Tage 18 und 19
Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:
- Die Geheimnisse des Südwesten (22.04-15.05.2004)
- Vorbereitung
- Die ersten beiden Tage
- Der dritte Tag
- Vierter und fünfter Tag
- Sechster und siebter Tag
- Achter Tag
- Neunter und zehnter Tag
- Elfter und zwölfter Tag
- Tage 13 und 14
- Fünfzehnter Tag
- Tage 16 und 17
- Tage 18 und 19
- Tage 20 und 21
- Die letzten drei Tage
(Grants - Wild Spirit Wolf Sanctuary - Chaco Canyon - Albuquerque - Kasha Katuwe Tent Rocks - Albuquerque - Petroglyph NM)
09.05.2004
Heute wollen wir zunächst Wölfe besuchen. Wir hatten nämlich mal eine Fernsehsendung gesehen, wo die “Candy Kitchen Rescue Ranch” gezeigt wurde. Hier werden Wölfe aus menschlicher Gefangenschaft befreit und - soweit möglich - artgerecht gehalten. Und die wollen wir besuchen.
Wie kommt man dahin? Von Grants fährt man auf die 53 in Richtung El Morro und Ramah. Die Strecke zieht sich ziemlich. Nach 45 Meilen erreicht man El Morro, ich meine jetzt den gleichnamigen Ort, nicht das Monument. Ca. 2 1/2 Meilen weiter geht es dann links (nach Süden) ab auf die 125 (Ausschilderung Mountain View). Nach 8 Meilen geht es dann rechterhand auf die 120 (hier war glaube ich auch ein Schild zu den Wölfen). Und auf dieser sehr gut fahrbaren Gravelroad geht es noch 4 Meilen. Ein Schild gibt es da nicht, aber man erkennt die Ranch ganz einfach an ihren Drahtgehegen, die fast direkt linkerhand an der Straße sind. Hier parkt man und betritt das Büro.
Wir werden da auch freundlich empfangen. Wir wollen eine Tour machen und sofort wird eine Freiwillige herbeibeordert, die uns rumführt. Zunächst klärt man uns auf, dass man das Ganze umbenannt hat, da der bisherige Namen mit dem “Candy Kitchen” (so heißt hier die Gegend) die Leute verwirrt hat. Jetzt heißt es offiziell “Wild Spirit Wolf Sanctuary”.
Diese private Einrichtung nimmt sich Wölfen an, die in menschlicher Gefangenschaft schlecht gehalten werden. Die Tiere werden hier aufgenommen und möglichst artgerecht gehalten. Es gibt in den USA nämlich Tausende von Wölfen, die in menschlicher Gefangenschaft leben, oft in Zwingern oder Kellern unter miserablen Bedingungen.
Im Unterschied zu anderen Einrichtungen kümmert man sich hier auch um Wolfshunde, also Mischungen aus Wölfen und Hunden. Es gibt nämlich leider einen Trend in den USA, Wolfshunde gezielt zu züchten. Klingt ja auch irgendwie toll, Hunde, die stark sind wie Wölfe.
Es gibt dabei nur ein Problem: Wölfe schließen sich in aller Regel nicht an Menschen an, sie ziehen sich vor ihnen zurück. Und bei den Wolfshunden kann man nie sagen, ob die Welpen nun mehr hund- oder mehr wolf-ähnlich werden. Das hängt auch nicht mit dem Mischungsgrad zusammen, also dass z.B. ein 75-prozentiger Wolfshund sich nun auch 75-prozentig wolfsmäßig verhält. Es gibt Wolfshunde, die fast nur Wolf sind, die sich aber wie Hunde verhalten, und Hunde, die nur wenige Prozent Wolf in sich haben, die trotzdem wie Wölfe sind. Und je wolfsähnlicher diese Wolfshunde sind, desto schwieriger sind sie zu halten. Sie scheuen den Menschen, sie neigen zu sehr dominantem Verhalten, sie sind nicht zur Stubenreinheit zu erziehen etc.
Wolfshunde sind auch sehr schlechte Wachhunde. Denn da sie Menschen scheuen, wird ein Wolfshund, wenn er als Wachhund eingesetzt wird, sich vor einem möglichen Einbrecher zurückziehen. Da Wölfe auch nicht bellen, wird ein Wolfshund auch nicht den Einbrecher “verbellen”.
