Die zweite Woche
Dieser Artikel wurde am 22. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Artikel ist wie folgt unterteilt:
13.09.2002 Stanley - Custer- (Reifenpanne) - Salmon Scenic Byway - Missoula - Wallace
Morgens ist es frostig kalt, wir sind halt schon sehr hoch. Sobald die Sonne über die Berge kommt, wird es aber schnell wieder warm.
Wir fahren erstmal ein paar Meilen zum Redfish Lake zurück, der ganz idyllisch am Rand der Swatooth Mountains liegt. Ganz nett, aber nicht der große Reißer.
Danach geht es Richtung Norden immer den Salmon River Scenic Byway entlang.
Ein paar Meilen nördlich von Stanley biegen wir erstmal zur Geisterstadt Custer ab, einem Ende des 19. Jahrhunderts blühenden Bergbaustädtchen. Nach Ende der entsprechenden Vorkommen brach dann das Städtchen binnen kurzer Zeit zusammen. Von dem Ort sind noch ein paar Häuser erhalten. Hinweistafeln erklären mit vielen historischen Fotos die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner. Ganz interessant, durchaus einen Abstecher wert.
Einige Meilen weiter auf dem Highway ein seltsam “flappendes” Geräusch, beim Kontrollieren stellt sich heraus, dass einer unserer Hinterreifen platt ist, warum auch immer. Kurze Panik! Den Kofferraum ausgeräumt und Gott sei Dank hat der Wagen ein Reserve(not)rad und auch Werkzeug, der Wechsel ist schnell gemacht.
Was nun? Das Notrad ist nur für “temporarily use” und die nächsten 150 Meilen sind ziemlich einsam. Wir fahren nach Stanley zurück, wo es eine Werkstatt gibt. Der Monteur hilft uns auch gerne sofort. Allerdings ist der Reifen nicht zu retten und einen neuen Reifen haben sie in der Größe auch nicht auf Lager. Ich rufe bei Alamo an. Es stellt sich heraus, dass Alamo in ganz Idaho keine Niederlassung hat. Allerdings können wir mit dem Notrad weiterfahren, wenn auch nicht schneller als 55 Meilen pro Stunde. Ich frage, ob man nicht in Spokane, Washington, der nächsten größeren Stadt, die mir von unserer Route einfällt, was tun kann. Tatsächlich, wir könnten am Flughafen von Spokane zu National und würden dort gleich einen neuen Wagen bekommen. Auch okay.
Wir fahren daraufhin den weiteren Tag erstmal den Salmon River Scenic Byway, der gerade auf den ersten 80 Meilen wirklich sehr schön ist, immer am wildromantischen Fluss entlang. Allerdings ist die Gegend nicht ganz so einsam wie ich dachte. Die Orte auf dem Weg sind doch zum Teil recht groß und die Strecke ist auch befahren.
Später biegt dann der Salmon ab, und die Fahrt ist dann nicht mehr so wahnsinnig spannend. Am Ende dieser Straße, in der größeren Stadt Missoula, halten wir bei einem McDonalds an, der total mit Bildern, Platten und Figuren von Elvis ausgestattet ist. Witzig!
Wir fahren dann - immer mit 55 Meilen, nerv! - auf der I-90, wo wir noch bis Wallace kommen. Wir steigen in einem schönen, aber auch sehr teuren (80 Dollar + tax) Best Western ab.
14.09.2002 Spokane - Mt. Rainier
Wir fahren morgens nach Spokane, wo wir gegen 11:00 Uhr ankommen. Bei National am Flughafen bekommen wir tatsächlich ohne jegliche Probleme einen neuen Wagen. Da in unserer Klasse keiner mehr da ist (wie schade!), bekommen wir einen Mitsubishi Galant, eine Klasse größer, deutlich stärker und mit Tempomat. Da hatte die Reifenpanne ja etwas Gutes!
Wir unterhalten uns mit einem älteren Mitarbeiter, August, einem lettischen Einwanderer. Als er hört, woher ich komme (Freiburg im Breisgau), stellt sich heraus, dass er dort nach dem 2. Weltkrieg studiert hat. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde mit ihm über Freiburg, Deutschland und seine Lebensgeschichte - nett.
