Vom 6. bis zum 10. Tag
Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:
6. Tag: Old Bedford und Washington D.C.
Die Nacht ist etwas unruhig, da Samstag war und wie immer samstags nachts in den USA jede Menge Dödel mit lauter Musik unterwegs waren. Gegen 09:40 Uhr sind wir am Old Bedford Village, einem Freilichtmuseum, in dem ein typisches Dorf des 19. Jahrhunderts in dieser Region zusammengestellt ist.
Dort werden wir freundlich begrüßt, aber darauf hingewiesen, dass das Museum in der Nachsaison erst um 10:00 Uhr aufmacht - im Baedeker stand es anders. Wir werden aber dennoch für $ 7 pro Person aufs Gelände gelassen und können uns das Dorfensemble anschauen. Das ist ganz nett, aber viele Häuser sind noch geschlossen. Auch die Darsteller der Bewohner treffen erst nach und nach ein. Als wir um 11:00 Uhr gehen, sind vielleicht ein halbes Dutzend von ihnen bei etwa ebensoviel Besuchern da. Wenn man also Old Bedford besuchen will, sollte man das wohl besser am Nachmittag machen.
Insgesamt ist Old Bedford dann empfehlenswert, wenn man sonst keine Möglichkeit hat, ein Freilichtmuseum zu besuchen.
Von dort fahren wir nach Washington D.C. Bei der Einfahrt zum Stadtzentrum ist die Ausschilderung wieder mal miserabel und irgendwie fahren wir von hinten ran. Als wir schon recht genervt sind, sind wir plötzlich an der Mall, dem touristischen Zentrum - reiner Zufall. (Auch hier zeigt es sich, dass man selbst bei einfach erscheinenden Strecken immer eine Detailkarte dabei haben sollte).
Als nächstes brauchen wir einen Parkplatz. Nach Auskunft unserer Reiseführer ist das sonntags (und Sonntag ist heute) überhaupt kein Problem. Obwohl Nachsaison finden wir aber erstmal keinen Parkplatz, wahrscheinlich sind wir einfach zu spät am Tag (ca. 13:30 Uhr) und das Wetter ist zu gut. Als wir auch hier echt genervt sind und die Reiseführer verwünschen sehen wir plötzlich ein Zeichen: public parking. Die US Customs Behörde stellt an den Wochenenden in ihrem Gebäude Ecke Mall, 14. Straße die Tiefgarage zur Verfügung. Das kostet zwar 7 Dollar und das Auto wird oberflächlich nach Bomben durchsucht, dafür ist man aber auch direkt an der Mall und das Auto ist sicher untergebracht.
Einschub: Ob das allerdings noch nach dem 11. September praktiziert wird, wage ich zu bezweifeln.
Die nächsten Stunden schlendern wir entspannt die Mall entlang und besuchen die verschiedenen Attraktionen wie das Lincoln Memoiral, das Weiße Haus, den Kongreß, ein Museum. Washington gefällt uns sehr gut. Jedenfalls das Zentrum ist richtig euorpäisch. Es ist sonnig und etwa 27 Grad warm.
Anschließend fahren wir noch bis nach Front Royal, dem Eingangstor zum Shenandoah National Park, wo wir für 44 Dollar ein Motel finden.
7. Tag Shenandoah NP und Luray Caverns
Von Front Royal fahren wir in den Shenandoah National Park (Eintritt 10 Dollar pro Auto). Das Visitor Center ist mal wieder ausgesprochen schwach.
Direkt gegenüber vom Visitor Center gehen wir einen kleinen Trail, den Fox Hollow Trail, der die Spuren der früheren Besiedlung (nämlich durch die Familie Fox) aufzeigt. Der ist aber ziemlich uninteressant. Auch bei der Weiterfahrt sind wir vom Shenandoah nicht gerade entzückt; der NP hat einfach keinen wesentlichen Reiz. Die Straße läuft zwar ganz nett den Bergrücken entlang, aber ansonsten bietet er recht wenig. Selbst der Wald ist nicht gerade ansprechend.
Wir fahren daher später zu den Luray Caverns ab. Das ist eine sehr große Tropfsteinhöhle, die man für 14 Dollar pro Person in geführten Touren besichtigen kann. Das ist richtig interessant und sein Geld auch wert.
Danach fahren wir erneut in den Shenandoah und gehen dort noch einen weiteren Trail, den Stony Man Trail (der auch teilweise dem Appalachian Trail folgt). Der führt uns zu einer Felsspitze, von der man einen recht netten Blick auf das Shenandoah Valley hat.