Dummerweise merken die Leute die Probleme mit den Wolfshunden halt erst zu spät, wenn sie erwachsen sind. Und dann haben sie einen “Hund”, der überhaupt nicht hundemäßig ist. Im besten Fall übernimmt dann “Wolf Sancutary” diese Wolfshunde.
Insgesamt sind derzeit etwa 70 Wölfe und Wolfshunde in der Einrichtung, die im Wesentlichen von Freiwilligen betreut werden. Mit Spenden kommt man gerade so über die Runden. Fast täglich müssen aber Leute abgewiesen werden, die hier ihre Wölfe/Wolfshunde abgeben wollen - kein Geld.
Unsere Führerin, eine 18jährige Freiwillige aus Seattle, zeigt uns die Anlage, erklärt uns, wie Wölfe sich von Wolfshunden unterscheiden lassen und erzählt die Geschichten der einzelnen Tiere. Einzelne Wolfshunde sind so hunde-ähnlich, dass sie an ausgewählte Familien abgegeben werden können. Andere sind absolut menschenscheu und lassen niemanden an sich ran.
Das hängt natürlich auch von ihrer Vorgeschichte ab. Ein Wolf, der jetzt hier Zuflucht gefunden hat, gehörte einem Fotografen und war einer der meistfotografierten Wölfe in den USA. Und damit der Wolf auch in “niedliche” Posen ging, wurde er dazu geprügelt. Gut, nicht? Und außerdem wurde er zur Zucht von Wolfshunden missbraucht. Aber eines Tages, als der Fotograf mal wieder einen Wurf Welpen zum Verkaufen abtransportieren wollte, hatte der Wolf genug und griff ihn an. Gut gemacht.
Zum Schluss dürfen wir noch ein bisschen wolfsmäßig heulen und die ganzen Wölfe und Wolfshunde stimmen ein. Toll.
Ein interessanter Ausflug. Wie hinterlassen natürlich eine Spende und verlassen nach ca. 1 1/2 Stunden das Wolf Sanctuary. Genauere Infos findet ihr hier.
Von hier müssen wir jetzt leider den ganzen Weg nach Grants zurück und dann zum Chaco Canyon weiter. 3 Stunden kostet uns das. Wir fahren über den Südeingang in den Park. Um 15:30 erreichen wir das Visitor Center.
Hier ist eine junge Frau als Freiwillige (Volunteer) tätig, die gerade einem amerikanischen Paar Tips gibt. Ich höre zu und merke, dass die junge Frau total mit deutschem Akzent spricht.
Als die Amis dann weg sind, frage ich: “Are you german?”. “Yes” “Oh, gut, dann können wir uns ja auf deutsch unterhalten”.
Nein, sagt sie auf englisch, das möchte sie nicht. Ich könnte zwar auf deutsch die Fragen stellen, aber antworten würde sie auf englisch. Häh? Na, gut, mache ich das Spielchen mit. Ich stelle fleißig meine Fragen auf deutsch und sie antwortet mir englisch. Loriotmäßig, oder?
Ich hole mir noch vorsichtshalber ein Permit für eine Wanderung, je nachdem, wielange wir hier bleiben und wielange wir die einzelnen Ruinen anschauen. (Man braucht hier für alle Wanderungen kostenlose Permits, wohl zur Kontrolle gegen mögliche Raubgrabungen).
Wir fahren von hier zu den Ruinen Pueblo Bonito und Chetro Ketl. Hier war über Jahrhunderte das Zentrum der Anasazikultur, wo sich die Ansazis wohl regelmäßig zu religiösen Feiern etc. getroffen haben. Entsprechend groß waren hier die Bauten. Pueblo Bonito und Chetro Ketl sind schon zwei sehr große Anlagen mit mehreren hundert Räumen auf mehreren Stockwerken. Zudem waren die beiden Anlagen, die vielleicht 300 Meter voneinander entfernt sind, durch weitere Gebäude miteinander verbunden. Eine gigantische Anlage, die bisher nur zu einem Teil freigelegt ist.
