Elfter und zwölfter Tag
Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:
- Die Geheimnisse des Südwesten (22.04-15.05.2004)
- Vorbereitung
- Die ersten beiden Tage
- Der dritte Tag
- Vierter und fünfter Tag
- Sechster und siebter Tag
- Achter Tag
- Neunter und zehnter Tag
- Elfter und zwölfter Tag
- Tage 13 und 14
- Fünfzehnter Tag
- Tage 16 und 17
- Tage 18 und 19
- Tage 20 und 21
- Die letzten drei Tage
(Capitol Reef - Burr Trail - beinahe Cathedral Valley - Goblin Valley - Little Wild Horse Canyon - Buckhorn Wash Pictograph Panel - Moab)
02.05.2004
Am Morgen ist erst mal sämtliches Hotelpersonal für eine halbe Stunde verschwunden. Einfach weg. Was umso netter ist, als im Frühstücksraum der Saftautomat nicht funktioniert und auch andere Sachen fehlen. Irgendwann erscheint dann jemand und kümmert sich darum.
Beim Auschecken frage ich, ob es eigentlich einen Rabatt dafür gibt, dass man vergessen hat, unsere Zimmer zu reinigen. Schließlich haben wir ja eigentlich ein sauberes Zimmer gemietet. Unfreundliche Antwort: Nö. Wenn ich das mit irgendwem diskutieren wolle, solle ich mich doch an den Eigentümer wenden.
Fazit für dieses Motel: Die Zimmer sind immer noch sehr gut. Der Service hat aber drastisch nachgelassen (Betreiberwechsel?). Nicht mehr zu empfehlen. Das nächste Mal suchen wir uns was anderes. Das ist ja auch kein Problem mehr, nachdem es in Torrey inzwischen gut ein halbes Dutzend Motels gibt. Außerdem mache ich sie hier nieder - harhar (haßerfülltes Gelächter).
Auf zum Visitor Center, um mich nach dem Zustand der verschiedenen Straßen zu erkundigen. Klingt inzwischen gut. Nottam Road und Burr Trail: unproblematisch. Cathedral Valley: noch teilweise problematisch. Ich solle einfach so weit fahren, wie ich mich wohl fühle. Und dann umkehren.
Fahren wir erstmal die Nottam Road zum Burr Trail.
Ich finde das echt interessant. Ich war ja nun schon so oft in den Nationalparks und habe mich eigentlich immer brav ans Pflichtprogramm gehalten. Aussichtspunkt hier, Wanderung da, weiterfahren.
Aber insbesondere durch`s Internet und die dort zu findenden Tips ist mir erst klar geworden, dass ich damit 90 Prozent der Parks verpasse - und keineswegs die langweiligen 90 Prozent, sondern manchmal die besten Teile.
So war es auch hier. Die Nottam Road biegt nach ein paar Meilen Richtung Hanksville vom Highway ab. Es handelt sich um eine Gravelroad, die parallel zur Waterpocket Fold durch ein ganz hübsches Tal fährt. Durchaus schon lohnend.
Seht selbst:
Zunächst fahren wir - als wir nach einigen Meilen den Burr Trail erreichen - an dieser Abzweigung vorbei und zwar zum Surprise Canyon. Da ist ein kleiner Parkplatz am Straßenstrand (deutlich ausgeschildert, ca 1. Meile hinter der Abzweigung Burr Trail) und irgendwie klingt das schon gut: Überraschungs-Canyon. Man sieht ca. 500 Meter entfernt in der Felswand einen kleinen Taleinschnitt.
Und da laufen wir jetzt hin. Der Weg geht recht einfach. Man folgt einfach den Spuren. Man erreicht einen ersten kleinen Wash, den man durchquert. Direkt dahinter gibt es einen zweiten kleinen Wash, dem man folgt. Zum Teil gibt es ausgetretene Abkürzungen. Man kann eigentlich nichts falsch machen, da dieser Wash direkt zum Eingang des Canyon führt. Ohnehin ist das hier sehr übersichtlich.