Aber insgesamt können wir uns mit dem Shenandoah NP nicht anfreunden. Treffender Kommentar von Monika: “Ist halt ein langer Wald!”. Um es klar zu sagen: wir finden den Shenandoah im Vergleich zu anderen Nationalparks und auch im Vergleich zu vielen National Forests ausgesprochen langweilig. Es mag bei der Blattverfärbung im Oktober was anderes sein, aber dann kommen auch wieder die Touristen.
(Und deswegen gibt es auch keine Fotos vom Park)
Gegen 15:00 Uhr geben wir auf und fahren aus dem Shenandoah raus. Eigentlich hatten wir vorgesehen, am nächsten Tag den Blue Ridge Parkway entlang zu fahren. Aber die Aussicht, praktisch einen verlängerten - langweiligen - Shenandoah langzufahren, reizt uns überhaupt nicht. Wir überlegen daher hin und her und kommen schließlich zum Ergebnis, dass wir den Blue Ridge Parkway sein lassen und heute noch möglichst nahe an die Great Smoky Mountains heranfahren, um dort morgen den NP zu besuchen und anschließend nach Memphis weiterzufahren. An diesem Tag kommen wir noch bis Bristol, wo wir für 60 Dollar in einem Budget Inn übernachten.
8. Tag: Great Smoky Mountains
Gegen 11:00 Uhr sind wir erst am Great Smoky Mountain National Park. Dabei kommen wir durch Pigeon Forge, einem riesigen Touristenort, wo - da Nachsaison - die Motelzimmer zum Teil für 20 Dollar angeboten werden. Der NP kostet übrigens keinen Eintritt.
Einschub: Pigeon Forge ist ein besonders krasses Beispiel für die Abhängigkeit der Motelpreise von der Saison. In der Nachsaison Mitte September werden einem die Zimmer für Spottpreise nachgeworfen. Im Juli und bei der Blattverfärbung wird man das gleiche Zimmer vermutlich nicht unter 100 $ bekommen.
Am Visitor Center ist es schon recht voll. Der Great Smoky Mountain ist nämlich der meistbesuchte Nationalpark der USA.
Wir fahren zunächst über die Newfound Gap Road und eine Stichstraße zum Klingmans Dome, dem höchsten Berg im NP. Der Wald und die Landschaft hier ist viel hübscher als im Shenandoah (insofern hätte man durchaus wohl noch die letzten Meilen des Blue Ridge Parkway fahren können).
Am Klingmans Dome ist es auch recht belebt. Vom Parkplatz muss man noch ca. 700 Meter zum eigentlichen Gipfel mit Aussichtsturm aufsteigen. Hierbei überholen wir mühelos die zum Teil gigantisch fetten Amerikaner, die sich mühsam den Weg raufschleppen. Die Aussicht vom Turm ist sehr schön. Wir könnten uns vorstellen, dass Frühaufsteher hier einen tollen Sonnenaufgang erleben können.
(Allerdings sind auch hier die Bilder nicht so toll geworden - also keine Fotos)
Direkt unterhalb des Turms läuft der Appalachian Trail, den wir ein bißchen entlanggehen wollen. Der Trail ist aber sehr schmal, zum Teil zugewuchert, so dass wir ziemlich bald aufgeben und zurückgehen. Beim Abstieg treffen wir zum Teil die Amerikaner wieder, die wir vor einer halben Stunde beim Aufstieg überholt haben und die immer noch nicht viel weitergekommen sind.
Wir halten bei der Abfahrt noch beim Newfound Gap, dem Pass über die Berge. Allerdings ist der Ausblick von hier eher mager, was insbesondere daran liegen könnte, dass seit Anlegen des Parkplatzes ringsum recht hohe Bäume gewachsen sind.
Wir fahren dann zurück, und am Visitor Center vorbei zu Cades Cove. Die Strecke dorthin führt entlang einem kleinen Fluß und ist sehr hübsch. Cades Cove ist ein Bergtal, das früher besiedelt war und in dem man jetzt auf einem Rundkurs die verschiedenen Gebäude sehen kann. Zudem ist es ein einfach wunderschönes Tal.
Hier ist auch recht viel los. Im Sommer muss es unerträglich sein, da die Parkplätze an den einzelnen Gebäuden geradezu winzig sind.