Mit zur Verfügung gestellten kleinen Broschüren schauen wir uns die beiden Anlagen an, was wirklich sehr interessant ist.
Das Pueblo Bonito.
Zwischen den Anlagen gibt es auch noch hinten an der Felswand einen Petroglyph Trail, hier gibt es also in den Fels geschlagene Figuren. Klingt allerdings besser als es ist, da diese Figuren nur noch schwach zu erkennen sind.
Echte Felszeichnung.
Nicht ganz so echte Felszeichnung.
Wir haben das Pueblo Bonito “erledigt” und auch das Chetro Ketl fast durch, als ich dort um eine Ecke herumgehe. Von der anderen Seite hatte eine Schlange die gleiche Idee. Wir zucken beide zurück und ich rufe freudig erregt: “Schau mal, Liebling, eine entzückende, kleine Schlange.” Monika behauptet, es habe eher wie “UAAARGH!” geklungen, aber das ist natürlich eine Verleumdung.
Die Schlange ist ca. 1,5 Meter lang und so dick wie ein Besenstil. Ähnelt vom Muster her einer Klapperschlange, ist aber definitiv keine. Der Kopf ist anders und sie hat auch keine Klapper am Ende. Was für eine es genau ist, kann ich allerdings nicht ausmachen.
Irgendwie ist uns die Laune vergangen und wir ziehen uns zum Auto zurück. Da wir uns in den Ruinen doch sehr lange aufgehalten haben - ist wirklich sehr interessant - ist es für die Wanderung zu spät geworden.
Insofern verlassen wir den Park durch den Nordosteingang und fahren dann nach Albuquerque (sprich: Älbukörki) weiter, das wir gegen 20:30 Uhr erreichen.
Da es uns inzwischen gelungen ist, endlich mal ein Couponheft zu finden, suchen wir uns hieraus ein Motel raus. Ein La Quinta, das 49 + tax kosten soll. Wir finden es auch und ich frage nach einem Zimmer. Was soll es kosten? 59 + tax. Aber siegessicher ziehe ich nun den Coupon heraus. Entschuldigung, Sir, dieser Coupon ist für ein La Quinta. Und wir sind hier in einem Quality Inn.
Peinlich, war ich tatsächlich ins falsche Motel geschlappt. Das La Quinta ist ein Haus weiter. Da das Quality Inn aber einen sehr guten Eindruck macht (das La Quinta daneben allerdings nicht so) und es nur 59 + tax kosten soll, nehmen wir halt das.
10.05.2004
Heute ist relativ wenig angesagt und wir stehen spät auf. Beim Frühstück kann man sich von einer “Köchin” frische Waffeln machen lassen. Machen wir natürlich.
Als ersten Programmpunkt fahren wir auf der I-25 zum Exit 264 (Cochite Lake, man kann auch am Exit 259 raus), wo wir das Kasha Katuwe Tent Rocks National Monument besuchen wollen, also kurz die Zeltfelsen.
Man fährt hierzu immer in Richtung des Cochiti Pueblo. Nach ein paar Meilen ist dann auch das National Monument ausgeschildert. Allerdings nicht von der Interstate aus, warum auch immer.
In der Nähe des Pueblo geht dann eine eigene Zufahrt zu den Tent Rocks, einfach der Ausschilderung folgen.
Wir erreichen das NM gegen 11:00 Uhr. Am Parkplatz steht ein Schild zu den Eintrittsgebühren. $ 5 pro Wagen. Okay, soweit ist es klar. Aber darunter: National Park Pass ohne Hologramm gelten hier nicht. Häh? Gibt es unterschiedliche National Park Pässe? Wir haben jedenfalls kein Hologramm drauf. Allerdings scheitert unser Versuch, Geld in einem Umschlag zu hinterlegen, schon daran, dass kein Kugelschreiber da ist. Wir legen einfach unseren National Park Pass im Wagen hin und hoffen, dass wir kein Knöllchen bekommen (bekommen wir auch nicht, aber möglicherweise wurde auch nicht kontrolliert).
Es gibt hier nun zwei Sachen, die man machen kann. Einmal den Cave Loop Trail und den Canyon Trail. Wir gehen ein paar hundert Meter nach rechts auf dem Cave Loop Trail und biegen dann in den Canyon Trail ab.
