Vom 6. bis zum 11. Tag
Dieser Artikel wurde am 18. März 2009 von GreyWolf geschrieben.
Dieser Reisebericht ist wie folgt unterteilt:
6. Tag: Bodie, beinahe Yosemite, über die Sierra Nevada nach San Francisco
Für die nächsten zwei Tage haben wir ein Hotel in San Francisco vorgebucht. Das war übrigens schon Monate vorher gar nicht so einfach - da San Francisco bei Touristen wie Kongressen sehr beliebt ist, sollte man hier vorbuchen. Zunächst wollen wir die Geisterstadt Bodie anschauen. Von Hawthorne fahren wir daher über die 359/167 zum Mono Lake.
Direkt vor uns sehen wir die schneebedeckten Höhen der Sierra Nevada, über die wir heute noch rüber müssen. Ein fantastischer Anblick (der uns eigentlich zu Denken hätte geben sollen - s. unten).
Die weißen Berge, auf spanisch: Sierra Nevada
Schon auf dieser Strecke sehen wir eine Ausschilderung zum Bodie State Historic Park. Allerdings sieht das sehr nach einer Schotterstraße aus, so dass wir den zwar etwas weiteren, aber besseren Weg über die 395 und 270 nehmen. Hier ist die Strecke bis auf die letzten zwei Kilometer vor Bodie zwar etwas eng, aber gut asphaltiert.(Tatsächlich ist diese Strecke wesentlich einfacher und schneller, die andere ist tatsächlich eine Schotterpiste)
Am Eingang des State Historic Park erhalten wir eine Broschüre über Bodie, sogar auf Deutsch. Bodie war eine Zeitlang eine sehr wichtige (und wegen ihrer Gesetzlosigkeit berüchtigte) Minenstadt.Das Klima hier oben ist ebenso berüchtigt: ewig lange Winter mit sehr viel Schnee. Sogar eine wichtige Erfindung wurde hier gemacht: die Übertragung von Strom über Leitungen über lange Distanzen. Diese erste Überlandleitung wurde übrigens möglichst gerade gebaut, da man fürchtete, dass Strom nicht um Ecken fließen könne.
Als sich der Minenbetrieb nicht mehr rentierte, wurde Bodie aber dann Anfang des 20. Jahrhunderts verlassen. Die Stadt fiel in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst in den 60er Jahren wieder geweckt wurde, als man dort den State Historic Park einrichtete. Heute kann man Teile der Stadt besichtigen und sich ein Bild davon machen, wie diese Stadt mal ausgesehen hat. Einige Häuser kann man auch besichtigen, ein Museum gibt es auch. Eine sehr interessante Attraktion, die wir besonders empfehlen.
Einige Häuser von Bodie
Von hier aus fahren wir zunächst wieder etwas südlich, um über den Tioga Pass den Yosemite National Park von Osten betreten. Aber Pech! Die Straße ist wegen Schnee geschlossen. Na gut, fahren wir eben zum nächst-nördlicheren Pass. Aber auch dieser und der nächste sind geschlossen.
Genau hier war nämlich in meiner Routenplanung ein dicker Fehler. Der Gebirgszug Sierra Nevada, den man hier überqueren muss, ist nämlich sehr hoch. Da er auch noch das erste Gebirge ist, auf die die feuchte Pazifikluft trifft, fällt hier im Winter sehr viel Schnee, so dass ab November bis Mai/Juni/Juli - je nach Jahr - der Tioga-Pass und praktisch alle anderen Pässe dicht sind. Und gerade 1998 war ein Jahr, in dem der Pass wegen besonders heftiger Schneefälle im Winter erst im Juli (!) aufmachte.
Damit es Dir nicht auch so geht, findest Du die wesentlichen Daten zum Tioga-Pass hier (beachte die Zusammenstellung am Ende der gelinkten Seite).
Erst kurz südlich vor dem Lake Tahoe ist endlich ein Pass offen. Da hilft nichts: angesichts der noch anstehenden Fahrt nach San Fran müssen wir auf den Yosemite verzichten. Ohnehin muss man sagen, dass wir angesichts unter engen Planung kaum Zeit für den Yosemite gehabt hätten.
