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Neunter und zehnter Tag

Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.

Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:

(Bryce - Escalante - Capitol Reef - Hole-in-the-rock-road - Capitol Reef)

30.04.2004

Am nächsten Morgen ist es in Kanab wieder recht schön, sogar die Sonne lässt sich blicken.

Kalt ist es aber immer noch. Als wir zum Bryce fahren, sehen wir, dass auf den Feldern das Wasser aus den Besprühungsanlagen vereist ist und ganze Teile der Felder mit Eis überzogen hat. Ist das Absicht oder einfach nur Gedankenlosigkeit?

Je weiter wir nach oben zum Bryce kommen, desto dunkler wird es wieder, umso mehr ballen sich die Wolken über uns zusammen.

Egal, wir fahren dennoch zum Bryce Canyon National Park. Wir überlegen uns, ob es möglicherweise Schnee auf den Hoodos des Bryce gibt. Da gibt es ja auch sehr schöne Bilder, die roten Hoodos gekrönt vom weißen Schnee.

Und im Red Canyon, durch den man ja kommt, liegt dick Schnee.

Red Canyon

Im Bryce Canyon hat es aber entweder nicht geschneit, oder der Schnee ist schon wieder weg. Insofern werden unsere Hoffnungen also enttäuscht.

Da es oben am Rand des Bryce Canyon durch den starken Wind recht kalt ist, steigen wir über einen Wanderweg in das Labyrinth der Hoodos hinab. Wie immer - sehr lohnend. Und statt vieler Worte - lieber Bilder.

Schlechtes Wetter oben.

Bryce

Schöne Felsen unten.

Bryce

Nach 2 Stunden aus den Tiefen des Bryce zurückgekehrt, begeben wir uns noch zum Ruby`s Inn, dem allumfassenden Laden an der Straße zum Bryce. Wir kaufen ein paar Mitbringsel, lassen unsere Digi-Fotos auf eine CD brennen (kostet 10 Dollar für ca. 400 Fotos und dauert nur wenige Minuten) und besorgen noch ein paar Lebensmittel.

Von da fahren wir auf der fantastischen Strecke Utah 12 in Richtung Osten. An der - gerade im Umbau befindlichen - Rangerstation in Escalante fragen wir nach, ob eine Wanderung zur so genannten Golden Cathedral möglich ist. Diese Golden Cathedral ist eine Art Felsenhöhle, die in den tollsten Farben strahlt, zudem mit einem Loch in der Decke, durch die das Licht einfallen kann. Sieht auf den Fotos toll aus - schaut noch mal bei Steffen.

Und da will ich unbedingt hin, zumal ja unsere Unternehmungen im südlichen Grand Staircase ziemlich ins Wasser gefallen sind.
Das Problem bei der Golden Cathedral ist, dass man dort hinlaufen muss. Und zwar ein paar Kilometer bis zum Escalante Fluss, den man dann - nach Steffens Beschreibung - einmal durchqueren muss. Die bange Frage ist also jetzt: Wieviel Wasser hat der Escalante? Kann man ihn durchqueren?

Antwort der Rangerin: Bisher habe er nur kniehohes Wasser geführt. Aber durch die Niederschläge sei er jetzt wohl hüfthoch und man müsse ihn außerdem “several times” durchqueren, nicht nur einmal.

Na toll, damit hat sich das auch erledigt. Denn durch hüfthohes, eiskaltes Wasser “several times” zu stapfen, kann ich mir sparen.

(Im Nachhinein stellt sich heraus, dass das anscheinend gar nicht gestimmt hat. Steffen hat auf meine Nachfrage steif und fest erklärt, auf der von ihm beschriebenen Wanderroute müsse man nur einmal durchs Wasser. Und es sei unmöglich, dass es dort hüfthohes Wasser gebe. Der Fluß könne nur breiter werden durch Niederschläge, nicht (wesentlich) tiefer. Ja super, dann hätten wir es ja doch machen können….)

Unsere (bzw. insbesondere meine) Laune wird langsam fatalistisch. Kann ich denn überhaupt noch was machen hier?

Und sie wird auch beim nächsten Erlebnis nicht besser. Wir wollen in dieser Gegend noch einen ganz besonderen Ort aufsuchen. Ich will jetzt nicht erklären, worum es geht, es ist besonders schutzenswürdiger Ort. Und ich halte nix davon, einen umfassenden Bericht darüber einzustellen und nachher zu schreiben: “Aber wie Ihr dahin kommt, das erzähle ich Euch nicht”. Alles oder nix.
Das Wesentliche ist: wir finden den Ort einfach nicht.

