hamburg ging.

Ursprünglich hatte ich einen so schönen Flug rausgesucht. Mittags ab Hamburg nach London, kurze Umsteigezeit, direkt weiter nach Phoenix.

Aber dann Email des Reisebüros: tut uns leid, Flugzeiten haben sich geändert, sie fliegen schon 7:30 ab Hamburg und haben dann 4 Stunden Aufenthalt in London. Ja, danke auch.

Ich habe dann noch versucht, das Beste daraus zu machen. Anruf bei BA: Kann ich nicht dann auch einen Tag vorher nach London fliegen? (Hintergedanke: Dann würden wir in London übernachten, da abends noch die Pubs unsicher machen und dann am nächsten Mittag entspannt nach PHX fliegen.) Antwort: man kann zwar maximal 24 Stunden vorher einen Aufenthalt einlegen, aber alle Flüge bei BA für diesen Zeitraum sind dicht. Geht also nicht.

Zweite Überlegung: Kann ich nicht einfach auf den Flug von Hamburg nach London verzichten und mit einer anderen Gesellschaft (RyanAir) nach London fliegen? Antwort: Nö. Bei diesem Tarif heißt es alles oder nix. Und wenn ich nicht ab Hamburg nach London fliege, geht der Computer “logischerweise” davon aus, dass wir auch keinen Weiterflug nach PHX brauchen und schmeißt uns auch von diesem Flug.

Ja, toll. Soweit zu Kundenservice bei Fluggesellschaften.

Es kotzt mich sowieso an, wie Fluggesellschaften mit den Passagieren so ungefähr alles machen können, was sie wollen. Umbuchen, stornieren, Zeiten verlegen…. Und das alles ohne Konsequenzen. Im besten Fall darf man zurücktreten vom Flug, das bringt halt aber auch nicht viel.

7:30 ab Hamburg heißt für uns, spätestens um 04:00 Uhr losfahren. Dazu habe ich aber überhaupt keine Lust, so das wir letztlich am 21. nach Hamburg gefahren sind und da im neuen Ibis-Hotel am Flughafen übernachtet haben. Für 59 Euro ein anständiges Zimmer - durchaus empfehlenswert.

Am 22. (jetzt geht der Reisebericht endlich los) stehen wir dann um 06:00 Uhr auf und sind schon 30 Minuten später am BA-Schalter. Einchecken geht schnell, nur Plätze nebeneinander bekommen wir nicht mehr, da wir recht spät dran sind.

Der Flug nach London-Heathrow geht ja schnell, 1 Stunde. Aber dann: 4 Stunden Aufenthalt am Londoner Flughafen. Zum Sterben zuwenig, zum Leben zuviel. Oder andersrum.

Was macht man 4 Stunden an einem Flughafen. Blöd rumlaufen, uninteressante Geschäfte anschauen, ein bisschen einkaufen, Kaffee trinken. Aber es ziiiiieht sich. Die Eincheck-Tante von BA hatte uns noch gesagt, wir sollten möglichst lange im Terminal 1 bleiben, weil da die besseren Geschäfte sind. Tun wir dann auch. Als wir dann aber zum Terminal 4 wechseln (geht mit einem Flughafen-Bus), stellen wir fest, das es genau andersrum ist. Terminal 4 ist neu und entsprechend schöner und großzügiger, während Terminal 1 der alte und enge Teil ist. Also für alle noch mal: Terminal 4 ist viel besser!

Irgendwann geht auch unser Flieger. Zu unserem übermäßigen Entzücken stellen wir fest, dass in der Reihe vor uns gleich 3 Babys sind. Und zwar in diesem Alter, wo sie feststellen, dass man viel mehr Zuwendung bekommt, wenn man vollkommen sinnlos lautstarke Schreie und Quieker ausstößt. Insofern: Quiek! Kreisch! Jammer! Und das in einer Tour bin Phoenix. Jaul, ächz, wimmer….

Zu meinem Erstaunen schaffen wir es dennoch, ein paar Minuten zu schlafen, bis wir dann von besonders lauten Quietschern wieder geweckt werden.