Über die zunächst sehr ruhige, kleinere Pass-Straße erreichen wir den Highway 50 nach San Fran (das ist eine Strecke, die auch im Winter auf ist). Diese Strecke ist leider ziemlich schlimm. Im dicksten Wochend-Rückreise-Verkehr (Lake Tahoe ist ein beliebtes Ferienziel und es ist Ende einer Ferienwoche) fahren wir die enge, gewundene Straße von der Sierra Nevada runter. Rechts, links, vor und hinter uns Autos - schrecklich. Auch hier können wir übrigens die Ergebnisse des Katastrophen-Winters in West-USA sehen. Eine ganze Reihe Ferienhäuser sind (wohl durch Erdrutsche und/oder Hochwasser des hier langlaufenden Flusses) total zerstört.
Endlich sind wir in der Ebene, wir sind von diesem Fahren fix und fertig. In einem überfüllten MacDonalds gibt es als Belohnung und zum Wiederaufbau unserer Kräfte einen Kaffee.
Danach fahren wir durch das jetzt recht dicht besiedelte Kalifornien zügig nach San Francisco, das wir gegen Abend erreichen. Hier suchen wir die Straße zur Golden Gate Bridge, an der unser Hotel liegt. Da wir den winzigen Hinweis dahin übersehen, verfahren wir uns in einem ziemlich miesen Viertel, aber letztlich gelingt es uns, es zu finden. Total fertig ruhen wir uns erstmal aus. Abends sehen wir in einem Kino in der Nachbarschaft noch den “Pferdeflüsterer”.
7. Tag: San Francisco
Heute streunen wir den ganzen Tag durch San Francisco. Zunächst fahren wir mit dem Auto zum Esprit Factory Outlet, worauf sich Monika schon die ganze Zeit gefreut hatte. Ledier müssen wir aber zu Monikas Bedauern (und zur Freude unseres Geldbeutels) feststellen, dass die amerikanische Esprit-Mode mit der europäischen wenig zu tun hat.
Anschließend wollen wir den Scenic Drive abfahren, der einen zu den wesentlichen Attraktionen San Frans bringen soll. Leider haben wir keine anständige Karte dabei und die Hinweisschilder des Scenic Drives sind so klein, dass wir den Drive bald verlieren. Ohne es zu wollen sind wir plötzlich auf der Golden Gate Bridge. Da sehen wir uns halt vom Parkplatz auf der anderen Seite San Francisco aus der Ferne an. Was soll`s.
Später laufen wir zu Fuß durch Downtown San Fran, shoppen ein bisschen, gehen durch Little China zu Fisherman`s Wharf, der Touristenmeile. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf die Bucht. Angesichts der langen Schlangen verzichten wir auf eine Fahrt im Cable Car. Im großen Bogen gehen wir anschließend zum Hotel zurück.
Alles in allem können wir die begeisterten Ansichten über San Fran nicht nachvollziehen. Ich war schon zwei Mal vorher da gewesen und mir hatte es schlicht nicht gefallen. Auch Monika kommt zum gleichen Ergebnis.
Für eine amerikanische Stadt hat sie sicher einigen Flair. Aber vergleicht man es mal mit einer europäischen Großstadt, ist es nicht besonders interessant. Zudem sind die zum Teil vollkommen heruntergekommenen Obdachlosen in Downtown San Fran sehr gewöhnungsbedürftig.
Und da es uns nicht besonders gefallen hat, gibt es auch keine Bilder.
8. Tag: San Francisco - Napa Valley - die Pazifikküste hoch nach Mendocino
Heute verlassen wir leicht enttäuscht San Fran und begeben uns wieder in die Natur. Zuerst fahren wir Richtung Napa Valley. Doch auch dieses in den Reiseführern hochgepriesene Tal, das ja für seinen Weinbau bekannt ist, vermag uns nicht in seinen Bann zu ziehen. Die großen Weinbaugebiete sind sogar ziemlich öde und auch die Städte reißen das nicht unbedingt raus. Ganz aus ist es, als wir feststellen, dass Napa Valley Wein in Deutschland deutlich billiger ist als vor Ort.