Wir sehen uns verschiedene Häuser und Kirchen an. Auf den letzten Meilen des Rundkurses zuckelt ein Ami mit 5 Meilen pro Stunde vor uns her. Das nervt dann schon. Zudem kommt es zum Teil zu echten Staus, jedesmal wenn sich irgendwo ein Tier blicken lässt (und von denen gibt es hier viele). Problem ist, dass die Amis einfach auf der Mitte der Straße anhalten und diese damit versperren. Wir mögen ja wirklich Tiere, aber muss man bei jedem Weißwedelhirsch in Verzückung ausbrechen und die Straße blockieren?
Als sich ein kleiner Braunbär sehen lässt bricht der Verkehr komplett zusammen. Der Bär kümmert sich übrigens überhaupt nicht um die Touris, sondern sucht auf einer Wiese nach Freßbarem.
Als wir es geschafft haben, das Tal wieder zu verlassen, fahren wir außenrum nach Pigeon Forge zurück, wo wir uns noch ein T-Shirt gönnen. Außerdem kaufen wir unterwegs in einem Weihnachtsladen, die es hier sehr häufig gibt, sehr originellen Weihnachtsschmuck ein.
Insgesamt ist der Great Smoky Mountain NP sehr schön, aber selbst in der Nachsaison überlaufen. Wie muss es da erst im Sommer sein?? Wir würden anraten, morgens möglichst früh dazu sein. Vielleicht erst auf den Klingsmans Dome und dann Cades Cove. Anschließend kann man ggfs. noch einen Trail langwandern, vorausgesetzt man findet noch einen Parkplatz an den Trailheads.
(Fotos gibt´s auch hiervon nicht, da die nicht so besonders gut geworden sind)
Wir fahren an diesem Abend noch bis hinter Nashville und überqueren dabei eine Zeitgrenze.
9. Tag: Memphis, Graceland, Tupelo
Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Memphis, wo uns eigentlich nur Graceland, das Haus von Elvis, interessiert. Mal wieder haben wir keine Detailkarte dabei. Das rächt sich, denn Memphis schildert Graceland konsequent nicht aus (warum auch). Lediglich indem wir einigen Reklameschildern von Motels folgen, die mit ihrer Nähe zu Graceland werben, finden wir es. Ärgerlich!
Es hat hier Südstaatentemperaturen, 92 F und ist total schwül. Graceland lag einmal wohl an der Peripherie von Memphis, ist aber inzwischen von einem wenig vertrauenserweckenden Viertel umgeben. Graceland selbst ist okay, aber wir raten ab, sich die nähere Umgebung anzuschauen.
Für 12 Dollar gibt es eine Tour durch das Haus von Elvis, wobei man mit einem Kleinbus (!) über die Straße in das 200 m entfernte, gegenüberliegende Haus gefahren wird. Vorher werden noch Fotos gemacht, die in der Zwischenzeit entwickelt werden und die man dann kaufen kann. Die Audio-Tour (also mit Walkman) ist sehr interessant wie überhaupt auch das im Stile der 60er, also schrecklich kitschig eingerichtete Haus. Auch die Ausstellungsstücke über Elvis sind ansprechend hergerichtet. Letzter Punkt ist dann das Grab von Elvis, an dem Fans immer noch Blumen niederlegen. Auch ohne Elvis-Fan zu sein, ist die Tour durch das Haus ein Erlebnis.
Mit dem Kleinbus wird man dann die 200 Meter zurückgefahren. Im Visitor-Center wollen wir noch ein bißchen shoppen. Das wird aber richtig schwierig. Die Memorabilia sind größtenteils billig aufgemacht bis scheußlich. Nicht mal schöne Postkarten vom Haus bzw. CDs mit der Musik von Elvis gibt es! Mit Müh und Not finden wir noch ein T-Shirt, das nicht allzu häßlich ist. Die Angestellten sind übrigens alle von ausgesuchter Unfreundlichkeit. Die von uns gemachten Fotos sind eher schlecht und sollen 20 Dollar kosten! Da verzichten wir dankend.
Da wir nun schon mal ganz nah am Mississippi sind, wollen wir den doch zumindest mal gesehen haben. Wir fahren daher noch eine kurze Strecke nach Westen und überqueren den recht gewaltigen Fluß (und kommen damit auch kurz nach Arkansas -wieder ein Staat mehr).
Weiter geht es dann aber Richtung Südosten zunächst nach Tupelo, Mississippi, zum Geburtshaus von Elvis (das ist jetzt mehr Zufall, lag einfach am Weg). Das Geburtshaus ist ganz nett, das danebenliegende Museum schwach (wobei auch hier die Leute total unfreundlich sind). Auch der Souvenirshop ist miserabel. Übrigens muss man jeweils fürs Museum und fürs Geburtshaus zahlen. Kann man sich also - wenn man es eilig hat oder an Elvis nicht interessiert - durchaus sparen.