Weiter geht es zum Mt. Rainier National Park, den wir gegen 15:00 Uhr erreichen. In der Nähe des Stevens Canyon Entrance laufen wir zunächst etwa eine Stunde den Grove of the Patriarchs Trail, der einen in eine schöne Waldlandschaft mit gewaltigen Bäumen führt.
Dieser Baum stand mir im Weg - mächtig großer Fehler!

Danach fahren wir nach Paradise, wo wir die nächsten zwei Stunden den Mt. Rainier hinauflaufen über die Alta Vista und Skyline Trails. Das ist teilweise wunderschön, über Almwiesen mit sagenhaften Ausblicken, zudem in der Abendsonne.
Der Mount Rainier
(Man müsste eigentlich denken, dass die ständigen Schilder, dass man (wegen der massiven und auch überall klar sichtlichen Erosionsfolgen) auf den Wegen bleiben soll, nicht zu übersehen sind, und die meisten halten sich auch dran. Zweimal sehen wir aber Eltern bzw. Gruppen mit Kindern, die ihre Kinder dazu auffordern, doch mal mitten in die Wiesen zu gehen, damit man sie besser fotografieren kann. Da möchte man doch ein Ranger sein. Da ich kein Ranger bin, erschieße sie einfach mit meiner Pumpgun.
Ne, habe ich natürlich nicht gemacht - hatte die Pumpgun im Wagen vergessen. Ich habe sie einfach erschlagen.)
Die Bergwiesen auf dem Mt. Rainier
Gegen 18:30 Uhr verlassen wir den Park. Wir wollen noch ein Stück weiterkommen und fahren zunächst bis zur I-5 (das zieht sich sehr) und dann noch die I-5 bis Chehallis. Wir fragen dort zuerst in einem Howard Johnson, das direkt an der I-5 liegt mit entsprechendem Lärm. Die wollen glatt 73 Dollar + tax wollen. Da steigen wir dann lieber in einem zwar schlechteren, aber mit 49 Dollar + tax auch deutlich günstigeren Relax Inn ab.
15.09.2002 Wolf Haven International - Mt. St. Helens - Küste
Das Motel hatte leider auch recht dünne Wände, aber mit der Klimaanlage kann man es ja übertönen.
Am Morgen fahren wir erstmal nach Tenino zu Wolf Haven International, der Aufnahmestation für nicht auswilderbare Wölfe, die wir schon auf unserer ersten USA-Reise besucht hatten (nähere Informationen: siehe dort). Wir machen dort eine einstündige Führung mit und erleben sogar, wie die Wölfe heulen. Erst fängt einer an, dann fallen die anderen ein - klasse!
Wir erfahren noch einiges Interssantes: So will die Bush-Regierung, da die Wölfe in den USA nicht mehr unmittelbar von der Ausrottung bedroht sind, den Schutz an die Bundesstaaten abgeben, worauhin einige Staaten sofort erklärt haben, die Jagd auf den Wolf wieder freizugeben.
Probleme macht auch die Wiederauswilderung von Wölfen in einzelnen Staaten wegen starker Vorbehalte der Rancher. Hier wird Aufklärungsarbeit geleistet. So wird z.B. den Ranchern mittels Statistiken dargelegt, dass von 100 auf den Weiden gestorbenen Tieren 98 eines “natürlichen” Todes sterben, also durch Krankheiten, Blitzschlag oder Unfälle. Nur 2 Prozent werden von Raubtieren im weitesten Sinne erlegt und nur 0,1 Prozent von Wölfen. Und für diese werden die Rancher entschädigt.
Im Yellowstone National Park hat sich nach der erfolgreichen Auswilderung von Wölfen ein neues und deutlich gesünderes ökologisches Gleichgewicht eingestellt. Der Bestand an Wild ist wesentlich gesünder geworden (die kranken Tiere werden von den Wölfen erlegt), der in einigen Bereichen des Parks zur Landplage gewordene hohe Bestand an Coyoten hat sich hingegen wegen der neuen Konkurrenz drastisch reduziert. Negative Vorfälle zwischen Wölfen und Menschen gab es bisher nicht.