Einschub 2007: Das finde ich bis heute erstaunlich, dass ich einen kalifornischen Zinfadel hier wesentlich günstiger bekomme als vor Ort.
Na ja, aber nun ab zum Pazifik. Auf dem kürzesten Weg düsen wir dorthin und fahren den berühmten Highway One die Küste hinauf. Hier stellen wir allerdings einen kleinen Mangel in unserer Reiseplanung fest. Wenn wir schlau gewesen wären, wären wir die Route andersrum - also von Nord nach Süd - gefahren. Dann wären wir nämlich auf der dem Meer zugewandten Seite gefahren und hätten wesentlich bessere Ausblicke gehabt. Aber auch so sind die Ausblicke durchaus lohnend, zudem ist der Verkehr schon recht spärlich geworden.
Wir steuern einige Parkplätze an, um den Strand zu erreichen. Leider sind überall die Treppen von der Steilküste zum Strand weggespült - auch hier haben im Winter Unwetter gewütet. Wir durchqueren Bodega Bay, in dem Hitchcock “Die Vögel” gedreht hat. Die aus dem Film bekannte Schule und andere Plätze können wir aber nicht wiederfinden, suchen aber auch nicht wirklich danach.
Wenig später ist der Highway One gesperrt. Auch hier müssen wohl Reparaturarbeiten wegen der Unwetter erfolgen. Über enge, aber sehr hübsche Straßen werden wir ins Hinterland geleitet. Durch Wälder und gewundene Täler und über Bergrücken kommen wir zum Schluß wieder auf den Highway zurück. Wir fahren auf diesem einige Meilen zurück, um Fort Ross zu besichtigen. Durch die Kurverei durchs Hinterland haben wir viel Zeit verloren und erreichen Fort Ross, ein altes Küstenfort der Russen (!) aus dem 18. Jahrhundert erst am späten Nachmittag.
Man fragt sich: Was wäre wohl passiert, wenn die Russen sich dort auf Dauer festgesetzt hätten? (Und was wäre passiert, wenn auch die Spanier und Franzosen hartnäckiger ihre jeweiligen Territorien in den heutigen USA verteidigt hätten?)
Am Eingang zum Parkplatz ist kein Ranger zu entdecken. Stattdessen dürfen wir unser Eintrittsgeld in einem Briefumschlag deponieren und den in einen Kasten werfen. Einen Abreißcoupon des Umschlags legt man dann hinter die Windschutzscheibe. Im Fort selber, dass sehr idyllisch über einem kleinen Strand liegt, ist - außer einem Pferd - niemand. Nach kurzer Besichtigung - das Fort schließt in der Vorsaison recht früh - begeben wir uns wieder auf die Reise.
An diesem Abend kommen wir noch bis Mendocino. In den Reiseführern wird Mendocino als sehr touristisch gescholten, aber Anfang Juni ist davon nichts zu sehen. Es ist ein kleines, sehr hübsches Städtchen direkt an der Steilküste, in dem übrigens Teile des Films “Jenseits von Eden” mit James Dean gedreht wurden.
Wir mieten uns im besten Haus am Platz, dem Mendocino Hotel, ein. Das ist zwar sehr teuer, aber dafür bekommen wir ein mit Antiquitäten eingerichtetes Zimmer in einem kleinen Haus, das von einem wunderschönen Garten umgeben ist. Wir haben sogar einen Kamin.
Nach einem Spaziergang entlang der Küste machen wir ein Feuer im Kamin und trinken dazu eine Flasche kalifornischen Rotweins. Man gönnt sich ja sonst nichts
Unser Zimmer mit loderndem Kaminfeuer
9. Mendocino - Humboldt Redwoods State Park - Ferndale - Crescent City.
Nachdem wir morgens noch einen kleinen Bummel durch das zum Teil sehr hübsche Mendocino gemacht haben, geht es nordwärts zunächst der Küste entlang. An einzelnen Stellen halten wir an und gehen zum - fast menschleeren - Strand. Leider sind die Bilder von den Pazifikstränden nicht viel geworden. Das ist schade, denn die Pazifikküste ist wirklich traumhaft in ihrer Wildheit.