Der Canyon an sich geht nun einige hundert Meter (300? schwer zu schätzen) in die Berge hinein. Zunächst breiter, dann immer schmaler. Irgendwann kommen wir nicht mehr weiter, weil uns Felsblöcke den weiteren Zugang versperren. Aber ein witziger kleiner Ausflug. Maximal eine Stunde hin und zurück, einfach zu gehen und bietet ein bisschen Abenteuer.
Bild gibt es natürlich auch. Allerdings nicht aus dem Canyon selbst, da es dort schwierige Lichtverhältnisse hatte, sondern nur die Aussicht auf den Canyon vom Parkplatz:
Wir fahren zurück zum Burr Trail und folgen ihm. Der Burr Trail verbindet diesen Teil mit dem Bergort Boulder an der Utah 12. Bietet sich also für eine Rundfahrt ab dem Capitol Reef gut an.
Zunächst geht der Burr Trail, der im unteren Bereich eine Gravelroad ist, in scharfen Serpentinen den Berg hoch. Aber nix, wovor man Angst haben müsste - jedenfalls bei trockenem Wetter.
Hier geht`s rauf.
Von oben und im weiteren Verlauf bieten sich tolle Blicke auf die Waterpocket Fold und die weitere Umgebung.
Teilweise fährt man durch einen recht tiefen - wenn ich mich recht erinnere knallroten - Canyon.
Später wird dann die Route asphaltiert und man kommt nach Boulder, von wo wir - mal wieder - über die Utah 12 zum Capitol Reef zurückfahren.
Insgesamt eine sehr lohnende Tour, für die wir mit dem Surprise Canyon ca. dreieinhalb Stunden bei sehr gemächlicher Fahrweise und vielen Stops gebraucht haben. Schöne Ausblicke, ein wenig Abenteuer. Die Route ist sehr gut befahrbar - bei trockenem Wetter. Geländewagen braucht man meiner Ansicht nach nicht. Es gibt zwar ein paar etwas ruppigere Stellen, aber die müsste man auch mit einem normalen Wagen schaffen.
Beim Capitol Reef - mal wieder - angekommen, fahren wir gleich weiter zum Abzweig zum Cathedral Valley. Dieses Tal liegt im Nordteil des Parks, ist nur teilweise erschlossen und bekannt wegen seiner steil aufsteigenden Felsmassive - die eben an Kathedralen erinnern.
Wie meinte noch der Ranger, wir sollten so weit fahren, wie wir uns dabei wohl fühlten. Uns dieses Wohlfühlen endete bereits gleich zu Beginn.
Um zum Cathedral Valley zu gelangen, muss man nämlich einen kleineren Fluß auf einer Furt durchqueren. Diese Furt hat uns der Ranger genau beschrieben. In das Flußbett einfahren, scharfe Kurve nach rechts, im Flußbett ca. 15 Meter möglichst dicht am Rand langfahren, scharfe Kurve nach links, den Fluß durchqueren und das war es.
Was mir aber nicht klar war: Ich bin davon ausgegangen, dass man bei diesem Entlangfahren im Flußbett auf dem Trockenen fährt. Als wir aber dort ankommen, ist das ganze Flußbett mit Wasser gefüllt. Ca. 8-10 Meter breit. Wie tief das Wasser ist, ist nicht zu erkennen, da es wegen der Niederschläge sehr schmutzig ist. Es scheint nicht allzu tief zu sein, aber sicher bin ich mir da nicht.
Und nu? Es gibt frische Reifenspuren. Es müssen also schon Fahrzeuge tatsächlich auf diesem Weg durchgekommen sein. Aber mir ist es total unwohl, hier mit dem Wagen durchzufahren, zumal wir ja nur einen 2WD haben. Was, wenn dem Ranger nicht klar war, wie tief das Wasser ist? Was, wenn das Wasser zu tief ist und wir hier mittendrin stecken bleiben? Wie erklärt man einem Autoverleiher, dass sein Wagen von einem Fluss davongetragen wurde?