Mal wieder ein absolut lohnenswerter Besuch!
Danach ging es erstmal zum Outlet-Shopping im nahegelegenen Centralia.
Wir fahren von dort südlich zum Mt. St. Helens. Wir hatten dieses National Volcanic Monument schon mal vom Osten her gesehen und waren uns daher nicht sicher, ob es dann auch vom Westen her noch interessant ist. Die Antwort ist: ja!
Dafür gibt es zwei Gründe. Auf der Ostseite sieht man im Wesentlichen die Auswirkungen der Druckwelle des 1981er Ausbruchs, auf der Westseite jedoch die Auswirkungen der gewaltigen Land- und Schlammlawinen. Und außerdem sind die Visitor-Center auf der Westseite einfach hervorragend gemacht. Insbesondere das höchste Visitor-Center am Johnston Ridge überzeugt mit gut gemachten Modellen, interaktiven Möglichkeiten und einem Klasse-Film. Einziger Wermutstropfen: Der Nationalparkpass gilt hier nicht. Der Eintritt in dieses Gebiet (konkret in die Visitor-Center und die Parkplätze - man bekommt da so Armbänder) kostet für alle Visitor-Center 6 Dollar p.P. - die sind aber gut angelegt. (Der Grund, dass der Nationalpark Pass hier nicht gilt, ist die unterschiedliche Zuständigkeit. Nur mit dem Golden Eagle Pass hat man auch hier freien Eintritt).
Bei unserem Besuch, bei dem wir übrigens auch noch einen sehr lehrreichen Vortrag eines Rangers über die verschiedenen Arten von vulkanischen Gesteinen bekommen haben, hatten wir leider das Pech, dass sich der eigentliche Krater des Berges hinter dichten Wolken versteckte. Das zerstörte auch den Trick am Ende des Filmes. Nachdem dort die Geschichte des Ausbruchs des Mt. St. Helens dargestellt wird, bricht der Film ab, ein Vorhang geht auf und man kann normalerweise direkt auf den Krater schauen. Wir sahen leider nur Nebel! (und deswegen gibt es auch keine Fotos!).
Gegen Abend fuhren wir dann noch bis zur Küste von Oregon, wo wir in Seaside im Hi-Tide Inn direkt am Meer (mit Coupon) für 59 Dollar + tax unterkommen.
16.09.2002 Ft. Clatsop NHS - Cannon Beach - Newport
Am nächsten Morgen bewahrheitet sich leider der Wetterbericht - Regenschauer! Wir gehen ein paar Minuten an den Strand, bis uns ein neuer Schauer vertreibt.
Wir fahren zur etwas nördlich gelegenen Ft. Clatsop National Historical Site. Hier hatten die Entdecker Lewis und Clark mit ihren Männern 1804 nach langer Reise den Pazifik erreicht und einige Monate überwintert (von ca. 110 Tagen regnete es damals nur 6 Tage nicht!). Das kleine Fort hat man inzwischen nachgebaut und im Visitor Center gibt es eine recht gute Ausstellung über die Entdecker. Ein interessantes Detail: Obwohl man sonst sehr ausführlich über die beiden Abenteurer informiert wird, wird der mysteriöse Tod von Lewis mit keinem Wort erwähnt. Tatsächlich hat sich Lewis mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leben genommen (er war depressiv, es gibt aber auch Thesen, wonach er ermordet wurde), was man anscheinend als ehrenrührig ansieht.
Nach etwas Shopping in Seaside fahren wir die Küste südwärts weiter. Erster Stop ist der ziemlich bekannte und auch sehr schöne Strand von Cannon Beach. Auch der Ort ist relativ geschmackvoll mit sogar dem ein oder anderen interessanten Geschäft.