Die weitere Fahrt in grober Richtung Atlanta durch die Staaten Alabama und Georgia führt durch eine recht hübsche Gegend mit netten Orten. An diesem Abend kommen wir bei starkem Wetterleuchten noch bis ein paar Meilen vor Atlanta, wo wir in einem Days Inn 69 Dollar pro Nacht zahlen dürfen. Das Motel ist total gut besucht, in der Nähe ist wohl eine Großbaustelle, deren Bauarbeiter hier untergebracht sind. Überall stehen riesige Pickups mit Arbeitsutensilien. Auf der Rückseite feiern einige Hillbillies recht lautstark.
10. Tag 21.09.2000 Macon und weiter nach Savannah
Erstaunlicherweise blieb es in der Nacht dann ruhig. Allerdings regnet es beim Aufstehen wie aus Kübeln. Ein Blick in den Wetterkanal zeigt uns aber, dass diese Regenfront schon ein paar Meilen weiter aufhören muss, was sich auch bewahrheitet. (Insgesamt muss man darauf hinweisen, dass unsere Reisezeit voll in der Zeit der tropischen Regenstürme lag, die dann vom Golf hochziehen, das kann den Urlaub natürlich ziemlich vermiesen)
Bei der Weiterfahrt wollen wir Atlanta südlich umgehen, um nicht in den Berufsverkehr zu kommen. Atlanta an sich interessiert uns nicht, den Hauptsitz von Coca-Cola müssen wir uns nicht unbedingt anschauen. Auf dem Weg über kleinere Straßen verfahren wieder uns mal wieder. Versuche, bei den am Weg liegenden Tankstellen ein Karte zu kaufen, scheitern daran, dass es dort keine Karten gibt. Auch eine Nachfrage bei den einheimischen Hillbillies bringt das erstaunliche Ergebnis, dass sie uns den Weg nicht erklären können. Wir finden es trotzdem.
(Uns ist dabei mal wieder aufgefallen, wie unterschiedlich die Südstaaten sind: Mal fährt man durch eine hübsche Gegend mit normalen Leuten und netten Städtchen. Ein paar Meilen weiter werden die Städte plötzlich total trist und die Leute mutieren zu Hillbillies, die so aussehen und sich so benehmen, als wären sie aus jahrhundertelangem Inzest entstanden.)
Etwas nördlich von Macon kommen wir zu einem Visitorcenter, wo wir von zwei total aufgedonnerten älteren Damen superfreundlich beraten und mit Karten versorgt werden. Hier fühlen wir zum ersten Mal (und auch weitgehend zum letzten Mal) die Southern Hospitality, die Gastfreundschaft des Südens.
In Macon fahren wir zum Hay House, einem Antebellum Haus (also ein Haus vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, der hier übrigens ‚War of northern aggression’ genannt wird). Von diesem Haus hatten wir begeisterte Berichte gelesen. Als wir eingelassen werden, sind wir etwas erstaunt. Das Haus ist praktisch ohne Innenausstattung mit heruntergekommenen Wänden. Bei der Tour klärt es sich dann auf. Die oberen Stockwerke sind saniert, nur der untere Eingangsbereich nicht. Tatsächlich ist dieses Haus eine absolute Perle mit wunderschönen Räumen und Details. Absolut empfehlenswert.
Wir besuchen anschließend das Ocmulgee National Monument, eine ehemalige Siedlung von Indianern, die hier zum Teil recht große Erdhügel aufgeschüttet haben. U.a. kann man auch ein rekonstruiertes Erdhaus besichtigen. Es ist total heiß und feucht, im NM sind wir praktisch allein (das NM ist insgesamt recht interessant). Wir treffen eine Frau wieder, die wir schon im Hay House getroffen haben. Wie sich herausstellt ist sie eine Creek-Indianerin und besucht hier die heiligen Stätten ihrer Ahnen.
Die anschließende Fahrt nach Savannah ist eher langweilig, kurz nach 19:00 Uhr sind wir dort und suchen uns in der Nähe einer großen Mall ein Best Western (59 Dollar). Da der Abend noch jung ist, bummeln wir noch durch die Mall. Das Wetter ist so schwül geworden, dass, wenn wir einen klimatisierten Raum verlassen, unsere Brillen beschlagen!
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