Ich könnte natürlich jetzt die Trasse entlangwaten. Mal probieren, wie tief es ist. Aber irgendwie habe ich dazu überhaupt keine Lust. Durch einen eiskalten Fluss waten, dessen Grund nicht zu sehen ist. Nein, entscheiden wir unisono: Schon hier beginnt die Grenze, wo wir uns nicht mehr wohl fühlen. Cathedral Valley, wir besuchen Dich das nächste Mal.
Also ist auch diese Sache gestorben.
Egal, wir wollten abends noch bis Moab und dabei dem Goblin Valley einen Besuch abstatten. Das wäre sowieso eng geworden. Jetzt haben wir genug Zeit dafür.
Also fahren wir einfach über Hanksville Richtung Moab.
Gegen 16:00 Uhr erreichen wir den Goblin Valley State Park. Das ist letztlich ein großes Tal, in dem sich eine Vielzahl von Erosionsformen aus Lehm befinden, die an Kobolde (Goblins) erinnern.
Bei der Einfahrt sehe ich noch ein Schild als Abzweig zu einem Little Wild Horse Canyon. Kommt mir irgendwie bekannt vor, der Name, aber was war das noch? Egal, erst mal das Goblin Valley.
Der Witz ist bei diesem Park: die meisten sehen nur einen winzigen Bruchteil davon. Wenn man nämlich zu diesem Tal kommt, dann laufen 90 Prozent der Leute vielleicht 100 oder 200 Meter hinein. Dann denken sie, dass sie das Wesentliche gesehen haben, und gehen zurück. Dabei fängt der Spaß erst hinten richtig an.
Konkret: Wenn Ihr am Parkplatz steht und entlang des Tals schaut (also vom Parkplatz aus schräg nach rechts), dann seht Ihr im hinteren Bereich dieses Tals, vielleicht 300 Meter entfernt, einen etwas größeren, dreieckigen Hügel, der im Gegensatz zu den ganzen “Goblins” nicht rot, sondern grün ist. Und wenn Ihr diesen hinteren Bereich näher betrachtet, seht Ihr, dass sich dahinten noch viel mehr dieser “Goblins” befinden. Ihr könnt also den vorderen Teil des Tals zügig durchqueren. Sobald Ihr diesen grünen Hügel passiert habt, kommt Ihr in ein zweites Tal, in dem es noch viel mehr “Goblins” gibt. Dagegen ist der vordere Bereich wirklich nichts.
Und da halten wir uns die nächste Stunde auf.
Blick über das Tal. Seht Ihr den grünen, dreieckigen Hügel?
Und so sieht es dann hinter dem grünen Hügel aus.
Oder so.
Bei der Rausfahrt aus dem Park halte ich noch mal beim Einfahrtshäuschen, da ich gesehen hatte, dass es hier auch T-Shirts gab. Haben die tatsächlich, sogar sehr witzige. Und ich frage den Ranger nach dem Little Wild Horse Canyon (LWHC). Mir ist nämlich eingefallen, dass einer im Internet (Reinhold?) mal gemeint hatte, dies wäre sein Lieblingscanyon in den USA.
Bei unserem bisherigen Glück gehe ich davon aus, dass der Ranger jetzt sagt: Der LWHC ist 50 Meilen entfernt, miese Strecke, nur für 4WD und außerdem ist die Straße wegen der Niederschläge bis mindestens Dezember gesperrt. Aber zu meiner Freude sagt er: Klar, kein Problem, ist nur ein paar Meilen von hier. Die Straße ist unproblematisch zu befahren, bis auf einen Wash, aber da kommt man durch.
Meine nächste Frage, ob sich das denn noch lohnt angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit. Klar, meint er, zumindest um einen Eindruck zu bekommen, reicht das.
Also fahren wir dahin. Und das war die beste Idee in unserem Urlaub. Wir erreichen den Trailhead des LWHC sehr schnell, vielleicht eine Viertelstunde. Und tatsächlich ist bis dahin nur ein Wash ziemlich ausgefahren, aber mit Geländewagen gut machbar. Am Trailhead-Parkplatz stehen sogar normale Pkw, die haben es auch geschafft.