Danach fahren wir von Tillamook aus den Three Capes Scenic Drive. Den schönen Strand von Cape Meares sehen wir noch bei tiefhängenden Wolken, aber ohne Regen.
Cape Meares mit tiefhängenden Wolken
Danach zieht es leider total zu. Mit immer stärker werdendem Regen und Nebel sehen wir praktisch nichts mehr und fahren daher nach Lincoln City weiter. Da haben wir einen Coupon für ein hübsches Best Western. Wir wollen als Trost abends gerne essen gehen, aber einen Pizza Hut (unser Lieblingsrestaurant) gibt es nicht. Na ja, fahren wir halt nach Newport weiter, immerhin der größte Ort der Küste, da wird es auch einen Pizza Hut geben.
In Newport angekommen, suchen wir erstmal ein Motel. Zwei Motels, für die wir Coupons haben, sagen uns nicht zu bzw. haben nur noch Raucherzimmer. Zum Schluss nisten wir uns in einem sehr schönen, aber auch sehr teueren Best Western (89 Dollar plus tax ohne Seeblick) ein.
Danach suchen wir uns ein Restaurant zum Pizza-Essen, aber Pizza Hut gibt es auch hier nicht. Auf die “Pizza Cuccina” fällt unsere Wahl.
Was dann kommt, ist absolut loriot-reif. Wir kommen da gegen 19:45 Uhr an. Wir geben unsere Bestellung auf und erhalten auch die Pizza nach einer gewissen Wartezeit. Was wir nicht beachtet hatten, war allerdings die Schließungszeiten des Restaurants um 20:00 Uhr, auf die man uns auch nicht hingewiesen hat.
Als letzte Gäste sitzen wir da und essen, während abgeschlossen, rundherum aufgeräumt und saubergemacht wird. Monika meint noch: Pass auf, gleich kommen sie mit dem Staubsauger. Und tatsächlich: zwei Minuten später geht die Bedienung mit dem Staubsauger herum. So hatten wir uns einen gemütlichen Ausklang des Tages nicht vorgestellt. Nach der Hälfte der Pizza geben wir auf und lassen uns den Rest einpacken, den wir dann im Hotel aufessen. So was haben wir auch noch nicht erlebt!
17.09.2002 Newport - kein Crater Lake NP - Crescent City - Redwood National Park
Bei dem Dauerregen hat es überhaupt keinen Sinn, an der Küste zu bleiben. Wir können nicht an den Strand und sonst gibt es nichts Wesentliches zu machen. (Übrigens: die letzten vier Monate bis unmittelbar vor unserem Auftauchen hatte Oregon unter einer Hitzewelle ohne jeglichen Niederschlag gelitten -war ja klar!). Kurze Beratung: Wir fahren auf der Interstate nach Süden, bis das Wetter besser wird.
Also auf zur I-5, die uns nach Süden bringt. Nachdem unterwegs der Regen nachlässt, fahren wir bei Roseburg ab, um uns nach dem Wetter am Crater Lake National Park zu erkundigen. In einem lokalen Visitor Center hilft man uns sehr freundlich weiter, man ruft für uns sogar im National Park an. Das Ergebnis ist nicht so sonderlich: der National Park, der ja auf der Spitze eines Berges liegt, meldet viele Wolken. Da macht die Hochfahrt (gut 2 Stunden eine Richtung) keinen Sinn, denn der Crater Lake ist nur bei gutem Wetter wirklich schön. Und die Gefahr ist groß, dass wir hoch fahren und es inzwischen zuzieht.
Also fahren wir weiter, bis wir bei Crescent City wieder auf die Küste und den Redwood National Park stoßen. Da es immer noch regnet, wenn auch nicht mehr so stark, informieren wir uns zuerst im (miserablen) Visitor Center vor Ort nach Möglichkeiten. Die Angestellte meint, wir sollten einfach in den Jedediah Smith Redwood State Park (gehört auch zum Redwood National Park) fahren, da es dort nicht so regnen würde und außerdem die Redwoods doch einigen Schutz böten. Und am nächsten Tag soll das Wetter besser werden. Das klingt ganz gut.