Später verläuft die Straße, die inzwischen in die 101 gemündet ist, mehr im Landesinnern. Nördlich von Garberville fahren wir von der etwas stärker befahrenen 101 ab und fahren fast parallel auf der Avenue of the Giants im Humboldt Redwoods State Park. Das ist einer der wenigen verbliebenen Teile des einstmals alles bedeckenden Sequoia(”Mammutbäume”)-Waldes. Hier fährt man eine kleinere Straße ca. 30 Meilen durch eine fast unberührte Natur. Im Wald ist es sehr dunkel, da das Tageslicht durch die riesigen Bäume kaum den Boden erreicht.
Am Ende der Avenue of the Giants kommt man wieder zur 101. Kurz vor Eureka biegen wir nach Ferndale ab. Das ist ein kleines Städtchen mit noch fast ganz erhaltenem viktorianischen Häuserzeilen. Sehr hübsch. Wir halten in der Hauptstraße und machen einen Bummel durch den Ort. In einem total netten alten Kuriosiäten-Laden erwerben wir ein paar Zeitschriften von anno dazumal. In einem Bücherantiquariat werden wir von dem Inhaber in ein Gespräch verwickelt, auf deutsch! Er ist nämlich deutscher Herkunft und nach einigen Jahren in Südamerika inzwischen Amerikaner und sogar Bürgermeister von Ferndale. Sozusagen der amerikanische Traum !?
Ein viktorianisches Haus in Ferndale
Wir wollen an diesem Tag noch bis zum Südeingang des Redwood National Parks gelangen und dort übernachten. Dort angelangt, sagen uns die etwas schmuddeligen Motels in Orick nicht gerade zu und wir entschließen uns, auf der 101 durch den Park bis Crescent City zu fahren, wo wir dann auch im Best Western ein Zimmer bekommen.
Einschub: Die Fahrt nach Crescent City in den 1920ern
Wenn man heute so durch die USA fährt - gerade durch den Westen - kann man angesichts der hervorragenden Infrastruktur mit den tollen Straßen kaum glauben, dass noch vor wenigen Jahrzehnten hier wirklich noch der “Wilde Westen” war.
Deswegen zitiere ich hier mal aus einer Reisebeschreibung aus den 1920ern, nämlich aus “Jenseits und diesseites des Ozeans” des Schweizer Journalisten Louis Schultheß. Er bereiste diese Strecke zum heutigen Redwood NP wohl im Jahr 1924.
Ihm war diese selbst Amerikanern damals weitgehend unbekannte Route von einem amerikanischen Regierungsbeamten empfohlen worden. Ich zitiere jetzt mal im Originaltext mit gewissen Auslassungen und Zusammenfassungen:
“Der Baedeker sagte nichts darüber - Crescent City schien ihm gänzlich unbekannt - und selbst die Auskunft, die wir in San Francisco erfuhren, war vag und unbestimmt. ‘Ich fahre nun schon 15 Jahre’, meinte der Chauffeur, (…). ‘Aber durch diese Wälder, von denen Sie da sprechen, bin ich noch nie gefahren. Ich weiß nicht, ob es da eine richtige Straße gibt.’”
Die Reisegesellschaft bricht auf und kommt am ersten Tag noch auf normalen Straßen nach Cloverdale, wo sie übernachten. Schon einige Meilen nördlich kommen sie in den ersten Bereich der Redwoods (wohl die heutige Avenue of the Giants), wo sie die riesigen Bäume - wie wohl jeder Tourist - bestaunen. An diesem Abend wollen sie noch bis Eureka. Schon hierbei gibt es Probleme:
“Der Weg wurde immer schwieriger. Als wir nach mehrstündiger Fahrt aus dem Wald wieder ins Freie gelangen, war er ganz unterbrochen. Mit der Nacht um die Wette fuhren wir quer über das Land in Richtung Eureka weiter. Es war eine denkwürdige Fahrt. Der Wagen versank in grundlosem Sand und schwadenweise wurde der braune, schwere Staub über uns geworfen. Alle Abwehrmaßnahmen waren umsonst, hilflos waren wir den Elementen ausgeliefert. Wieder neigte unser Cadillac nach der einen Seite als wolle er umkippen; wieder war seine Anstrengung, in die Gleichgewichtslage zurückzukommen, von einer Staubwelle begleitet. (…) Wie Müllersknechte kamen wir in Eureka an…..”