Dabei las sich die Wegbeschreibung so einfach und klar. Wir finden auch den richtigen Abzweig von der Utah 12 ohne Probleme. Wir folgen der Wegbeschreibung einige Meilen und finden alles bestätigt. Aber dann am entscheidenden Punkt heißt es so ungefähr: “Und dann kommt ein Hügel, da biegt Ihr direkt auf eine Fahrspur nach rechts ab und schon seid ihr da.”
Nur: erstens kommt da kein Hügel, bzw. es sind viele Hügel, und zweitens biegt in der ganzen verdammten Gegend von der Strecke keine Fahrspur ab. Ja sind wir denn blöd? Wieder und wieder fahren wir die Strecke ab, erkunden es teilweise zu Fuß. Wir wissen, dass wir nur ein paar hundert Meter entfernt sind vom Ziel und finden es einfach nicht.

Das Problem bei Wegbeschreibungen ist einfach, dass es sehr schwierig ist, diese so zu fassen, dass auch ein Dritter sie wirklich versteht. Wenn man die Route kennt, ist es kein Problem. Aber wer sie nicht kennt, der überlegt sich dann: Ist dieser Felsen jetzt schon der Hügel? Oder erst der da hinten? Und an dem betreffenden Hügel, geht da die Fahrspur vor dem Hügel nach rechts oder dahinter?

Und das schlimmste: Ich habe sogar GPS-Koordinaten dieses Punktes. Nur komme ich mit meinem GPS-Gerät nicht klar.
Ich hatte nämlich nur eine Kurzanleitung für das Gerät mitbekommen, nicht das ausführliche Handbuch (was mir aber erst nach dem Urlaub aufgefallen ist). Und in dieser Kurzanleitung stand nicht drin, dass man eben auch einen Punkt per Koordinaten ansteuern kann. Und daher bin ich davon ausgegangen, dass es diese Funktion nicht gibt, zumal ich beim Ausprobieren die Funktion nicht gefunden hatte. Inzwischen habe ich mich aber von GPS-Profis belehren lassen, dass es sie gibt und ich sie nur nicht gefunden hatte. Peinlich.

Was gibt es für Euch daraus zu lernen? Wenn Ihr Euch ein GPS-Gerät kauft, sollte auch ein Handbuch dabei sein.

Wir fahren jetzt erstmal zum Capitol Reef National Park. Den Park gibt es, ich weiß wo er ist und man muss nicht durch Flüsse. GPS brauche ich auch nicht. Sollte also zu schaffen sein - selbst für mich.

Die Fahrt dahin ist - wie immer über die Utah 12 - sehr schön. Gerade die Strecke zwischen Escalante und Torrey bietet wirklich alles an Natuschönheiten, das man sich denken kann. Schluchten, Felsen, Berge, oben viel Schnee, tolle Ausblicke etc. etc. Eine der schönsten Strecken im Südwesten.

Im Park angekommen fahren wir im Wesentlichen den Scenic Drive entlang. In der Abendsonne - und wir fast alleine auf der Straße - sieht die Waterpocket Fold noch schöner aus als sonst.

capi1

In den asphaltierten Washes des Scenic Drive läuft ein bisschen Wasser, durch den hiesigen Sandstein hellrosa gefährt. Beim Durchqueren der Washes bekommt unser Auto entsprechend in der ganzen Länge rosa Rallyestreifen.

Im uns bekannten Holiday Inn Express in Torrey bekommen wir das Zimmer für 57 Dollar + tax mit AAA-Rabatt. Eigentlich ganz schön teuer, wenn man bedenkt, dass das Motel höchstens zu einem Viertel belegt ist. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Motelpreise deutlich angezogen haben.

Abends vor der Glotze fällt mir noch etwas auf: Beim Zeigen dieser Folterfotos (also die, bei denen die Amis irgendwelche Irakis gefoltert haben) werden die mutmaßlichen Täter voll gezeigt, kein schwarzer Balken übers Gesicht. Hingegen die nackten Hintern der irakischen Opfer werden verdeckt. Weil es so anstößig ist??? Die spinnen, die Amis.

01.05.2004

Am nächsten Morgen hat das Wetter deutlich aufgeklart, die Sonne scheint. Hoffnung keimt auf.

Wir fahren zum Visitor Center und erkundigen uns nach dem Zustand des Burr Trail sowie der Zufahrten zum Cathedral Valley. Beides gesperrt. Die Straßen sind durch die Niederschläge unpassierbar. Morgen noch mal nachfragen. War ja klar.