Ach übrigens: Zuvor war uns erzählt worden ist, dass man sich an den Flugzeug-Toiletten nicht mehr anstellen darf, weil das von den US-Behörden verboten wurde. Hintergrund angeblich: so können sich keine Terroristen zusammenrotten, um dann das Cockpit zu stürmen. Was für ein Blödsinn. Muss man sich das so vorstellen, dass dann die Terroristen sagen:”Oh, eigentlich wollten wir das Flugzeug entführen. Aber jetzt dürfen wir uns nicht mehr an den Toiletten versammeln. Verdammt, jetzt geht das nicht mehr!”
Und das wird auch noch auf einigen Flügen eingehalten! Aber bei uns Gott sei Dank nicht. Kein Wort wird davon vom Flugpersonal verloren und keiner hält sich daran.

Neben uns sitzt ein mexikanisches Ehepaar, Typ lederne Landarbeiter, das kein Wort Englisch spricht und die 10 Stunden bis PHX Löcher in die Luft starrt. Weder lesen sie noch sehen sie sich die Filme an, die es bei BA sogar zur Auswahl gibt (Monitor am Vordersitz). Beim Ausfüllen der Einwanderungsformulare helfe ich ihnen. Scheitere aber auch teilweise an ihren totalen Nicht-Englischkenntnissen. Wie fragt man jemand nach der Adresse in den USA, wenn dieser jemand kein Englisch kann? Ob die wohl ins Land gelassen wurden???

In Phoenix sind wir gegen 15:30 Uhr Ortszeit. Immigration geht okay, die üblichen Fragen (woher, wohin, wielange?) und die üblichen Antworten. Zoll auch kein Problem. Aber eine Stunde dauert das schon.

Dann zu Alamo: Am Flughafen wird uns der Mietvertrag ausgestellt, den ich in blindem Vertrauen unterschreibe. Schon falsch. Später stelle ich fest, dass die vergessen haben, meine Frau als 2. Fahrer einzutragen (obwohl ich das ausdrücklich erwähnt hatte) und die Abfahrtszeit ist auch falsch - nämlich zu früh - eingetragen. Da man mal wieder versucht, jedem Zusatzversicherungen und Upgrades aufzuschwatzen, dauert auch das locker eine Dreiviertelstunde, obwohl höchstens 5 Kunden vor mir dran sind. Dann noch mit dem Shuttle zum Alamo-Parkplatz.

So, jetzt aber los.

Nö, Pustekuchen. Bei der Abteilung 4WheelDrive steht nämlich kein Auto. Ist gerade keines da. Na gut, eines steht da, das man uns anbietet. Aber das ist ein Riesenteil, Format 7,5-Tonner, mit 3 Sitzbänken. Danke, nein, das ist uns doch ein wenig zu groß.

Also warten. Nach einer viertel Stunde kommt eines frisch gewaschen. Ein Ford Escape Geländewagen. Sieht gut aus, hoher Bodenabstand (High Clearance) - okay, den nehmen wir.

Auf geht`s. Weit müssen wir nicht zu unserem für 44 Euro vorgebuchten Motel in Scottsdale. Aber dann, um den Tag komplett zu machen, tierischer Stau. Erst nach einigen Schlenkern erreichen wir nach einer Stunde das Motel. Eine Stunde für ca. 6 Meilen.

Wir hatten das Days Inn Fashion Square gebucht, da es direkt neben einer Mall liegt. Das Motel ist nicht supertoll, aber günstig und akzeptabel.

Wir laufen noch ein bisschen durch die Mall, bis uns die Müdigkeit übermannt. Gegen 20:00 Uhr Ortszeit und damit 24 Stunden auf den Beinen, sinken wir ins Bett.

23.04.2004 Phoenix - Grand Falls of the Little Colorado - Grand Canyon.

Nach erstaunlich gutem Schlaf für die erste Nacht stehen wir schon um 05:30 Uhr auf. Wir fahren gleich nach Norden los und sind um 09:30 Uhr in Flagstaff. Da besorgen wir uns erstmal für 10 Dollar eine Kühlbox und auch noch eine Karte von Arizona. Und Lebensmittel natürlich.

Für diesen ersten Tag, der am Grand Canyon enden sollte, hatte ich noch eine kleine Sehenswürdigkeit für unterwegs gesucht. In Laurent Matres “Photographing the Southwest” wurde ich fündig - die Grand Falls of the Little Colorado, also die großen Wasserfälle des Kleinen Colorado-Flusses.