Schultheß erzählt dann, wie es am nächsten Tag weitergeht:
“Gegen Mittag senkte sich die Straße langsam zum Meer hinunter, und wir standen vor dem ersten, großen Hindernis unserer Reise. Ein Meeresarm, der sich tief ins Land hineinzog, versperrte den Weg.”
Nach der Karte kann dies kein Meeresarm, sondern eigentlich nur die Mündung des Mad oder des Redwood River sein.
Wohl war da so etwas wie eine Fähre, aber das Boot lag auf der anderen Seite und niemand rührte sich. Endlich kam ein Mädchen in einem Kanu herübergerudert und unterrichtete uns, dass die Flut abgewartet werden müsse, bevor man wieder fahren könne. So saßen wir für die nächsten drei Stunden fest. Ein jeder verbrachte sie auf seine eigene Weise. (…) Ich selber unterhielt mich mit den Insassen eines Ford Cars, der hinter uns nachgefahren kam. Es waren der Schulmeister von Crescent City und seine junge Frau. Sie waren daheim in der Nähe von San Francisco im Urlaub gewesen und kehrten nun nach Crescent City zurück. Sie erzählten von ihrem einsamen Leben da oben am Meer und der faszinierenden Wildheit der Gegend, die immer von neuem ihren eigenartigen Reiz ausübe. ‘Um dieser Weltabgeschiedenheit willen sind wir hier hinauf gezogen,’ sagte der Schulmeister. (…) ‘Wir werden noch über den Winter bleiben und dann zu den Menschen zurückkehren.’”
Nach einiger Zeit werden sie übergesetzt und fahren weiter. Der Weg wird immer rauher.
“Tastend suchte unser Cadillac seinen Weg zwischen den Wurzeln hindurch. ‘Das ist schon das Rauheste, was ich bis jetzt auf meinen Fahrten erlebt habe,’ meinte der Chauffeur und ließ durchblicken, dass er sich wohl besonnen haben würde, den Kontrakt einzugehen, wenn er gewusst hätte, auf wie rauhen Pfaden man nach Crescent City gelangt.
Wir waren aus den Wurzeln heraus und fuhren wieder dem Meer entlang. Ganz nahe dem Wasser über sandigen Boden, in dem die Räder wie vor Eureka fußtief einsanken.”
Sie gelangen dann noch glücklich bis Crescent City. Fremder Besuch dort ist noch eine Seltenheit, so dass die örtlichen Honoratioren vorbeikommen. Diese klagen ihr Leid, dass die immer stärker werdende Holzindustrie die ausgedehnten Wälder vernichtet.
“Nun sei eine Vereinigung in Bildung begriffen mit dem Ziel, einige der schönsten Partien der Redwoods und auf beiden Seiten der im Bau begriffenen Straße einen breiten Streifen Waldes auf alle Zeiten zu sichern.”
Tatsächlich wurden dann ja nach und nach einzelne Teile dieser Wälder aufgekauft und als State Parks unter Schutz gestellt. Aber erst 1968 wurde der Redwoods National Park gegründet.
10. Redwoods National Park - Ashland
Zunächst fahren wir wieder auf der 101 durch den Redwoods National Park zum südlichen Visitor Center. Wir begeben uns anschließend zum Lady Bird Johnson Grove, einem ausgeschilderten Lehrpfad durch die Redwoods. Hier laufen wir über eine Stunde unter den riesigen Bäumen durch und sind auch hier mal wieder fast allein.
Am Parkplatz unterhalten wir uns noch mit einem alten amerikanischen Ehepaar, das unterwegs zu einem Fliegertreffen ist. Der Mann muss mindestens 80 Jahre sein, da er noch Einsätze im II. Weltkrieg geflogen ist.