Egal, davon lassen wir uns nicht die Laune verderben. Wir steigen heute auf zu den Navajo Knobs.

Was sind die Navajo Knobs? Wenn man am Visitor Center steht und nicht in Richtung Scenic Drive schaut, sondern in die andere Richtung auf die Waterpocket Fold, dann sieht man oben auf der Fold so kleine Hügel. Das sind die Navajo Knobs.

Das Foto macht es hoffentlich etwas deutlicher.

Da geht`s rauf!

Capu

Und da kann man hochwandern und soll von dort einen 360-Grad-Rundumblick haben über die ganze Gegend. Machen wir.

Vom Trailhead laufen wir zunächst zum sogenannten Rim Overlook. Das geht im ständigen Steigen den Berg hinauf. Die Ausblicke sind es aber auch wirklich wert. Je höher man steigt, umso mehr sieht man von der Umgebung.

Am Rim Overlook kann man entweder umdrehen oder - wie wir - zu den Navajo Knobs weiterlaufen.

Die Sonne scheint, aber es ist noch nicht heiß. Insgesamt 3 Stunden brauchen wir für den Aufstieg. Als wir uns dem Endpunkt der Wanderung nähern, sehen wir dann auf diesem kleinen Hügel auf dem Rim andere Wanderer. Wie kommt man jetzt da hoch? Ah ja, an der Rückseite geht es recht steil nach oben, fast schon klettermäßig. Aber nur ca. 30-40 Meter, schon ist man oben. (Für Leute mit starker Höhenangst also nix).

Und die Ausblicke von hier oben sind tatsächlich toll. Man hat wirklich fast einen Rundumblick über die ganze Landschaft. Auf die Waterpocket Fold, die verschiedenen Bergketten der Umgebung etc.

Ein Bild vom Aufstieg.

capi2

Und von oben.

capi3

Nach ca. 45 Minuten oben auf dem Aussichtspunkt steigen wir den gleichen Weg wieder herunter, dafür brauchen wir an die 2 Stunden, so dass wir gegen 15:30 Uhr wieder unten sind.

Gesamteindruck: Ein schöner und empfehlenswerter, aber auch recht anstrengender Weg. Eher etwas für die, die gerne wandern und viel Zeit haben. Für die, die weniger Zeit haben, bietet es sich an, am Rim Overlook, der etwas schwächere Ausblicke bietet (insbesondere kein 360-Grad-Blick), umzudrehen.

Was machen wir jetzt noch? Burr Trail und Cathedral Valley fallen ja aus. Fahren wir doch einfach zur Hole-in-the-Rock-Road (weiterhin: HRR) bei Escalante. Ist zwar ein ganzes Stück dahin, aber wir haben Zeit und hier nichts mehr zu tun.

Gesagt, getan. Gegen 17:00 Uhr sind wir in Escalante an der Einfahrt zur HRR. Unterwegs habe ich festgestellt, dass meine ganzen Unterlagen zur HRR natürlich im Hotelzimmer liegen. Wo sonst.

Egal, fahren wir einfach mal.

Um es vorwegzunehmen: wir werden recht enttäuscht. Ich hatte mir die HRR etwa so vorgestellt wie die Cottonwood Canyon Road, d.h. etwas wilder und rauher, durch schöne Landschaft. Das ist aber überhaupt nicht der Fall, zumindest auf den ersten 20 Meilen, die wir fahren. Die HRR ist - wenigstens auf dieser ersten Strecke - eine sehr breite und gut ausgebaute Gravel Road, unproblematisch zu befahren, die durch ein breites, wenig interessantes Tal führt.
Da Wochenende ist, kommen uns wirklich Dutzende von Fahrzeugen entgegen. Irgendwie nicht das, was wir erwartet hatten.

So sieht es da aus.

hitr

Nach ein paar Meilen kommt dann der ausgeschilderte Abzweig zum Devils Garden. Das ist nun wirklich schön mit seinen absolut verrückten Felsskulpturen, zwischen denen man herumlaufen kann. Seht selbst:

dega1

Die weitere Fahrt auf der HRR bringt aber wirklich nichts Spannendes. Ist mir nicht ganz klar, ob das später noch besser wird oder sich die HRR nur als Ausgangspunkt für Wanderungen lohnt (etwa zur erwähnten Golden Cathedral).

Irgendwann brechen wir ab und fahren nach Torrey zurück.

Unser Zimmer im Motel ist nicht gemacht - hat man vergessen. Wir bekommen wenigstens an der Rezeption frische Handtücher.





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