Zunächst suchen wir uns noch ein Motel. Wir steigen erstmal in einem Motel in der Stadtmitte ab, für 49 Dollar plus tax. Ich frage extra nach, ob es auch eine Waschmaschine und Trockner gibt, da wir waschen wollen. Klar, sagt der Besitzer und zeigt uns grob die Richtung. Das Zimmer ist zwar ziemlich schäbig, aber gerade noch akzeptabel und wir nehmen es. Dann entdeckt Monika aber die Guest-Laundry. Unter einem Vordach stehen praktisch auf dem Parkplatz eine verrottete Waschmaschine und Trockner. Wir sind ja wirklich nicht pingelig, aber das ist schon der Hammer! Da werden wir mit Sicherheit nicht waschen.
Angesichts des nach wie vor schlechten Wetters und der damit gedrückten Stimmung und der Erwartung, den Abend in einem Waschsalon zu verbringen, entschließen wir uns dann: In dem Motel mit der verrotteten Laundry werden wir nicht übernachten! Wir suchen uns jetzt ein richtig gutes Motel. Wir holen unsere Koffer und checken eine halbe Meile weiter in für 79 Dollar + tax in einem Best Western ein.
(Die 49 Dollar bei dem anderen Motel mussten wir natürlich trotzdem zahlen, das war praktisch das Lehrgeld dafür, dass wir uns das Motel vorher nicht besser angesehen hatten. Merke: Wenn schon die Zimmer nicht gut sind, schau Dir vorher die Laundry an!)
Übrigens war der Ortswechsel keine schlechte Entscheidung, wie wir später feststellen. Als wir nochmal gegen Abend vorbeifahren, stehen an den Straßenecken am Motel auffällig unauffällig junge Männer rum - das sah uns sehr nach Straßenstrich(??) aus.)
Na ja, fahren wir erstmal in den Jedediah Smith State Park. Tatsächlich regnet es dort deutlich weniger und wir fahren die ganz nette, aber streckenweise sehr schlechte Howland Hill Road unter den Redwoods. Wir laufen auch einen Loop-Trail zum Stout Grove, wo besonders dicke und hohe Redwoods stehen.
Auf dem Rückweg gehen wir noch am Nordrand von Crescent City an den Strand, da der Regen praktisch aufgehört hat. Allerdings vertreibt uns nach einer halben Stunde noch einmal der Regen. Am Abend waschen wir in der Laundry des Best Western (da stehen die Maschinen in einem Raum!) und gehen noch zu Payless Shoe Source, um unsere Schuhbestände aufzufrischen. Da finden wir auch günstige und gute Schuhe. Wenigstens ein Erfolgserlebnis.
18.09.2002 Redwood NP - Ferndale - Mendocino
Um sechs Uhr sind wir schon wach, da die Dusche des Nachbarn losröhrt.
Immerhin bekommen wir im danebenliegenden Restaurant ein kostenloses Frühstück serviert. Die Freundlichkeit der Kellnerinnen nimmt aber schnell ab, als wir tatsächlich nur das kostenlose Frühstück und nichts sonst wollen. Aus einer Karte können wir unter ein paar Sachen auswählen. Ich bestelle einen “small stack” Pancakes, Monika will aber nichts Süßes und nimmt einen “French Toast”. Ich bekomme einen wirklich sehr kleinen Stack kleiner Pancakes. Monikas “French Toast” entpuppt sich als eine Art fritierte Waffel mit Puderzucker überstreut und entsprechend süß. Was das allerdings mit Frankreich und Toast zu tun haben soll, bleibt uns schleierhaft. Dafür sind die Pancakes kaum süß. So wird man immer wieder überrascht.
Das Wetter ist inzwischen wieder schön, je weiter wir fahren, umso sonniger wird es. Durch den Redwoods NP, in dem noch die Nebelschwaden vom Vortag wabern und im Sonnenlicht zum Teil wunderschöne Regenbögen zu sehen sind, nehmen wir die 101 und den Newton B. Drury Drive. Dort laufen wir mehrere kurze Trails, die uns tiefer in den Wald führen. Am Südausgang besuchen wir am Visitor Center den sehr schönen Strand.