Von da gehen wir Richtung des Canyons. Es geht ca. 10-15 Minuten einen Wash entlang, bis man den Canyon erreicht. Hinter uns folgt noch eine Gruppe.
Am Anfang des Canyons gibt es einen Felsabbruch, ca. 1,5 Meter hoch, den man überwinden muss. Wir mühen uns ziemlich und ich bin schon fast soweit, dass ich aufgeben will. Aber dann denke ich an die Gruppe hinter uns und sage mir, dass es doch verdammt peinlich wäre, wenn wir das nicht schaffen würden. Also schaffe ich es, mich in der Mitte hochzustemmen und Monika findet an der Seite einen Felsgrat, den sie langsteigen kann. Und wir sind rüber.
Und das war auch eine super Entscheidung. Lasst Euch von diesem ersten Abbruch nicht abhalten, Ihr verpasst wirklich etwas.
Nach diesem ersten Abbruch geht es zunächst wieder gemütlich einen breiteren Canyon entlang. Nach ein paar hundert Metern teilt sich das Ganze. Links der Bell Canyon, rechts der LWHC. Wir gehen rechts und sind begeistert. Der Canyon wird immer schmaler und abenteuerlicher. Ab und zu ein Abbruch, über den man hinübersteigen muss. Aber gerade so, dass es Spaß macht, nicht zu schwierig, nicht zu einfach.
Angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit entscheiden wir uns dafür, nach Moab zu fahren und am nächsten Tag zurückzukommen. Der Ranger hatte mir noch eine Karte gegeben, aus der sich ersehen lässt, dass man den LWHC hochsteigen, dann zum Bell Canyon queren und den Bell Canyon runtersteigen kann. Klingt nach einem tollen Rundweg.
Also fahren wir jetzt die eineinhalb Stunden nach Moab. Wenn sich jetzt die etwas Ortskundigeren fragen, warum wir bis nach Moab gefahren sind und nicht in einem anderen, näheren Ort abgestiegen sind. Klar, hätten wir machen können. Aber nach einigen Tagen in kleinen Orten wollen wir einfach mal wieder eine Stadt sehen, mit vielen Motels, Läden, Supermarkt etc. Wir haben einfach die Schnauze voll von kleinen Orten.
In Moab angekommen wundere ich mich, wieviel los ist. Ist denn irgendein Festival? Die Motels sind gut belegt, wie man sieht, viele Autos, die Restaurants voll. Was ist denn los?
Nichts ist los, erfahre im La Quinta (ehemals Castle Rock Inn), in dem wir einchecken, das sei für die Jahreszeit normal. Wirklich? So voll hatte ich Moab noch nie erlebt. Allerdings war ich auch noch nie im Frühjahr in Moab, immer nur im Herbst.
Auf jeden Fall dürfen wir für das - tolle und supergroße Zimmer - im La Quinta 75 Dollar plus tax (mit AAA-Rabatt!) bezahlen.
03.05.2004
Also fahren wir heute wieder die 1 1/2 Stunden zurück zum LWHC. Unterwegs hole ich noch Geld. Am Geldautomaten ist zwar kein “Maestro”-Zeichen für die EC-Karte, aber ich probiere einfach - und es geht. (Hat auch später mal bei einem anderen Automaten funktioniert, auf die Symbole kann man sich also nicht verlassen).
Da wir recht spät losgekommen sind, sind wir erst gegen 11:30 Uhr am Trailhead. Wenn man bedenkt, dass wir hier in the middle of nowhere sind, ist sehr viel los. Mindestens 12 Wagen stehen da, aus allen Bundesstaaten. Und das Anfang Mai unter der Woche. Anscheinend ist dies wirklich eine beliebte Zeit, um im Südwesten Urlaub zu machen.
Wir laufen wieder den Wash zum Canyon, steigen über den anfänglichen Abbruch rüber. Nach ein paar hundert Metern wundern wir uns. Sind wir hier wirklich gestern langgekommen? An diesen Abbruch erinnern wir uns überhaupt nicht. Und plötzlich versperrt uns in einem sehr engen Bereich eine große Wasserlache den Weg. Hier waren wir gestern definitiv nicht. Kann es sein, dass wir die Abzweigung in den LWHC verpasst haben? Eigentlich nicht.