Ein kleines Problem gibt es dabei: diese Fälle gibt es nur, wenn auch Wasser fließt. Und das fließt da ggfs. nur wenig oder gar nicht, je nach Jahreszeit. Aber im April sollte es eigentlich wegen der Schneeschmelze fließen. Und wenn es fließt, dann muss es teilweise an die Niagara-Fälle erinnern.

Nix wie hin. Volker war kurz vor uns dagewesen, hatte aber in seinem Live-Reisebericht erklärt, er wolle mir den Vortritt beim Beschreiben dieser Wasserfälle lassen. Ein etwas unscharfes Foto dabei. Fließt da Wasser oder nicht? Schwer zu sehen. Aber als ich dann noch im Internet von Regenfällen in diesem Gebiet lese, rechne ich mir gute Chancen aus.

Wie kommt man dahin?

Man nimmt von Flagstaff die I-40 ostwärts für ein paar Meilen bis zum Exit 211 Winona, dann weiter nach Winona. Von dort geht es auf die Arizona 15 (Richtung Leupp). Die fährt man ca. 15 Meilen, bis man ein Schild erreicht, das einen im Navajo-Gebiet willkommen heißt. (Erstaunlicherweise, ohne dass gleich Eintritt verlangt wird.) Bis dahin ist alles asphaltiert.
Direkt danach geht die Straße nach links ab, mit einem Hinweisschild. Natürlich nicht auf die Grand Falls, dahin gibt es überhaupt keine Schilder (warum auch?), sondern zur “Grand Falls Bible Church”.

Die Straße nach links ist jetzt eine Gravelroad. Der folgt man, bis diese nach ca. 1 Meile in die 70 übergeht, und dann geht es immer weiter die 70 entlang. Ca. nach acht Meilen von der asphaltierten Straße an gerechnet stößt die 6910 auf die 70 (sozusagen von hinten rechts, Straße ist mit 6910-Markern gekennzeichnet).

Jetzt noch eine halbe Meile weiter. Bis dahin ist die Strecke bei Trockenheit zwar manchmal etwas rüttelig, aber unproblematisch befahrbar. Auch mit normalen Wagen.

Nach der halben Meile (also ca. 700-800 Meter) geht ein unmarkierter Weg nach links ab. Es gibt da eigentlich nur einen, also groß verfahren kannst Du Dich da nicht. Dieser letzte Weg wird jetzt richtig rauh. Wagen mit niedriger Bodenfreiheit würde ich da stehen lassen. Auf diesem letzten Abzweig geht es jetzt noch wenige hundert Meter.

Wie gesagt, Schilder gibt es nicht. Aber man sieht bald so kleine Überdachungen über Picknicktische, die am Parkplatz stehen. Es gibt dann auch einen Parkplatz. Hier sollte man seinen Wagen stehen lassen. Es gibt zwar auch Möglichkeiten, noch ein bisschen weiter runter zu fahren, um die Fälle von da aus zu sehen. Aber diese letzten 200 Meter sind dann schon eher was für 4-Wheel-Drive. Lieber zu Fuß die letzten 200 Meter.

So, jetzt aber die Fälle. Wir laufen die letzten Meter und ……………….. nix!

Kein Wasser. Die Felsen schon, aber kein Wasser. Ja, über den Fällen ein paar Teiche und unter den Fällen auch ein paar Pfützen. Aber die eigentlichen Fälle: nix! So ein Mist!

Hier der Bildbeweis.

Rechts oben der Parkplatz mit den Überdachungen.

grandfa2

(Volker erzählt mir später, dass als er da war, die Fälle noch Wasser hatten, aber inzwischen war es wohl versiegt).

Und deswegen bleibt unser Eindruck auch negativ. Dabei müssen die Fälle wirklich toll sein, wenn sie Wasser führen. Dann ist die Breite der Fälle noch breiter als die der Niagarafälle. Und die lehmig-schmutzigen Wasser schießen dann so runter, das man regelrecht eine Schlamm-Gischt abbekommt.

Von Flagstaff braucht man übrigens ca. 2 1/2 Stunden hin und zurück, mit Besichtigung.