Das ist richtig gut. Es ist nämlich ein sehr schmaler Canyon, teilweise fast ein Slotcanyon, der sich über mehrere hundert Meter hier einen Berg (naja, hoher Hügel trifft es eher) hochschlängelt. Und unterwegs findet man die Tent Rocks. Schaut es Euch einfach an:
Der Beginn des Canyons.
Bei den sieben Zwergen.
Diese Tent Rocks sind wirklich etwas Besonderes. 8 Punkte von 10 mindestens. Und der Weg den Canyon hinauf ist sehr gut und interessant.
Am Ende des Canyon geht es dann steiler den “Berg” rauf und man kommt oben auf diesen “Berg” drauf. Von hier hat man einen tollen Ausblick über die ganze Gegend und die Tent Rocks darunter.
Über den sieben Bergen.
Wirklich sehr zu empfehlen, sollte jeder machen, der in der Gegend Albuquerque / Santa Fe vorbei kommt.
Nach dem Abstieg durch den Canyon gehen wir noch den Rest des Cave Loop Trail, der sich aber als sehr langweilig entpuppt. Ganz am Ende (also in der Nähe des Parkplatzes) gibt es noch ein paar Zeltfelsen, die aber wesentlich schwächer sind als die im Canyon. Darüber an der Felswand sind allerdings einige interessante Hoodos.
Insofern: wenn Ihr dahin fahrt, würde ich Euch folgendes vorschlagen. Vom Parkplatz geht Ihr den Cave Loop Trail entlang, bis er sich nach links und recht gabelt. Hier geht Ihr nach links, aber nur ca. 200-300 Meter, bis Ihr am Fuß der “Berge” diese Gruppe von Zeltfelsen mit den Hoodos darüber entdeckt. Als Einstieg ganz nett. Weiter lohnt sich hier der Weg nicht. Ihr geht also zurück zur Gabelung und nun nach rechts Richtung Canyon Trail. Den Canyon rauf auf die “Berge” und wieder auf dem gleichen Weg zurück. Gesamtaufwand: ca. 1 1/2 Stunden.
Den Rest des Tages verbringen wir zunächst shoppenderweise in Albuquerque, wo wir eine große Mall unsicher machen.
Zum Schluss fahren wir noch an den Stadtrand von Albuquerque, wo sich das Petroglyph National Monument befindet. Wegbeschreibung: Von der I-25 auf der Montano Road raus nach Westen, bis Ihr am Ende auf den Unser Boulevard kommt.
Am Unser Boulevard muss man jetzt folgendes wissen: das Visitor Center ist südlicher, d.h. auf den Unser Boulevard von der Montano nach links einbiegen. Die eigentlichen Petrogpyphs findet man aber dann am einfachsten im Boca Negra Canyon. Der ist nicht am Visitor Center, sondern nördlich davon. Wenn Ihr also das Visitor Center nicht anschauen wollt, einfach von der Montano auf den Unser Boulevard nach rechts drauf und dann ist man schon bald am Boca Negro Canyon.
(Von der I-40 geht es noch einfacher, da geht es auf dem Exit 154 auf den Unser Boulevard, dem man nach Norden folgt. Es kommt erst das Visitor Center linkerhand und später der Boca Negro Canyon rechterhand) .
Im Boca Negra Canyon gibt es eine kleine Looproad mit drei Trails. Alles dicht an dicht, man kann seinen Wagen also an einem Parkplatz abstellen und von dort alle drei Trails machen.
Entlang der hier aufragenden Hügelkette gibt es hier Hunderte von Petroglyphs aus unterschiedlichen Zeiten. Ist nicht uninteressant, aber auch nicht super spannend. Wir haben allerdings auch Pech mit dem Wetter, denn es windet inzwischen sehr stark und dunkle Wolken lassen auch ein paar Tropfen Regen fallen. Insofern bleiben wir hier nicht allzulang.
So ein Petroglyph.
Gesamteindruck: Naja, nur bei besonderem Interesse an indianischer Frühkultur empfehlenswert.
Den Abend verbringen wir mit weiterem Shopping.
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