Aber wir gehen noch einmal zurück. Und tatsächlich - wir hatten die offensichtliche und breite Abzweigung zum LWHC verpasst. Sind wir denn blind? Naja, wir waren wohl in ein Gespräch vertieft.
Also biegen wir diesmal nach rechts in den LWHC ein und folgen dessen gewundenen Lauf nach oben.
Man kann diesen Weg nicht hoch genug loben. Es ist wirklich ein perfekter Canyon. Mal weiter, dann immer enger werdend. Zum Teil sind die Wände slotcanyonmäßig nur noch 50 cm voneinander entfernt. Dann weitet er sich wieder, man muss über einen Abbruch klettern, dann verengt er sich wieder. Etc. etc. es ist ständig spannend. Und gerade so, dass man es gut schaffen kann.
Lasst Bilder sprechen:
Im oberen Bereich weitet sich der Canyon dann auf 5, dann auf 10, dann auf 15 Metern Breite. Wir treffen noch andere Gruppen.
Langsam werde ich unruhig. Wir sind schon gut 2 Stunden unterwegs. Eigentlich hätte doch schon der Abzweig zum Bell Canyon kommen müssen, den wir dann wieder runterlaufen wollen. Eine entgegen kommende Gruppe beruhigt uns. Es sind noch ein paar hundert Meter bis zum Abzweig, den man auch wegen eines recht großen Schildes kaum verfehlen kann. Und so ist es auch.
In der Mittagshitze ist dieses Wechseln in den Bell Canyon dann etwas mühsam. Denn der Weg geht jetzt offen in einem breiten Tal entlang, zum Teil einer Fahrspur folgend. Ca. 1 Meile, praktisch kein Schatten.
So sieht es in dem “Verbindungstal” aus.
Dafür gibt es hier tolle Farben in den Felsen. Darunter einen Hoodoo mit Brombeer-Lila-Stamm.
Im Bell Canyon können wir wieder teilweise in den Schatten tauchen. Und folgen nun dem Bell Canyon nach unten. Das Gleiche auch hier: Mal breiter, mal enger, Abbruch, breiter, enger, Abbruch.
Ähnlich wie im Little Wild Horse.
Zum Schluss überwinden wir noch die Wasserlache, in dem wir uns an den Felsen auf beiden Seiten entlanghangeln. Je schneller man es macht, desto leichter geht es (ansonsten hätten wir halt durchlaufen müssen).
Toll. Die Wanderung den Bell Canyon entlang, dauert deutlich kürzer - so unser Eindruck. Außerdem ist der LWHC doch schöner, da noch enger und abwechslungsreicher.
Nach ca. 4 Stunden erreichen wir wieder den Abzweig zum LWHC und gehen durch den Wash zurück zum Auto.
Um es nochmal zu sagen: SUPER! Wirklich die beste Canyonwanderung im Südwesten (soweit wir ihn kennen). Antelope Canyon im Großformat. Die Farben nicht so toll, aber 20 mal länger und man muss auch keinem Kartenverkaufswinnetou 20 Dollar in die Hand drücken. Etwas abenteuerlich, aber nicht zu abenteuerlich. Gut zu finden. Jedenfalls wenn es nicht zu heiß ist, wirklich ein tolles Erlebnis. Sollte wirklich jeder machen, der vorbeikommt. Aber Vorsicht: Flashflood-Gefahr. Am Besten vorher im Goblin Valley nach den Wetteraussichten erkundigen. Und kostet weder Eintritt noch braucht man ein Permit.
Praktische Tips: Wenn Ihr den Rundweg machen wollt, solltet Ihr den Bell Canyon hinauf und den LWHC hinunter nehmen. Also im Uhrzeigersinn. Somit habt Ihr die besten Teile im unteren Teil des LWHC am Schluss als Krönung des Ganzen.