Na ja, das war leider gar nichts. Wie zum Hohn regnet es auch noch aus tiefhängenden Wolken ein paar Tropfen.

Ernüchtert fahren wir nach Flagstaff zurück und gleich über die 180 zum Grand Canyon weiter, den wir gegen 14:00 Uhr erreichen.

Wir checken im Motel ein, dem Best Western Squire Inn in Tusayan. Vor Ort will man 169 Dollar, wir haben es für ca. 100 Euro die Nacht vorgebucht.

Nachmittags fahren wir in den Grand Canyon National Park, wo wir für 50 Dollar den National Park Pass kaufen (Preise ansonsten: 20 Dollar pro Auto und Eintritt, 40 Dollar Jahrespass).

Den Wagen, der sich übrigens toll fährt, aber Sprit verbraucht für zwei, stellen wir im Grand Canyon Village ab.

(Hier übrigens mal ein Hinweis für einen guten Parkplatz, der von vielen übersehen wird und dabei optimal liegt. Wenn man an den Lodges am Canyonrand vorbeifährt, wo normalerweise kein Parkplatz zu kriegen ist, liegen linker Hand die Gleise der Eisenbahn. Direkt dahinter ist ein kleiner Parkplatz, der eigentlich nie voll ist. Um ihn zu erreichen, fährt man an den Lodges vorbei und folgt der Straße nach links, bis man über die Gleise kommt. Hier fahren die meisten geradeaus. Zum Parkplatz geht es aber direkt hinter den Gleisen nach links auf einer kleinen Straße. Wenige hundert Meter zurück und man ist am Parkplatz.)

Wir schauen uns erstmal den Grand Canyon an. Wie immer beeindruckt er uns durch seine unglaubliche Breite und Tiefe und die tollen Felsformationen und Farben.

An den Lodges kreisen so große Vögel, die zwei andere Reisende in absolute Verzückung versetzen. Sie erzählen, dass das Condore sind, von denn es nur noch 20 in den USA gibt und die hier vor einigen Jahren nach einem aufwändigen Aufzuchtprogramm wieder erfolgreich angesiedelt wurden. Sind tatsächlich sehr große Vögel, die hier nur wenige Meter über unseren Köpfen rumfliegen. Deutlich kann man ihre Markierungsnummern erkennen, die unter ihren Flügeln angebracht sind. Interessant.

Man beachte die insgesamt drei Kondore.

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Aber wir haben uns noch mehr vorgenommen. Wir wollen ggfs. morgen zum Colorado absteigen und am gleichen Tag wieder hoch. Aber dafür wollen wir erstmal eine Generalprobe machen, mit Wanderausrüstung, und natürlich insbesondere nochmal die Schuhe testen. Das Wetter ist optimal, ca. 20 Grad, mit Sonne und Wolken.

Wir nehmen den Shuttlebus den Westrim-Drive entlang (mit dem Auto darf man da nicht lang) bis zur zweitletzten Haltestelle. Diese ca. 10 Kilometer laufen wir jetzt am Canyonrand entlang. Ca. 3 Stunden bis gegen 19:00 Uhr brauchen wir zurück. Der Weg ist gut, die Aussichten fantastisch. Bis auf die Haltepunkte des Busses sehen wir kaum Menschen. Zum Schluss steht die Sonne schon sehr tief, es wird kühl.

Blick von unterwegs. Unten das Grüne ist der Colorado.

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Alles läuft gut, die Schuhe sind okay. Monika hat 2-3 kleinere Blasen, aber sowas kann man abkleben. Da das Wetter für den nächsten Tag gut aussieht (Sonne/Wolken, ca 20 Grad oben am Canyonrand), entscheiden wir uns, tatsächlich am nächsten Tag ab- und wieder aufzusteigen.

Am Abend besuchen wir - mal wieder - das IMAX, um den Grand Canyon-Film zu sehen. 10 Dollar p.P, aber immer wieder lohnend.

Aufkleber in der Toilette (also im Klobecken): “Zurückgewonnenes Wasser, Das in Dies benutzt wird, Denkt Aus Vermeiden Sie Kontakt”. Super Übersetzung. Eigentlich wasche ich mir die Hände sowieso lieber im Waschbecken.





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