Sechster und siebter Tag
Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:
- Die Geheimnisse des Südwesten (22.04-15.05.2004)
- Vorbereitung
- Die ersten beiden Tage
- Der dritte Tag
- Vierter und fünfter Tag
- Sechster und siebter Tag
- Achter Tag
- Neunter und zehnter Tag
- Elfter und zwölfter Tag
- Tage 13 und 14
- Fünfzehnter Tag
- Tage 16 und 17
- Tage 18 und 19
- Tage 20 und 21
- Die letzten drei Tage
(Page - Pipe Spring NM - St. George - Zion NP - Bryce)
27.04.2004
Wir hatten uns inzwischen Gedanken gemacht, was wir weiter machen wollten. Eigentlich hatte ich geplant, noch länger im Bereich des südlichen Grand Staircase zu bleiben und zum Beispiel das White Valley, den Sidestep Canyon etc. zu besuchen.
Das Problem war nur, dass uns noch deutlich die Tour in den Grand Canyon in den Knochen steckte. Die Wanderung zur Wave - die wir uns natürlich keineswegs entgehen lassen wollten, gerade da wir so unerwartet Permits bekommen hatten - war deshalb gerade für Monika noch recht anstrengend gewesen. Insofern haben wir relativ wenig Lust, viel zu wandern o.ä. Unser heutiges Motto: “Auto fahren gut, Laufen bäh!”
Wir beschlossen daher, zunächst zum Zion National Park zu fahren und dann später vom Bryce Canyon wieder in den Bereich des südlichen Grand Staircases zurückzukommen. Letztlich war es ja egal, wann wir was machten.
Gesagt, getan. Nachdem wir ein paar Postkarten bei der Post weggebracht hatten - es gab da sogar einen Drive-Through-Briefkasten, wo man ohne aus dem Auto zu steigen, seine Post einschmeißen kann! - fuhren wir über die 89 zunächst nach Kanab und dann nach Fredonia.
So richtig hatte ich mir nicht überlegt, was wir heute tun sollten und so überraschte es mich etwas, bei Fredonia einen Abzweig zum Grand Canyon zu sehen. Klar: Zum North Rim, dem nördlichen Rand, natürlich.
Kurze Überlegung: sollen wir da hin? Den South Rim kennen wir zur Genüge, beim North Rim war ich bisher einmal gewesen, Monika noch gar nicht.
Warum eigentlich nicht? Lass uns hinfahren.
Aber schon nach wenigen Meilen sehe ich ein Schild, dass die Zufahrt zum North Rim gesperrt sein würde. Ja klar, der North Rim, der deutlich höher liegt als der South Rim ist ja bis Mitte Mai zu. Gott sei Dank haben die gleich am Anfang der Strecke das Schild hingestellt, sonst hätten wir ziemlich dumm geschaut.
Also zurück nach Fredonia und auf der 389 weiter Richtung St. George.
Aus der Karte entnehme ich, dass hier ein Pipe Spring National Monument sein soll. Nie gehört, was ist das denn? Auch im Reiseführer kein Wort dazu. Fahren wir doch einfach mal vorbei. Eilig haben wir es ja nicht.
Das Ganze stellt sich als ehemalige Mormonenmission dar, die hier im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Mit einem mittelgroßen, stark befestigten Haus und einigen Nebengebäuden. Der Führer erklärt uns und den anderen Besuchern die Geschichte dieser Mission. Er macht das sehr gut, beschreibt sehr interessant das Leben und den Alltag der Bewohner etc. Wirklich gut gemacht.
Das Ganze ist nicht der große Reißer, aber eine ganz nette Abwechslung. Wenn man vorbeikommt, kann man mal vorbeischauen. Dauert ca. 1 Stunde inklusive Führung durch das Haus. Wenn man nicht vorbeikommt, muss man dafür aber auch keine Umwege machen.
Über Hurricane fahren wir weiter nach St. George, wo es das Zion Outlet gibt. Ich brauche Jeans und die finde ich hier auch für Preise zwischen 19 und 29 Dollar. Selbstverständlich, lieber Zoll, in den Grenzen der Zollfreiheit.
In einer nahegelegenen Mall gehen wir auch noch bummeln. Ich finde es ja immer toll, was es für Kitsch in diesen USA-Läden gibt. Neben diesen ungemein süßlichen Schildern nach dem Motto “Liebste Mutter, Du hast für uns immer alles getan, blabla” tut es mir diesmal eine ca. 40 hohe Skulptur eines geflügelten Pferdes besonders an. Die Flügel bewegen sich und werden farbig angeleuchtet. Wer kauft sich sowas?