Redwoods im Nebel mit Sonne
Von dort geht es dann erstmal nach Ferndale, das wir ja schon auf unserer ersten Reise gesehen hatten und das einfach schön ist. Die viktorianischen Gebäude, die interessanten Geschäfte, hier verbummeln wir die nächsten eineinhalb Stunden.
Wir fahren dann weiter südwärts, teilweise über die Avenue of the Giants, in der auch viele Redwoods stehen. Leider finden dort fast in jedem Teilstück Straßenarbeiten mit entsprechenden Wartezeiten statt, so dass wir irgendwann doch wieder auf die 101 auffahren, um nicht allzu viel Zeit zu verlieren.
Von der 101 fahren wir dann ab Legett auf den berühmten Highway Nr. 1, die an der kalifornischen Küste entlangführt. Die Strecke von Legett zur Küste hinunter ist wahnsinnig gewunden, eine enge Kurve nach der anderen.
Dafür entschädigt dann der Anblick der Küste unten. Gerade auf der Strecke bis Fort Bragg zeigt sich die Küste mit einzelnen Sandbuchten, Klippen etc. von ihrer schönsten Seite.
(Aufkleber auf dem Auto eines Holzfällers in Fort Bragg: “Enviromentalism is a disease”, also etwa: Umweltschutz ist eine Krankheit. Dummheit aber auch!)
Wir fahren bis Mendocino, das wir gegen 16:00 Uhr erreichen. Mendocino ist einfach ein wirklich schönes Städtchen mit netten (wenn auch teuren) Geschäften und einer hübschen Küstenlinie. Wir bummeln erstmal durch die Geschäfte.
Dann fragen wir im Mendocino Hotel nach einer Garden Suite. Das sind Zimmer in kleinen Gartenhäusern, wunderschön altmodisch eingerichtet und mit offener Feuerstelle. Das hatten wir ja schon bei unserer ersten Reise gehabt und das war einfach toll.
Allerdings hatte ich jetzt im Internet geschaut und da sollten diese Suites 275 Dollar pro Nacht kosten - unerschwinglich. Aber vielleicht geht es im Herbst auch billiger, maximal wollten wir 130 Dollar + tax akzeptieren. Fragen kostet nichts. Erstes Angebot der Dame an der Rezeption: 150 Dollar. Ich zögere und frage, ob das schon mit tax sei? Okay, 130 Dollar plus tax. Damit waren wir uns handelseinig und wir hatten ein superschönes und gemütliches Zimmer.
Nachdem wir an der Steilküste einen sehr schönen Sonnenuntergang angeschaut hatten, lassen wir den Abend mit einer Flasche kalifornischen Weißweins, einem Becher Ben & Jerry`s Eiscreme und einem prasselnden Kaminfeuer ausklingen. Seufz!
19.09.2002 Nordkalifornische Küste - Richtung Lassen Volcanic
Entsprechend sind wir etwas später auf. Da wir ja durch unsere Flucht vor dem Regen einen Tag in Oregon eingespart haben, können wir uns heute Zeit lassen. Wir laufen daher bei strahlendem Sonnenschein erstmal eine Weile an der Steilküste von Mendocino herum und bummeln noch durch die Geschäfte.
Die Küste bei Mendocino
Später fahren wir zur Küste nördlich von Fort Bragg, wo wir uns noch länger an zwei Stränden aufhalten. Die Pazifikküste in diesem Bereich ist einfach wunderschön.
An einem Strand schaue ich so in die Brandung und sehe da etwas aus den Wellen aufragen, das wie ein mittelgroßer grauer Baumstamm aussieht. Und plötzlich bewegt sich dieser “Baum” und taucht ab - ein Seehund! Noch ein paarmal sehen wir ihn wieder auftauchen, bevor er endgültig verschwindet.