Als sie erfahren, dass wir am Grand Canyon waren, erzählen sie, dass sie vor etlichen Jahren ihre Flitterwochen dort verbracht haben. Und zwar im El Tovar, im gleichen Hotel also, in dem wir auch gewohnt hatten.
Hohe Bäume- und ich ganz klein darunter.
Zum dritten Mal fahren wir jetzt über die 101 wieder durch den Park nach Nordosten. Wir wollen über Grants Pass nach Ashland, einer Kleinstadt in Oregon, die durch ihr Oregon Skakespeare Festival berühmt ist.
Nach ein paar Stunden Fahrt erreichen wir Ashland und bekommen auch sogar noch die letzten zwei Karten für die abendliche Vorstellung “Ein Mittsommernachtstraum”.
Wir erkundigen uns zunächst in einer nahegelegenen Bed-and-Breakfast-Unterkunft nach einem Zimmer, finden die Preise aber so astronomisch, dass wir uns letztlich im lokalen Best Western wiederfinden.
Einschub: Das ist ein typischer Anfängerfehler. Im Gegensatz zu England, wo Bed & Breakfast für eine besonders günstige Unterbringungsart steht, sind B&Bs in den USA etwas ganz Besonderes, oftmals in schönen alten Häusern und mit tollen Zimmern. Aber dadurch eben für den Normalbürger praktisch unerschwinglich. Sie kosten pro Nacht locker über 100 $.
Ashland selbst ist ein nettes kleines Städtchen mit Universität und sogar relativ niveauvollen Geschäften. Die Vorstellung am Abend gefällt uns nicht so, wir stellen mal wieder fest, dass uns Skakespeares Komödien wesentlich weniger gefallen als seine Tragödien. Übrigens bin ich praktisch der einzige, der im Theater eine Krawatte trägt. Offenbar sind auch hier die Amerikaner sehr informell.
11. Tag Ashland - Crater Lake NP - Ashland
Wir bleiben noch einen Tag, um den nahegelegenen Crater Lake National Park anzuschauen.
Siedendheiß ist mir inzwischen eingefallen, dass ja auch dieser NP direkt auf einer Bergspitze liegt, so dass er möglicherweise auch eingeschneit ist. Allerdings erfahren wir in Ashland, dass der NP grundsätzlich offen ist.
Also fahren wir über die recht hübsche 62 zum Crater Lake NP. Der Crater Lake NP ist ein Krater auf der Spitze eines Berges, in dem sich ein tiefer See gebildet hat. Normalerweise kann man auf einer sehr schönen Straße um den Krater herum fahren.
Allerdings ist aufgrund von Schnee nur der Haupt-Aussichtspunkt und ein kleiner Teil der Ringstraße befahrbar. Wir fahren also zunächst zum Hauptaussichtspunkt und genießen - hier auf hohem Schnee stehend - die Aussicht.
Der Crater Lake mit Schnee.
Danach fahren wir auf den freien Teil der Ringstraße. Hier liegt der Schnee noch höher. Zum Teil fahren wir durch ca. 2 Meter hohe Wände aus Schnee. Am Ende ist noch mal ein kleiner Aussichtspunkt. Auch hier zeigt sich einmal mehr die Schafsmentalität der meisten Touristen. Obwohl am Haupt-Aussichtspunkt durchaus eine Reihe Touristen waren, kommen uns während der ca. 1 Stunde, die wir uns auf diesem Teil der Ringstraße aufhalten, nur ein oder zwei Wagen entgegen. Und wir haben unsere Ruhe.
Hoher Schnee an der Ringstraße!
Leider kann man wegen dem Schnee und der damit verbundenen Abrutschgefahr in den Krater auch nicht auf den sonst sehr interessanten und noch näher am Rand entlangführenden Fußwegen wandern.
Wir fahren auf der 62 wieder zurück Richtung Ashland. In Medford, einer größeren Stadt vor Ashland, halten wir uns noch eine Weile in einem Einkaufszentrum auf, um dort im Factory Outlet ein bisschen einzukaufen. In Ashland zurück schlendern wir noch mal durch den Ort und gehen ins Kino.
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