Wir fahren dann zum Kolob Canyon, einem Teil des Zion National Park. Den erreicht man aber nicht beim Haupteingang. Vielmehr fährt man von St. George die Interstate nach Norden (20 Meilen?), bis es eine eigene Ausfahrt zum Kolob Canyon gibt. Kurz vor 17.00 Uhr sind wir da. Die Ranger Station schließt gerade, aber die Straße in den Canyon bleibt offen. Also fahren wir auch rein.
Auf einer Stichstraße geht es mit vielen Kurven den Hang des Canyon entlang. Als wir um eine Ecke rumkommen, sehen wir einen großen Greifvogel (Adler?) auf der Straße, der an etwas Schlauchähnlichem zieht. Hat der sich in einer Schnur verfangen? Nein, als er auffliegt, sehe ich, dass es eine Schlange ist, die er offenbar gerade verspeisen will.
Die Ausblicke in den Kolob Canyon sind nicht sonderlich toll, ganz nett, aber nichts Besonderes. Am Ende kann man noch einen kurzen Hike (1 km) zu einem Aussichtspunkt machen, der aber meiner Meinung nach nicht viel Neues bringt.
Blick auf den Kolob Canyon
Es gibt andere Homepages, die diesen Kolob Canyon besonders loben, aber ich würde mich da nicht anschließen. Kann man sich meiner Meinung auch sparen.
Wir fahren über St. George nach Springdale zum (eigentlichen) Eingang des Zion National Park. Da es schon langsam Sonnenuntergang ist, überlegen wir, was wir noch machen wollen. In den eigentlichen Canyon zu fahren, wo man ohnehin nur mit Shuttle hinkommt, lohnt sich nicht mehr. Also fahren wir zum Canyon Overlook, von dem man nach einer kleinen Wanderung einen hübschen Ausblick haben soll.
Schon die Fahrt dahin ist sehr schön, da sich hier die Straße in Serpentinen zuerst einen Berg hinaufschlängelt mit tollen Ausblicken auf das Tal.
Danach geht es in einen langen Tunnel. Direkt (wirklich direkt) nach dem Tunnel ist dann ein kleiner Parkplatz. (Solltest Du ihn verpassen oder er voll sein, gibt es auch noch mal 200-300 Meter weiter einen Parkplatz, musst halt nur dann zurücklaufen.)
Der Trail an sich zu dem Canyon Overlook ist absolut witzig. In einem kleinen Canyon steigt man an einer Seite lang. Zum Teil über einen schmalen Steg, darunter 10 Meter Abgrund, durch einen Alkoven, also eine kleine Felsenhöhle, etc. Allerdings ist der Weg nicht ganz einfach zu gehen, er ist sehr rauh mit vielen Steinen und Stufen und Sand. Gute Schuhe sind hier durchaus zu empfehlen.
Der Weg an sich ist vielleicht eine Meile lang, aber wirklich interessant. Er endet dann an einem Felsvorsprung direkt über dem Tal, auf das man einen tollen Blick hat. Es ist auch gerade Sonnenuntergang. Allerdings hemmt das auch ein bisschen die Sicht, denn man blickt, wenn man aufs Tal schaut, genau in die Sonne. (Und mit Fotos ist es dann natürlich auch nichts).
Und das hätte ein magischer Moment sein können. Es ist angenehm warm, die Sonne wird bald untergehen. Vögel kreisen über dem sehr schönen Tal. Ein Moment, den man nie vergisst.
Wenn nicht, ja wenn nicht zwei dämliche Deutsche da wären. Mecklenburger, wie aus dem Gespräch herauszuhören. Und das heraushören ist kein Problem, da sie sich extrem lautstark unterhalten.
Sie sitzen da, würdigen den Sonnenuntergang keines Blickes (warum sind die eigentlich hier?) und quatschen über Banalitäten. Zum Beispiel über ihren Chef, diesen Widerling, der tatsächlich von ihnen verlangt, dass sie freundlich zu den Kunden sein sollen und das auch noch überprüft. Unerhört sowas, Stasi-Methoden.