Die Pazifikküste
Gegen 15:00 Uhr müssen wir aber langsam weiter Richtung Landesinnnere, da wir morgen den Lassen Volcanic National Park besichtigen wollen. Über die 20 fahren wir in einem ersten, wieder sehr kurvigen Teilstück zur 101 und dann auf einem wesentlich besseren zur Interstate 5, der wir noch ein Stück nach Norden folgen.
Ganz witzig: teilweise fahren wir durch leichten Nebel, da hier abends die Obstplantagen bewässert werden. Gegen 20:00 Uhr reicht es dann und wir checken mit Coupon für 46 Dollar + tax in einem recht guten Days Inn in Corning ein. Allerdings zeigt sich auch hier, dass man sich das Zimmer genau anschauen soll. Vom Hotelparkplatz sah noch alles normal aus, abgesehen von einem hohen Zaun an einem Ende. Beim Blick aus dem Zimmerfenster sehen wir aber über diesen Zaun genau auf einen riesigen LKW-Parkplatz, der genau benachbart ist. Und wie halt die Amis so sind, laufen hier die ganze Nacht die Motoren. Na ja, wir überdröhnen es wieder mit unserer Klimaanlage.
20.09.2002 Lassen Volcanic National Park - Carson City
Zunächst einmal fahren wir noch ein paar Meilen nach Anderson (an der I-5) zum Outlet Shopping. Leider ist dieser Standort nicht besonders überzeugend, es gibt auch einige Leerstände (Outlet-Shopping scheint seinen Höhepunkt überschritten zu haben). Skurril: Ein Geschäft mit etxrem kitischigen christlichen Sachen, “christian supply” genannt, das aber bei den Amerikanern gut ankommt.
Von dort fahren wir zum Lassen Volcanic National Park. Die Fahrt dahin ist ganz hübsch. Auch hierbei handelt es sich um vulkanisches Gebiet, Anfang des 20. Jahrhunderts gab es hier den letzten Ausbruch. Allerdings ist davon praktisch nichts mehr zu sehen.
Zunächst einmal fahren wir nach der Einfahrt im Südwesten zu den Sulphur Works, einer kleinen Gruppe von heißen Quellen, die aber im Vergleich zu Yellowstone doch recht schwach ist. Vom Bumpass Hell Parkplatz gibt es einen sehr schönen Blick auf die Umgebung. Die Wanderung zur Bumpass Hell, einem größeren Feld mit thermischen Aktivitäten, die Hauptattraktion des Parks, sparen wir uns aber. Wir befürchten schlicht und einfach, dass das mit den vergleichbaren Feldern im Yellowstone nicht mithalten kann. So ist es wohl auch!)
Nach Studium der Parkzeitung beschließen wir stattdessen, die Wanderung an den Kings Creek Falls zu machen. Und das ist auch eine wirklich gute Entscheidung. Die Wanderung führt uns ca. 6 Kilometer durch lockeren Kiefernwald erst am sehr hübschen Kings Creek entlang, dann vorbei an dessen schönen Wasserfällen und dann im großen Bogen zurück zum Parkplatz. Unterwegs machen wir noch einen Abstecher zu einem Sifford Lake, der wie ein kleiner runder Pool an einem Berghang im Wald liegt. Sehr schön und absolut einsam. Diese Wanderung können wir durchaus empfehlen.
Kings Creek Falls
Sifford Lake
Abends fahren wir dann noch bis nach Carson City, der Hauptstadt von Nevada (hättet Ihr das gewusst? - Ich auch nicht). Dabei fahren wir durch den dichten Verkehr von Reno, was nicht unbedingt angenehm ist. Warum gerade Carson City? Ganz einfach. Es ist Freitag Abend und da will ich uns das Spielerparadis Reno ersparen. Wesentlich weiter fahren will ich aber auch nicht, da wir dann in die Nähe von Yosemite gekommen wären und da ist auch die Gefahr, dass am Wochenende alles dicht ist. Als Alternative bietet sich dann praktisch in der Mitte Carson City an, wobei auch da die Motels sehr gut belegt sind. Wir bekommen aber für 49 Dollar + tax eines der letzten Zimmer in einem Motel 6.
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