Wenn Ihr nicht die vier Stunden habt für den Rundweg, nehmt Euch wenigstens eine Stunde und lauft diese unteren Teile des LWHC ab. Es lohnt sich.
Wir befinden uns hier übrigens im Bereich des sog. San Rafael Swell, einer langgezogenen Erdfalte. Zudem eine der einsamsten Gegenden des ganzen Westens. Sie wirbt damit, dass es hier auf 170 Meilen (also, über 300 km!) keinerlei Tankstellen, Motels etc. an der Interstate 70 gibt. Die längste Strecke in den USA ohne Services.
Mit diesem Gebiet hatte ich bisher wenig anfangen können. Der Ranger vom Goblin Valley hatte uns aber noch eine kleine Karte/Werbefaltblättchen mitgegeben, auf der entsprechende Tips, was man machen kann, verzeichnet sind. (Tolle Karte, besorgt sie Euch vor Ort! Nennt sich “The San Rafael - a visitor`s guide”)).
Monika möchte gerne das Buckhorn Wash Pictograph Panel sehen, also Felszeichnungen der indianischen Urbevölkerung. Klar, können wir machen. Und das war eine gute Idee. Denn so erleben wir die Schönheit dieses Landstrichs.
Nachdem man wieder auf der 24 zurück zur I-70 kommt, folgt man dieser Richtung Westen. Nach wenigen Meilen durchquert man die hier hoch aufgeworfene San Rafael Swell. Eine tolle Gegend mit superschönen Ausblicken. Am Exit 129 (da ist nichts, kein Ort, nur ein sogenannter Ranch-Exit), biegt man ab. Und folgt jetzt einfach der dort befindlichen Gravelroad nach Norden. Eine sehr schöne Landschaft mit kleineren Hügelketten, dahinter höhere Berge, Weideland, kein Haus weit und breit. Die Gravelroad ist aber insgesamt gut befahrbar, selbst mit normalen Pkw. Wie üblich, gibt es mal den ein oder anderen etwas ruppigeren Streckenabschnitt, aber gut befahrbar.
Auf dem Weg zum San Rafael River.
Man folgt nun einfach der Hauptstrecke immer nach Norden, ca. 20 Meilen bis zum San Rafael River. Ich bin ja sonst nicht der Typ mit dem Blick für Campingplätze. Aber hier gibt es wirklich einen supertollen, direkt am Fluß, von Bergen umgeben, abseits von allem anderen. Ganz toll, die Lage.
Über eine Brücke geht es über den San Rafael River und immer weiter geradeaus. Jetzt kommt man in die Buckhorn Wash. Und nach vielleicht 3-4 Meilen kommt rechter Hand unverfehlbar ein Parkplatz und eben das Buckhorn Wash Pictograph Panel.
Das Panel, das auf 50 Metern vielleicht 100 der ca. 2000 Jahre alten Felszeichnungen enthält, ist sehr schön und interessant. Lohnt sich durchaus, wenn man sich dafür interessiert. Dazu in einem sehr schönen Canyon gelegen, kaum ein Mensch weit und breit. Toll!
Das Panel wurde vor einigen Jahren komplett restauriert, nachdem Cowboys etc. hier auf dem Panel ihre eigenen Spuren hinterlassen haben (Namen eingeritzt etc.). Diese Spuren wurden weitgehend beseitigt. Wobei ich mich eines frage: Wir erhalten die indianischen Zeichnungen als Zeichen ihrer Zeit (man beachte die Alliteration: Zei, zei, zei!). Aber die Spuren der Weißen, die ja letztlich auch Zeichen ihrer Zeit sind, beseitigen wir. Sind diese weniger schützenswert? Wer bestimmt das? Und wären spätere Generationen nicht ggfs. froh, auch diese Zeichen der Zeit zu sehen?
Na ja, genug der philosophischen Betrachtungen. Den Ausflug hierher war es wirklich tausend mal wert. Können wir nur empfehlen.
Hier zwei besonders schöne Details des Panels. Ich nenne sie “Engel und Teufel”. Seht selbst:
Inzwischen ist es Abend geworden und uns zieht es nach Moab zurück.
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