Diese menschlichen Heulbojen killen die ganze Stimmung. Danke schön. Wir sehen noch der Sonne zu, wie sie hinter den Bergen versinkt und gehen dann sofort wieder. Warum gibt es für solche Typen eigentlich nicht die Todesstrafe? Oder wenigstens lebenslänglich USA-Verbot? Termiten in den Hosen??
Menschliche Heulbojen…

Zurück in Springdale wollen wir uns ein Motel für die Nacht suchen. Springdale ist - im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Touristenstädten - recht nett angelegt, mit schönen Häusern. Und die Lage, direkt am Eingang des Zion ist natürlich schon Gold wert.
Apropos Gold wert. Das sind auch die Motelpreise hier. Obwohl April, unter der Woche und die Motels mit Sicherheit nicht besonders gut belegt sind, verlangt man ohne mit der Wimper zu zucken, 80-100 Dollar pro Zimmer. AAA-Rabatt schon drin. Plus tax, natürlich. Als ich in einem Motel versuche, den Preis runterzuhandeln, wird die Rezeptions-Tussi richtig zickig. Den Preis oder keinen.
Well, Springdale, fuck you.(Wo liegen denn dann die Preise im Sommer??)
Bevor ich solche Preise zahle, fahre ich lieber nach Hurricane zurück. In 25 Minuten sind wir da und bekommen in einem Super8-Motel das Zimmer für 56 Dollar plus tax. Na, geht doch.
28.04.2004
Am nächsten Morgen habe ich erhebliche Magen-Darm-Probleme. Mit Tabletten aus dem Supermarkt kann ich zwar was unternehmen, aber mit rumlaufen ist heute nicht viel drin.
Wir sind früh auf und sind schon um 08:30 Uhr in Springdale. Der Grund dafür: Da der Zion Canyon nur noch mit Shuttleservice zu erreichen ist, müssen alle Touristen in Springdale parken. Und da sind dann schnell alle Parkplätze dicht. Schilder stehen daher an den Straßen nach Springdale: Von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr sind alle Parkplätze vergeben.
Als wir dann aber hinkommen und am Visitorcenter parken, sind wir praktisch die einzigen. Also ist das wohl nur in Hauptsaison so schwierig, einen Parkplatz zu finden. (Selbst als wir mittags zurückkommen, sind noch Parkplätze frei).
Mit dem Shuttle fahren wir vom Visitor Center in den eigentlichen Canyon. Unser Fahrer, ein netter, unterhaltsamer Kerl, erzählt über Lautsprecher einiges zum Zion Canyon, seiner Geschichte, Geologie etc. Zum Shuttle-Service, der vor ein paar Jahren erst eingerichtet wurde, erzählt er, dass sich zuvor bis zu 4.000 Autos an einzelnen Tagen im Canyon getummelt hätten. Bei 400 Parkplätzen. Was das bedeutet, kann sich jeder ausmalen.
Seit der Einführung des Services hat sich der Nationalpark deutlich erholt. Abgase, die zuvor ein echtes Problem waren, spielen keine Rolle mehr, es kommen wieder mehr Tiere ins Tal etc.
(Man muss davon ausgehen, dass auch in anderen, stark frequentierten National Parks in Zukunft nur noch Shuttle-Service verkehren werden. Konkrete Planungen gibt es für den Grand Canyon und Yosemite).
Im Tal selbst ist es wegen der noch schwachen Sonneneinstrahlung ganz schön kalt. Erst als die Sonne über die Berge kommt, wird es schnell wärmer.
Wir fahren zunächst mit dem Shuttle bis zum Endpunkt der Straße und laufen von dort bis zu den Narrows des Virgin Rivers. Der Virigin River ist ein kleiner Fluß, der durch den Zion Canyon fließt (und ihn wohl auch geschaffen hat). Und am Ende des Tales hat sich dieser Fluß in ein schmales Tal eingegraben, vielleicht 10 Meter breit und füllt dort die ganze Breite aus. Hunderte von Meter Felswände steigen steil an den Seiten auf.
Wer will, kann hier auch den Fluß hinaufwaten, soweit er Lust hat. Natürlich nicht gerade, wenn Flashfloods drohen, sonst wäre es absolut lebensgefährlich.
Wir verzichten darauf. Ich hatte das vor einigen Jahren mal gemacht und fand es ziemlich nervig. Klar ist es irgendwo witzig, durch ein Bachbett zu stapfen und rechts und links sind hohe Felswände. Aber das Waten im Fluß ist sehr anstrengend, zumal der Untergrund mit Steinen bedeckt ist. Man kommt nur sehr langsam voran.
Wir laufen daher den aspaltierten und durchaus lohnenden Weg zum Endpunkt der Straße zurück. Wir fahren mit einem Shuttle zur Haltestelle Grotto zurück. Und von da an laufen wir bis zum Visitor Center in der Mitte des Tales. Der Weg dahin ist sehr schön, geht immer am Rand des Flusses entlang, der sich hier durch das Tal schlängelt. Wiesen, Bäume, Fluss - sehr nett.
Typischer Blick im Zion.

Ich war ja schon zwei Mal allein im Zion Park und hatte ihn eigentlich nicht besonders gut gefunden. Fand ihn ziemlich langweilig. Ob sich inzwischen mein Blickwinkel geändert hat, weiß ich nicht. Diesmal finde ich ihn sehr reizvoll. Die hohen Felswände links und rechts in den verschiedenen Farben, das nette Tal dazwischen mit Fluß, Wiesen und Bäumen - einfach schön. Man kann nachvollziehen, warum die mormonischen Siedler dieses Tal für das Paradies (Zion) hielten.
Auf eine Wanderung hinauf in die Berge - auf Angel`s Landing oder den Observation Point - verzichten wird. Erstens tun uns immer noch die Beine weh, zweitens geht`s mir ja auch nicht so besonders. Wir machen noch eine kurze Wanderung zu den Emerald Pools, mehreren Teichen, die sich zum Teil in Wasserfälle ergießen. Ganz nett, strengt mich aber wegen meines Gesundheitszustandes doch ziemlich an.
Gegen 12:30 Uhr verlassen wir das Tal mit dem Shuttle.
(Mehr Fotos gibt es nicht. Es ist recht schwierig, im Tal gute Fotos zu machen, weil eigentlich immer ein Baum im Weg steht. Oder ein japanischer Tourist…)
Was jetzt tun? Mir geht es immer noch nicht richtig gut. Also fahren wir einfach noch mal nach St. George und bummeln noch ein bisschen durch die Geschäfte. Damit können wir uns immer die Zeit vertreiben.
Anschließend fahren wir wieder durch den Zion Richtung Bryce Canyon. Eine wirklich sehr schöne Strecke, gerade die ersten 10 Meilen nach dem Tunnel sind wirklich wunderschön mit tollen Felsformationen. Darunter auch die bekannte Checkerboard Mesa.
Die Checkerboard Mesa.
Inzwischen hat es stark aufgefrischt. Der Wind wird immer stärker. Der Wetterbericht erzählt von einer heranrückenden Kaltfront mit Sturm und Schnee in höheren Lagen. Egal, wir fahren weiter.
Gegen 17:30 erreichen wir den Bereich des Bryce Canyon, wo wir uns zunächst ein Motel suchen. Beim Durchfahren von Panguitch sehen wir Harold`s Place, wo es kleine Cabins gibt. Das sind also kleine Holzhäuschen, die jeweils Zimmer und Bad enthalten. Diese einzelstehenden Häuschen haben den Vorteil, dass man wenigstens nichts von den Nachbarn mitbekommt, was ja sonst durchaus ein Problem in Motels sein kann.
Schon als wir anhalten, stürzt die Besitzerin heraus und erklärt, dass sie die schönsten, saubersten und billigsten Zimmer in der ganzen Gegend hätten. Wir sehen uns eine solche Cabin an. Und es ist tatsächlich nett und sehr sauber. Nehmen wir, zumal der Preis nur 45 Dollar + tax ist. Frühstück gibt es nach den Aussagen der Besitzerin dann direkt nebenan im Restaurant. Alles klar.
Wir haben jetzt aber keine Lust, den ganzen Abend in der Cabin rumzusitzen und fahren daher noch die paar Kilometer in den Bryce Canyon National Park.
Da gibt es im Augenblick große Bauarbeiten an den Straßen, aber wegen der geringen Besucherzahl derzeit ist das kein Problem. Der Park an sich ist schön wie immer. Allerdings ist es sehr, sehr windig und kalt geworden.
Hoodos in Vollendung im Bryce Canyon.
Als wir dann noch gewaltige Wolkenberge heranstürmen sehen, verlassen wir den Park schon nach kurzer Zeit wieder und ziehen uns in unsere Cabin zurück. Während draußen der Wind heult, verbringen wir den Abend vor dem Fernseher.
So sah es plötzlich aus.
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